Weltweiter Ein- und Verkauf

Wie das Brinkumer Unternehmen RFF sich durch die Materialkrise manövriert

Seit 1981 besteht der Hauptsitz der 1976 gegründeten Firma Rohr Flansch Fitting Handels GmbH (RFF) in Brinkum an der Carl-Zeiss-Straße 21.
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Seit 1981 besteht der Hauptsitz der 1976 gegründeten Firma Rohr Flansch Fitting Handels GmbH (RFF) in Brinkum an der Carl-Zeiss-Straße 21.

Für viele Unternehmen stellt momentan die ausreichende Versorgung mit Material ein Problem dar. Insbesondere Baufirmen können davon „ein Lied singen“, wenn es um den Einkauf von Holz, Isolationsstoffen und anderer Materialien geht, die für einen geordneten Baufortschritt benötigt werden: die Preise steigen und der Markt gibt bei langen Lieferzeiten kaum etwas her.

Brinkum –Beim Brinkumer Unternehmen RFF Rohr Flansch Fitting Handels GmbH (RFF), mit Hauptsitz an der Carl-Zeiss-Straße, kennt man sich mit langen Lieferzeiten aus. Der weltweite Wareneinkauf mit einem normalen Vorlauf von sechs bis sieben Monaten, teilweise auch erheblich länger, bringt das mit sich.

450 Lieferanten für Rohre, Flansche und Fittings

Metallische, druckgeführte Rohre in vielen Qualitäten und Abmessungen sowie passende Verbindungsstücke, sogenannte Flansche und Fittings, wie sie bei Werften, Anlagenherstellern, der chemischen Industrie, im Bereich von Öl und Gas und vielen anderen Branchen zum Einsatz kommen, sind die Handelsprodukte des Brinkumer Betriebes. Und häufig wird von den Kunden eine schnelle Lieferung erwartet, wenn Teile für die Funktion einer Anlage dringend benötigt werden. Die Bevorratung mit Waren spielt deshalb bei RFF eine große Rolle. Auf etwa 450 Lieferanten kann das Handelsunternehmen zurückgreifen.

„Wir merken natürlich bei unseren Kunden schon seit über einem Jahr, wie schwer es ihnen fällt, in der Pandemie Investitionsentscheidungen zu treffen“, berichtet Geschäftsführer Michael Allexi (49), der zusammen mit seinem Kollegen Jörg Delveaux (43) das Unternehmen leitet. Firmengründer Hartmut Böttche wird sich nach 45 Jahren erfolgreicher Tätigkeit zum Jahresende aus der Geschäftsleitung zurückziehen.

Die beiden Geschäftsführer der Firma RFF Rohr Flansch Fitting Handels GmbH am Stammsitz in Brinkum-Nord: Michael Allexi (links) und Jörg Delveaux.

„Die langen Lieferzeiten, die in unserer Branche vorherrschen, erfordern, dass wir sehr vorausschauend agieren müssen“, sagt Allexi. „Die Material-Engpässe, die andere Firmen beklagen, gibt es bei uns aufgrund der hohen Bevorratung nur in begrenztem Maße“, ergänzt er, will aber nicht ausschließen, dass aufgrund von unvorhersehbaren, politischen Einflüssen in bestimmten Lieferländern, sich die Situation auch bei RFF ändern könnte.

Versorgungssicherheit ist bei RFF nicht erst seit Corona ein Thema

Die Materialversorgung sei für RFF und ihre mehrere Tausend Abnehmer nicht nur in Corona-Zeiten ein großes Thema, so Allexi. „Wir haben frühzeitig damit begonnen, für die Versorgungssicherheit entsprechende Maßnahmen zu treffen und für unsere Kunden erreichbar zu bleiben.“ Man habe sich zu Beginn der Pandemie dazu entschlossen, die Bestände nicht groß herunterzufahren, sondern bereits im Februar 2020 entschieden, Anfang 2021 wieder eine Bestandsgröße wie vor der Pandemie zu erreichen. Seitdem halte man im Interesse der Lieferbereitschaft in der Regel einen Materialbestand von rund 14 000 Tonnen vor, teilweise auch darüber hinaus.

Seit der Wirtschaftskrise 2008/2009 mangele es dem Stahlhandel an Ruhe, bedauert Allexi. „Alle anderthalb Jahre passiert irgendetwas“, erinnert er an Handelskriege und andere Schwierigkeiten im internationalen Umfeld, die Investitionsentscheidungen enorm erschwert haben.

„Unser Auftrag ist es ja, dass wir die Lagerfunktion für unsere Kunden übernehmen“, sagt Jörg Delveaux. „Wir kennen unsere Lieferanten über 45 Jahre und haben zu Beginn der Pandemie proaktiv Gespräche mit ihnen geführt, um zu klären: Was können wir dazu beitragen, um im Interesse unserer Kunden weiter lieferfähig zu bleiben?“ So sei es gelungen, die Einkäufe besser zu justieren. Das Unternehmen hält insgesamt 45 000 Quadratmeter Hallenlagerflächen für rund 60 000 Einzelartikel vor. Mehr als 1,5 Millionen Artikel befinden sich angabegemäß abrufbereit im System.

RFF verfügt über Standorte in Düsseldorf, Mannheim, Nürnberg und bei Leipzig

„Die Entscheidungsfindung in einer komplizierter gewordenen Welt gestaltet sich viel schwieriger, als das noch vor ein paar Jahren möglich war“, zieht Allexi ein Fazit. „Wir befinden uns mit unserer Branche genau an dem Knotenpunkt, wo es politisch und wirtschaftlich hoch komplex ist“.

Das Unternehmen sieht er im partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Lieferanten und Kunden als „diplomatischen Netzwerker“. Und um zukünftige Herausforderungen meistern zu können, ist er sich sicher: „Wir müssen flexibel bleiben und ganz leichtfüßig unterwegs sein.“

Die Abnehmer von RFF, „vom kleinen Betrieb um die Ecke bis zum Weltkonzern“, haben ihre Standorte vorwiegend in Zentraleuropa, liefern aber die Fertigprodukte als exportierende Unternehmen weltweit. „Ich schätze, dass ungefähr 50 bis 60 Prozent des Materials, das wir verkaufen, innerhalb Deutschlands verbleibt“, so Allexi. Aufträge werden anhand einer leistungsstarken Logistik abgewickelt, viele davon mit dem eigenen Fuhrpark.

RFF unterhält neben der Zentrale in Brinkum weitere Standorte in Düsseldorf, Mannheim und Nürnberg. Das hochmoderne Zentrallager für Rohre befindet sich in Beucha bei Leipzig. Rund um den Brinkumer Hauptsitz wurden fünf weitere Standorte eingerichtet, die als Lager genutzt werden. Knapp 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen zum Personalstamm, davon alleine 230 in Brinkum. Der Fachkräftemangel zeigt sich auch bei RFF. Neue, engagierte Mitarbeiter sind willkommen. Interessierte kaufmännische oder gewerbliche Quereinsteiger sucht das Unternehmen immer. Auch bietet RFF Schulabgängern Ausbildungsplätze als Groß- und Außenhandelskaufleute, Fachkraft für Lagerlogistik und Bürokaufleute, bei Eignung auch mit begleitendem oder anschließendem Studium.

Geschäftsführer nennen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als größte Stärke von RFF

„Die Auftragsspanne reicht vom Kleinauftrag bis zum Millionen-Projekt“, sagt Michael Allexi. „Wir können besonders punkten, wenn ganz verschiedene Einzelkomponenten nachgefragt werden, die wir mit einer schnellen und sicheren Kommissionierung hier zusammenstellen und dem Kunden zukommen lassen“, erklärt der 49-Jährige das Leistungsspektrum. Flexible, beratungsintensive Serviceleistungen, im Notfall auch an Wochenenden oder Feiertagen, ergänzen das Spektrum. „In unserem Segment und in der Bandbreite, in der wir uns bewegen, gehören wir europaweit zu den größten Anbietern.“

Als einen wesentlichen Teil des Erfolgskonzeptes sehen die beiden Geschäftsführer vor allem die fachlichen Kenntnisse und das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch das vorhandene Produktportfolio, das Wissen rund um die technischen Details und das, was von der Informationstechnologie und der Technik her geleistet werden kann, zählen sie dazu, sowie ein gutes Gespür für eine vorausschauende Planung.

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