Camper am Silbersee rüsten für den Sommer auf: Idylle auf 100 Quadratmetern

„Der Zusammenhalt ist wirklich enorm“

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Kai und Manuela Alfke beim Umsetzen ihres Blumen-Kübels.

Stuhr - Von Maren Jensen. Anne König und ihr Mann Georg waren nie die Camper-Typen. Doch Freunde von ihnen hatten einen kleinen Stellplatz am Silbersee und baten um einen kurzen Kaffee-Besuch. „Eigentlich wollten wir auf die Einladung absagen. Vor allem Georg war dafür. Aber das mochte ich dann doch nicht tun“, sagt Anne König. Die 79-jährige setzte sich also kurzerhand ins Auto und fuhr mit ihrem Mann Richtung Stuhr. Dieser Besuch im Jahr 1970 begründete ihre Leidenschaft für den See.

Dort angekommen überwältigte sie die Stille des Gewässers, die weite grüne Fläche und die Fluchtmöglichkeit vor dem Trubel der Großstadt. „Erst da haben wir verstanden, dass Camping schön ist“, sagt sie. Gemeinsam beschloss das Ehepaar bis zum Frühjahr so sparsam zu sein, dass sie sich einen Wohnwagen leisten konnten.

Mittlerweile sind die Königs seit 45 Jahren mit ihrem dritten Wagen auf dem Campingplatz. Die Geräuschkulisse der Autobahn stört sie nicht. Jeden Sommer verbringen sie dort, vor allem in den vergangenen 20 Jahren. Die Bremer Rentner sind auf ihrer Scholle täglich anzutreffen.

Jens und Tina Gröther vor ihrem noch rustikalen Platz: Bald sollen hier eine Terasse und ein kleiner Garten mit Zaun entstehen.

Früher hat das Paar vor Ort noch frische Eier und Milch kaufen können, heute gehen sie abends in die verbliebende Gaststätte „Zum Kuhstall“. Gemütlich sitzen sie nun auf ihrer Hängeschaukel. Für die neue Saison ist alles vorbereitet: In den verschiedensten Farben leuchten Blumenampeln am Gartenzaun. Das Vorzelt ist ausgerüstet mit Telefon, und die Küche und kleinen Dekorationsfiguren. Stolz zeigt Anne König das Innenleben ihres Wohnwagens. Besonders gern mag sie die kleine Sitzecke und das Schlafzimmer mit der noch dicken Daunen-Bettwäsche. Auf einem kleinen Tisch steht ein Foto ihres Hundes Bella, der vor einigen Jahren verstorben ist. Liebevoll erinnert sie sich an die Zeit mit dem Vierbeiner zurück. „Alle haben unsere Bella hier gekannt. Sie hat sich hier wohler gefühlt, als in der Stadt“, sagt sie. Auf der Anlage sind ihre Kinder und Enkel groß geworden, die Tochter hatte jahrelang ihren eigenen Stellplatz nebenan. „Das geht aus arbeitstechnischen Gründen nun leider nicht mehr“, sagt König. Besonders gefalle ihr am Camping die große Gemeinschaft. Nach der schweren Erkrankung ihres Mannes im vergangenen Jahr haben sich andere Camper fürsorglich um die beiden gekümmert.

Diese Gemeinschaft schätzt ebenso die 32-jährige Manuela Alfke, die seit zehn Jahren zum Silbersee kommt. „Der Zusammenhalt ist wirklich enorm“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann Kai und der DLRG organisiert die aus Bremen stammende Camperin auf dem Platz viele Aktionen für Kinder. „Zudem ist es ein guter Ersatz für viele, die sich keinen Flug in ein fernes Land leisten können“, sagt Alfke. Auch sie rüstet fleißig ihren kleinen Garten für den Sommer auf: Der kleine Teich mit Sprenkel-Anlage ist schon fast fertig. Während ihr Mann tatkräftig zur Schaufel greift, positioniert sie die neuen Blumenkübel und überlegt sich, wo in diesem Jahr die Erdbeeren und Tomaten wachsen sollen. „Mir sind schöne Blüten und bunte Farben wichtig“, sagt sie. Gleich nebenan sitzt das Ehepaar Gröther. Die 52-jährige Tina und der 50-jährige Jens haben es sich auf ihrer Liege gemütlich gemacht. Tina Gröther kennt den Silbersee schon seit den 70er-Jahren. Gemeinsam haben sie allerdings erst seit dem letzten Jahr einen festen Platz.

Viele Pläne haben die beiden für das nächste Jahr. Gerade sind sie dabei, eine neue Terrasse zu bauen. Zudem wollen die Huchtinger einen kleinen Zaun errichten. Während die beiden ihre Pläne mit einem kühlen Bier durchdenken, fährt die elfjährige Melissa an dem Kleingarten vorbei. Ihr Haar ist noch ganz nass, denn sie entschied sich das erst für Sonnabend geplante Anbaden zu verschieben. „Ich war nur fünf Minuten drin“, sagt sie und zittert noch bei dem Gedanken. Neben ihr steht ihre Freundin Emily (9), die ebenfalls mit im Wasser war. „Noch viel zu kalt“, grinst die Schülerin. Während die beiden noch über die Erlebnisse des Tages lachen, sitzt die 67-jährige Rena Havenstein mit zwei Scheiben Knäckebrot und dem Buch „Winter der Welt“ auf ihrem grünen Plastikstuhl mit Blumen-Polster. Jetzt hat sie sich ein neues Vorzelt gekauft, seit 20 Jahren genießt sie die Idylle auf ihren rund 100 Quadratmetern. „Meine Schwiegertochter, Kinder und Enkel kommen mich oft besuchen. Es ist immer was los“, sagt sie. Blumen hat die Bremerin noch nicht gepflanzt. „Da halte ich mich eisern an den Eisheiligen-Brauch“. Dieser besagt, dass vor dem 15. Mai keine Blumen geplanzt werden dürfen, da es bis dahin noch frieren kann. „Ich freue mich darauf, wenn meine Rosen wieder blühen und ich meine Tomaten und Erbsen ernten kann“, sagt Havenstein, die nur zum Wäsche waschen nach Hause fährt. „Das Camping war schon immer meine Welt. Ich brauche nicht unendlich viel Luxus“, sagt sie.

Dem pflichtet auch Camper Lutz Graupner (54) bei. „Camping muss immer noch ein bisschen rustikal sein“, dem Trend des Luxus-Campings mit Espresso-Maschine und singenden Kinder-Toiletten sieht der Technische Leiter der DLRG eher kritisch entgegen. Jeden Sommer reist er mit seiner Familie aus dem Sauerland an. „Wir verbringen so gut wie die ganzen Ferien hier“, sagt er. In seiner rechten Hand hält er seine Bohrmaschine, mit der er gleich noch ein Brett am Zaun anschrauben will.

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