Die „deutsche Geburt“ kennengelernt

Positive Bilanz zum Pilotprojekt „(M)ein Kind kommt“ im Frauentreff „Sie(h)da“

+
Hebamme Stephanie Baske (r.) und Apothekerin Dr. Annette Abhau (l.) gestalten Tag drei des Geburtsvorbereitungskurses 

Brinkum - Von Andreas Hapke. Zwei Kinder hat die 27-jährige Virgina bereits in ihrem Heimatland Mosambik zur Welt gebracht. Dass diese Geburten nicht mit der ihres dritten Babys, das sie Ende Februar erwartet, zu vergleichen sind, hat sie in den vergangenen drei Tagen im Frauentreff „Sie(h)da“ erfahren.

Virgina war eine von elf Teilnehmerinnen des Pilotprojekts „(M)ein Kind kommt an“ – ein Geburtsvorbereitungskurs „nicht nur für Frauen mit Fluchtgeschichte“, wie die Veranstalterinnen im Vorfeld betont hatten (wir berichteten).

Am Ende meldeten sich neun Frauen mit Migrantenhintergrund an, unter anderem aus der Elfenbeinküste, Somalia, Mozambik, Eritrea und Burundi. Sie waren hauptsächlich über die direkte Ansprache, zum Beispiel durch Fathma Atenhahn vom Sozialen Service, auf das Angebot aufmerksam geworden. Fünf Geburtshelferinnen und eine Apothekerin kümmerten sich um die Schwangeren. Die sind zur Freude von Fathma Atenhahn und der Gleichstellungsbeauftragten Nicole Feldmann-Paske an allen drei Tagen am Ball geblieben.

Nach eigener Auskunft hat Hebamme Stephanie Baske gestern eine „bunte“ Gruppe erlebt, darunter „Frauen mit Ängsten und ohne Informationen, aber auch ganz selbstbestimmt und vertrauensvoll“. Bei ihr erfuhren die Teilnehmerinnen alles zu Themen wie Wochenbett und Pflege des Säuglings, während Apothekerin Dr. Annette Abhau unter anderem über Therapien sowie den Umgang mit Ölen und Medikamenten in der Schwangerschaft informierte.

Geburt in Deutschland „komplett anders“ 

Am ersten Tag hatte Wiebke Sydow bereits einen strukturellen Überblick darüber gegeben, was die Geburtsvorbereitung in Deutschland bietet und wie sie abläuft. Über Veränderungen, Reaktionen und „Zipperlein“ im Körper der Schwangeren informierte Jennifer Schnelle. Tag zwei gestalteten Friederike Kückelmann, die auf die verschiedenen Phasen der Geburt und die Aufnahme im Krankenhaus einging, sowie Melanie Thies, die sich unter anderem mit Gymnastik- und Atemübungen um das Wohlbefinden der Schwangeren kümmerte. Die Teilnehmerinnen hatten sich in zwei Kleingruppen aufgeteilt, um intensiver zu arbeiten.

„Komplett anders“ sei eine Geburt in Deutschland, stellte Virgina fest. „Bei uns ist man schwanger, und das Kind kommt einfach zur Welt.“ Sie habe viel gelernt und fühle sich nun bereit für die Entbindung, sagte sie. Ähnlich sah es die 30 Jahre alte Hamda aus Somalia, die Ende März ihr erstes Kind erwartet und sich besonders für die Pflege und die Kleidung des Babys interessierte. „Ich bin sehr gespannt“, sagte sie.

Alle Teilnehmerinnen haben eine Hebamme

Die Frauen saugten nicht nur die Sachthemen auf, sondern kamen sich auch untereinander näher. „Sie wollen sich unbedingt wiedersehen, wenn die Babys da sind“, sagt Nicole Feldmann-Paske. Insofern sei der Kurs eine gute Gelegenheit gewesen, auf bestehende Angebote wie die Babygruppe, das Café Kinderwagen und die Rückbildung, alles im „Sie(h)da“, aufmerksam zu machen. „Die Räume sind jetzt bekannt und die Hemmschwelle dadurch niedriger.“

Auf ein weiteres nachhaltiges Ergebnis verwies Fathma Atenhahn: Alle Teilnehmerinnen hätten jetzt eine Hebamme, die sie vor und nach der Geburt begleitet. „Das muss ab dem dritten Monat so sein. Da werden wir künftig sehr früh drauf achten.“

Zur Wohlfühlatmosphäre trug auch das kulturelle Büfett bei, das die Hauspatinnen Hayat Tozo, Hanna Bakker und Abida Ahmed täglich auf den Tisch zauberten. „Gerade in der Schwangerschaft“, weiß Nicole Feldmann-Paske, „tut ein kleiner Haps zwischendurch ganz gut.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Kindergartenfest Bücken

Kindergartenfest Bücken

Diese überwältigenden kroatischen Inseln sollten Sie gesehen haben

Diese überwältigenden kroatischen Inseln sollten Sie gesehen haben

Zwölf beliebte Inseln Frankreichs - für perfekte Urlaubsentspannung

Zwölf beliebte Inseln Frankreichs - für perfekte Urlaubsentspannung

Lagunenstadt El-Guna am Roten Meer

Lagunenstadt El-Guna am Roten Meer

Meistgelesene Artikel

„Tag des Motorsports“ lockt mehr als 6 000 Besucher

„Tag des Motorsports“ lockt mehr als 6 000 Besucher

Reload-Team bereitet den Bands die passende Bühne

Reload-Team bereitet den Bands die passende Bühne

Drei tolle Tage in Sulingen

Drei tolle Tage in Sulingen

Abi Wallenstein: Wie eine Wundertüte

Abi Wallenstein: Wie eine Wundertüte

Kommentare