Dreiklang aus Bild, Ton und Musik

Editor Sven Budelmann aus Stuhr ist ein Künstler am Film-Schneidebrett

Sven Budelmann.
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Sven Budelmann aus Stuhr ist Editor und war bei bekannten Produktionen tätig wie bei „Die Schachnovelle“.

Was wären Kinofilme wie „Die Schachnovelle“ oder „Es ist nur eine Phase, Hase“ ohne packenden Schnitt, Ton und Musik? Zwei aktuelle Kinobeispiele der Arbeit des Editors Sven Budelmann aus Brinkum. Der Meister seines Metiers schneidet derzeit an der Netflix-Neuverfilmung „Im Westen nichts Neues“.

Stuhr-Brinkum – Ein Film entsteht insgesamt dreimal: als Buch, beim Dreh und im Schneideraum. Das sagte bereits die britische Filmlegende Alfred Hitchcock. Die größte deutsche Filmproduktion entsteht aktuell zum dritten Mal, und zwar teilweise in Brinkum. Sven Budelmann schneidet die Neuverfilmung des Kriegsdramas „Im Westen nichts Neues“, die mit mehr als 22 Millionen Euro teuerste deutschsprachige Netflix-Produktion in diesem Jahr. Der Starttermin ist voraussichtlich im Sommer 2022.

Sein Ziel: „Mit vorhandenem Bildmaterial das Maximale rauszuholen.“ Der Editor Budelmann aus Stuhr, der eigentlich in Berlin wohnt, hat bereits Spielfilme geschnitten wie „Nordwand“, oder „Der Medicus“ und die aktuellen Kinofilme „Die Schachnovelle“ sowie „Es ist nur eine Phase, Hase“. „Dass ich an so vielen unterschiedlichen und mittlerweile auch internationalen Produktionen mitarbeiten darf, ist ein großes Glück“, sagt Budelmann.

Anfangs habe er auch Werbefilme gemacht. Nicht ungewöhnlich sei die Frage, nach einer Autowerbung mit einem roten Fahrzeug, ob man auch silberne Autos in Szene setzen könne, scherzt der 47-Jährige.

Erste Berührungspunkte mit der Materie Film hatte Sven Budelmann bereits in jungen Jahren als Schüler an der KGS Brinkum. „Ich hatte Glück, dass es dort einen Lehrer gab mit einem Fabel für Film und Musical“, sagt er. Zusammen mit dem heutigen Storyboardzeichner Arne Jysch, entzündete sich dort das Filminteresse der beiden. Budelmann dankt heute noch der „guten filmischen Ausstattung“ in der Gemeinde Stuhr während seiner Schulzeit.

Ein Film entsteht dreimal: als Buch, beim Dreh und im Schneideraum.

Sven Budelmann zitiert Alfred Hitchcock

Die erste eigene Kamera hat Sven Budelmann mit 14 Jahren von seinem Konfirmationsgeld gekauft. Er und Jysch drehten daraufhin gemeinsam Perspektiven aus dem Hitchcock-Film „Psycho“ nach und versuchten sich an weiteren Sequenzen wie einer Kamerafahrt bei Inidana Jones aus einem der alten Filme.

„Der Schnitt war für mich immer das Spannendste“, sagt Budelmann. Die Arbeit vereine alle Welten in der Filmproduktion: Bild, Ton, Musik. Szenen-Vertauschen und neu zusammensetzen, da zeigte sich Budelmanns Können und Leidenschaft. „Das hat mir früh Spaß gemacht.“

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Nach seinem Abi 1993 wollte der heutige Editor noch zunächst Regie studieren. Aufgenommen wurde er nicht. Durch Zufall kam er dazu, ein Showreel zu schneiden: Ein 90-Minuten-Film in einen musikunterlegten Trailer verwandeln. Das gefiel. Budelmann kam ins Filmgeschäft, lernte den Regisseur Philipp Stölzl kennen, schnitt in wenigen Jahren rund 150 Musikvideos darunter sein erstes für Rammstein („Du Hast“) und weitere für Madonna, Die Toten Hosen und viele andere. Als die Filmhochschule ihn später anfragte, ob er nicht Seminare halten möge, wollte er auch nicht mehr studieren, und hatte kein Interesse mehr an der stressigen Regiearbeit.

Filmproduktion bedeutet viel Arbeit

Einen Film zu produzieren, bedeutet Arbeit und Stress. Für zwei Minuten Film kommen leicht ein bis zwei Stunden Rohfilm zusammen, sagt Budelmann. Jeden Drehtag versucht er an einem Tag zusammenzuschneiden. Für den vergleichsweise ruhigen Film „Die Schachnovelle“ kamen so rund 1 100 Bildschnitte und 6 500 Tonschnippsel zusammen. 36 Drehtage samt elf Wochen Feinschnitt.

Aktuell editiert er die Neuauflage des Anti-Kriegsromans von Erich Maria Remarque. Ein Drehtag bei „Im Westen nichts Neues“ kostet rund 100.000 bis 300.000 Euro am Tag, berichtet Budelmann. Die Set-Ökonomie müsse da stimmen. Mehrere Kameras filmen gleichzeitig aus unterschiedlichen Perspektiven. Jede einzelne Aufnahme hat dabei ganz bestimmte Momente im Blick, die zuvor am Storyboard entworfen wurden. Die ganze Szene ist später dutzendfach aus etlichen Winkeln vorhanden. Sven Budelmann macht daraus am Computer einen packenden Wechsel aus Übersicht, Nahaufnahme, Dialogwechsel. Er bestimmt die Szenendramaturgie.

Sollte ein Drehtag ausfallen, gehe das richtig ins Geld. Auf den Filmdreh laste großer Druck. In Hollywood sei das noch schlimmer. Der Unfall mit der erschossenen Halyna Hutchins und Alec Baldwin sei möglicherweise ein Resultat daraus, höre man in der Branche.

In den vergangenen 20 Jahren haben sich die technischen Möglichkeiten im Filmschnitt enorm geändert, erzählt Budelmann. Damals habe es beispielsweise nur eine Bild- und eine Tonspur gegeben. Heute lägen auch schon mal 30 Ton- und zehn Bildspuren übereinander.

Dreiklang aus Bild, Sounddesign und Musik

Der Schnitt ist der einzige Moment während der Filmproduktion, bei dem Bild, Ton und Musik gleichzeitig bearbeitet werden können. Dabei fügt Budelmann auch Töne und Musik ein, das sogenannte Sound- und Musiklayout. Mit dem Regisseur von „Im Westen nichts Neues“ sei die Kooperation hervorragend. „Wir haben den gleichen Musikgeschmack.“ Oft bleibe es bei Budelmanns Vorschlägen, wenn er Szenen mit Schüssen, Schreien oder Flammenwerfer-Geräuschen unterlegt. Später ersetzt ein Tonstudio nur das Sounddesign mit höherwertigen Sounds, der Komponist orientiert sich an der Vorlage aus dem Schneideraum.

„Der Gestaltungsspielraum ist enorm“, findet Budelmann, der nichts anderes machen möchte. Bei der Arbeit als Editor geraten Bilder, Farben, Töne und Musik in Interaktion. Wie bei einem Gemälde sei das Zusammenspiel der drei Elemente (Bild, Ton und Musik) entscheidend dafür, wie der Film später auf der Leinwand wirkt. Seine Aufgabe sei es, die richtige Mischung zu finden.

Sobald eine frühe Filmversion steht, mieten die Macher einen Kinosaal und zeigen einem kleinen Testpublikum den ersten Cut. Funktionieren die Szenen mit dem Schnitt? Trägt die Musik die Emotionen? Passen die Geräusche und Töne zu den Bildern? Die Ergebnisse der Auswertung gehen direkt weiter in die Feinarbeit des Filmschnitts.

Sven Budelmann möchte durch seine Arbeit eine völlig andere Welt schaffen, in die der Zuschauer gänzlich versinkt. „Der Film soll die ganze Zeit fesseln“, sagt er.

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