Spielraum: Premiere vor vollem Haus

Dialog im Warteraum der Notaufnahme

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„Nenn mich nicht Sissi“, heißt das Stück des Spielraumtheaters in Stuhr-Seckenhausen. Regisseur Per Lindberg, gespielt von Peter Koschade, gerät unter Druck: Seine Tochter Cecilia (Beverly Huntemann) fühlt sich von ihrem Vater vernachlässigt.

Seckenhausen - Von Rainer Jysch. Eine glanzvolle Premiere ist dem Spielraumtheater am Freitagabend gelungen. „Nenn mich nicht Sissi“, das Zwei-Personen-Stück des schwedisch-finnischen Autors Johan Bargum, ging vor einem voll besetzten Zuschauerraum über die Bühne. Ein langer Schlussapplaus und zufriedene Minen bei den Mitwirkenden auf und hinter der Bühne zeugten von einer sehr gelungenen Vorstellung. Zu Recht: Die Amateurschauspieler Peter Koschade (Vater) und Beverly Huntemann (Tochter) setzten die aus einem Vater-Tochter-Dialog bestehende Handlung vortrefflich in Szene.

Nach der gescheiterten Ehe lebt Tochter Cecilia, genannt Sissi, bei ihrer Mutter. Der sehr bekannte und vielbeschäftigte Vater, Per Lindblad, ist Theaterregisseur und hatte sich offenbar in den vergangenen Jahren zu wenig um seine 18-jährige Tochter gekümmert. Zudem lebt Lindblad in einer frischen Beziehung und hat mit seiner neuen Partnerin einen kleinen Sohn. Cecilia erfährt aus Zeitschriften, dass sich Lindblad vor der Presse als treusorgender Familienvater präsentiert. „Wir müssen uns auf das Niveau unserer Kinder begeben, um sie zu verstehen“, zitiert Cecilia ihn aus einem Interview. Und: „Zeig’ mir, wie du deine Kinder behandelst, und ich sage dir wer du bist.“

Auf das Schlimmste gefasst eilt Lindblad in die Notaufnahme eines Krankenhauses, nachdem ihn seine Tochter von dort angerufen hat. Körperlich unversehrt hat Cecilia ihren Vater in die Falle gelockt, da sie sich nach der Trennung der Eltern im Stich gelassen fühlt und ihren Vater zur Rede stellen will. Per Lindblad kann und will seiner Tochter in dieser Situation nicht ausweichen, die mehr Aufmerksamkeit, Anerkennung und seine Zuneigung einfordert. Lindblad wird das Gefühl nicht los, dass Cecilia sich ihm anvertrauen, ihn aber auch für sein Verhalten bestrafen möchte.

Im Warteraum der Notfall-aufnahme entwickelt sich aus dem Vater-Tochter-Gespräch nach und nach ein Bild der Familienverhältnisse im Hause Lindblad. Schwierige Gefühlswelten werden deutlich. Die Zuschauer müssen dem sehr privaten Konflikt zwischen Vater und Tochter als gänzlich Unbeteiligte beiwohnen. Koschade und Huntemann spielen ihre Rollen sehr authentisch. Es gelingt ihnen, das Publikum in die sich entwickelnde, problematische Situation hineinzuziehen. Emotionen gehen auf Achterbahnfahrt. Aufgrund ihres hervorragenden, intensiven Spiels vermochten die Darsteller, die Spannung der von Anklage, Verzweiflung und unerfüllter Erwartungshaltung geprägten Handlung während des gesamten Stückes aufrechtzuerhalten.

Für Regie und Bühnenbild zeichnete Falk Wiechers verantwortlich. Als Souffleuse fungierte Alina Astl, und Daniel Cichala sorgte für gutes Licht und Ton. Das sehenswerte, rund 40-minütige Kammerspiel steht noch weitere Male auf dem Plan: am Freitag 29. April und Sonnabend 30. April, jeweils um 20 Uhr und am Sonntag, 1. Mai um 17 Uhr. Der Eintritt kostet acht Euro, ermäßigt fünf Euro an der Abendkasse. Vorbestellungen sind per E-Mail an info@spielraum-stuhr.net oder telefonisch bei Peter Koschade unter 0151/42 31 85 21 möglich.

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