Politik: Verwaltung muss Radweg auf der Nordseite der Kreisstraße 114 weiterplanen

Der Hauch einer Chance soll Realität werden

Auf der Nordseite der Kreisstraße 114 ist dieser Radfahrer in Richtung Bundesstraße 51 unterwegs.
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Auf der Nordseite der Kreisstraße 114 ist dieser Radfahrer in Richtung Bundesstraße 51 unterwegs.

Fahrenhorst – Eigentlich stand am Donnerstagabend lediglich ein Sachstandsbericht zum Radweg an der Warwer Straße (Kreisstraße 114) auf der Tagesordnung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung und Umwelt. Die darin in Aussicht gestellte Umsetzung des Vorhabens auf der Nordseite begrüßte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Kristine Helmerichs, wollte es damit aber nicht belassen. Sie stellte den Antrag, „den Radweg auf der Nordseite weiterzuplanen und mit den Anwohnern in Gesprächen zu bleiben“. Dies sahen auch die anderen Politiker so und stimmten zu.

Vorab hatte der zuständige Fachbereichsleiter Hajo Giesecke über die Entwicklung des Projekts in den vergangenen Monaten berichtet. Nach und nach habe die Gemeinde die Aufträge der Politik abgearbeitet. Es galt zu klären, ob eine Enteignung von nicht verkaufsbereiten Grundstückseigentümern auf der Südseite zulässig sei; ob eine Verkaufsbereitschaft bei den Eigentümern auf der Nordseite bestehe; ob eine Verschwenkung in Höhe der Turmstraße und die Weiterführung des Radwegs auf der Südseite förderfähig sei; ob als Alternative ein touristischer Radweg zwischen Fahrenhorst und Syke zuschussfähig und gemeinsam mit Syke umzusetzen sei.

Zur Frage der Enteignung habe der Landkreis mitgeteilt, dass dies theoretisch möglich, jedoch ausgesprochen schwierig sei, sagte Giesecke. Zumal sich eine Lösung auf der Nordseite abzeichne. Dort hätten die Eigentümer Verkaufsbereitschaft signalisiert. Die Gespräche seien aber noch keine Verkaufsverhandlungen gewesen. Laut Giesecke würden auf der Nordseite 14 Teilflächen von 23 Grundstücken benötigt. Insgesamt gebe es 15 Eigentümer, nur mit einem habe die Gemeinde noch nicht sprechen können. Lediglich zwei Eigentümer seien derzeit nicht verkaufsbereit. In einem Fall könnte die Verrohrung des Grabens einen Grundstückserwerb überflüssig machen.

Einem Betrieb müsse der über den Radweg verlaufende Lieferverkehr ermöglicht werden, was über eine Verschwenkung der Fahrbahn zu erreichen wäre. Dies böte sich auch an, um eine denkmalgeschützte Scheune zu umgehen. An dieser Stelle käme aber auch eine schmalere Fahrbahn oder ein schmalerer Radweg infrage.

Eine Verschwenkung des Radwegs von der Nord- auf die Südseite in Höhe der Turmstraße bis zur Straße Warwer Sand würde einer Förderung des Projekts laut Giesecke nicht im Weg stehen. Vorteil dieser Variante: eine gute Erreichbarkeit von Sportplatz, Friedhof und Tennisplatz auf der Südseite. Für den Wechsel der Straßenseite bevorzuge die Verkehrsbehörde eine Querungshilfe oder einen Fußgängerüberweg. Gegen diese Radwegvariante spreche, so Giesecke, dass nach wie vor nicht alle Eigentümer auf der Südseite Flächen abgeben wollen.

Ein touristischer Radweg über die Straße Warwer Sand und durch den Wald bis nach Syke müsste in Schotterbauweise entstehen, wie aus der Beschlussvorlage hervorgeht. Eine Asphaltbauweise würde auch den motorisierten Verkehr anziehen, außerdem schließe die Stadt Syke diesen Standard aus und würde den Weg auf ihrer Seite – insgesamt ein Drittel der Strecke – nicht weiterbauen. „Wir haben das Projekt aber nicht weiter verfolgt, da wir für den Radweg auf der Nordseite Licht am Ende des Tunnels sehen“, sagte Giesecke.

Ein Anlieger kritisierte, bereits in der Presse veröffentlichte Planungen für den Radweg auf der Nordseite würden künftig die Gespräche mit den dortigen Eigentümern erschweren. Diese müssten zuerst eingebunden werde. Giesecke wies das zurück. „Es gibt gar keine detaillierte Planung. Nur eine Zeichnung, die auch den Eigentümern vorgelegt wurde“, sagte der Fachbereichsleiter. Es gebe auch auch noch keinerlei Höhenprofile. Zuvor hatte der Fahrenhorster Alfred Cohrs auf die Steigung der Strecke zwischen der B  51 und der Ristedter Straße hingewiesen. Was es gebe, so Giesecke, sei der „Hauch einer Chance, den Radweg auf der Nordseite umzusetzen“.

Eine Anwohnerin lehnte den touristischen Radweg über den Warwer Sand – Giesecke hatte ihn so genannt, weil keine Zuschüsse dafür fließen – ab. Sie sah dadurch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. Als Beispiele nannte sie Fußgänger, Kinder und ältere Radfahrer, die deutlich langsamer unterwegs seien. Anlieger Ernst Schrul schlug in dieselbe Kerbe: Eine E-Bike-taugliche Schotterpiste würde das friedliche Miteinander von Fußgängern, Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen mit und ohne Kinderwagen, Senioren, Hundeführern, Reitern, Landwirten und Radfahrern erheblich stören. „Da brauchen Sie einen Polizisten, der den Verkehr regelt.“

Was den touristischen Radweg angeht, sind die Anwohner wohlmöglich von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Auf Nachfrage dieser Zeitung bekräftigte Giesecke am Freitag noch einmal, dass dies nur eine Alternative sei für den Fall, dass das Projekt auf der Nordseite scheitere. Es sei kein zusätzliches Vorhaben.

Schrul setzte sich für den geteilten Radweg ein: bis zur Turmstraße auf der Nord- und ab dort auf der Südseite. Er widersprach Giesecke, indem er für diese Variante bis zum Warwer Sand keine Grundstücksprobleme sah. Es handele sich um Flächen, die sich im Besitz der Gemeinde oder der Kirche befänden, sowie Grundstücke verkaufsbereiter Eigentümer.

Er wohne seit 65 Jahren an der Straße Zum Warwer Sand, sagte Schrul – auch wenn es ein Besucher des Ausschusses besser wissen wollte und von der Empore eine „64“ in den Saal rief. Auf der Kreisstraße 114 gebe es „so viel Verkehr, Motorräder und Lkw, die da durchdonnern“. Eigentlich müsse dort jeden Tag ein Unfall passieren. Seine Forderung: „Bringen Sie dieses Projekt nach vorne. Egal, ob auf der Nord- oder auf der Südseite.“

Der CDU-Ratsherr Heiner Lampe sieht die Gemeinde auf dem richtigen Weg. „Wir kommen der Sache schon näher. Wir haben jetzt eine Grundlage, auf der wir planen können.“ Die komplette Nordseite bis zur Ristedter Straße sei für ihn die „beste Variante“.

Kristine Helmerichs betonte, dass es nicht das Ansinnen des Ausschusses sei, „gegen die Bewohner einen Radweg durchzudrücken. Wir kommen in der Förderkulisse des Landkreises vor. Wenn wir den Radweg nicht hinbekommen, müssen wir das Geld zurückgeben.“

Von Andreas Hapke

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