Justin Strege hatte wegen personeller Turbulenzen eine schwierige Zeit an der Kita Jahnstraße

Der FSJler als einzige Konstante

Vier FSJler für vier Krippengruppen: (v.l.) Katharina Tietze, Justin Strege, Felicia Pereira und Denise Beuke.
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Vier FSJler für vier Krippengruppen: (v.l.) Katharina Tietze, Justin Strege, Felicia Pereira und Denise Beuke.
  • Andreas Hapke
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Stuhr – Justin Strege aus Neubruchhausen hat ein turbulentes Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Kindertagesstätte an der Jahnstraße in Brinkum hinter sich. Dort war der 20-Jährige in einer Krippengruppe eingesetzt, aus der sich nach und nach und aus unterschiedlichen Gründen alle Erzieherinnen verabschiedeten – sei es wegen einer Schwangerschaft oder aus beruflichen Gründen. Plötzlich war Justin die einzige Konstante. „Das war nicht einfach“, sagt er. „Doch ich habe trotzdem positive Erfahrungen gesammelt. Ich bin daran gewachsen.“

Dieses Fazit ziehen auch Katharina Tietze, Denise Beuke und Felicia Pereira unter ihr FSJ an der Jahnstraße. Sie waren wie Justin in einer der vier Krippengruppen beschäftigt. „Wir lassen sie ungern gehen“, sagt die Leiterin der Kindertagesstätte, Christine Knudsen. „Wir waren sehr traurig über den Corona-Lockdown, denn wir haben jeden Tag der Zusammenarbeit genossen.“

Dass Justin kein gewöhnliches FSJ hinter sich hat, weiß auch Knudsen. „Unruhe und Elternärger“ habe der „Komplettwechsel“ in seiner Gruppe nach sich gezogen. „Das hat sehr belastet. So etwas durchzuhalten und positiv zu beenden, das stärkt einen“, glaubt Knudsen. Der 20-Jährige nehme eine „sehr reflektierte Erfahrung“ mit.

Eigentlich wollte sich Justin das FSJ für ein Fachabitur anrechnen lassen und Lehrer werden. Unter anderem durch das positive Feedback des Kollegiums habe er aber gemerkt: „Erzieher ist mein Job.“ Es sei wichtig gewesen zu sehen, dass Arbeit etwas anderes sei als Schule. „Niemand sollte mit der Einstellung in den Beruf gehen: Es ist einfach, weil man mit Kindern spielt. Es ist nicht Friede, Freude, Eierkuchen.“ Speziell nicht für Männer, deren Anteil an der Jahnstraße bei zehn Prozent liegt. Sie liefen zusätzlich Gefahr, ein Kind „nicht sachgerecht anzufassen. Ich sollte auch immer die Tür auflassen. Insgesamt hat mich das nicht weiter gestört“. Trotzdem könne dies ein „abschreckender Faktor“ sein, den Beruf zu wählen. Ebenso die fehlende Vergütung in der Ausbildung.

Eine spektakuläre Schulkarriere hat Katharina Tietze (20) aus Stuhr zum FSJ geführt: Sie ist nach eigener Auskunft zwei Wochen vor dem Abitur ausgestiegen, wollte eigentlich Grundschullehrerin werden. In ihren Schwerpunkten Pädagogik und Psychologie habe sie auch schon Kinder thematisiert. Doch das sei zu theoretisch gewesen. „Wie Kinder denken und handeln, habe ich erst in der Kita richtig gelernt.“ Vor dem FSJ habe sie bereits drei Monate als pädagogische Hilfskraft an der Jahnstraße gearbeitet. „Mit Ein- bis Dreijährigen zu arbeiten, hat mir Freude bereitet und mich als Person verändert. Ich bin in der Arbeit aufgegangen“, sagt Katharina. Geld spiele in ihrem künftigen Berufsleben nur noch eine untergeordnete Rolle. Gleichwohl möchte sie sich das FSJ für das Fachabi anrechnen lassen, um Soziale Arbeit zu studieren. Dies lasse ihr die Möglichkeit offen, später in anderen Bereichen zu arbeiten, etwa in Jugendeinrichtungen.

Weil ein Praktikum viel zu kurz sei, hat sich die Brinkumerin Denise Beuke (17) für ein FSJ entschieden. „Ich mag es sehr gern, mit kleinen Kindern zu arbeiten“, hat sie in Brinkum festgestellt und sofort Nägel mit Köpfen gemacht. Nach den Sommerferien beginnt ihre Ausbildung zur Sozialassistentin in der Kindertagesstätte Abenteuerland in Sudweyhe.

Während Justin mit seinem Fachabi im zweiten Ausbildungsjahr einsteigen und somit schon nach einem Jahr als Sozialassistent arbeiten könnte, muss Denise mit ihrem Realschulabschluss den zweijährigen Weg einschlagen. Insgesamt würde sie also vier Jahre brauchen, bis sie Erzieherin ist.

Zu lange, wie Knudsen findet. „Jungen Leuten wird es schwer gemacht, in soziale Berufe zu kommen. Das FSJ etwa sollte angerechnet werden.“ Überhaupt regt sie einen höheren Praxisanteil in der Ausbildung an. Ihr Wunsch: ein Vorpraktikum, dass die schulische Ausbildung unterstütze. Blockpraktika könnten eine weitere Alternative sein. Immerhin gebe es inzwischen die Möglichkeit, die Erzieherausbildung parallel zur Tätigkeit als Sozialassistentin zu absolvieren.

Für Felicia Pereira (20) führt der Weg in eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. „Ich wusste nicht, was ich aus meinem Leben machen will“, begründet sie ihre Motivation für das FSJ, in dem sie „über sich selbst etwas gelernt“ habe. „Ich bin gewachsen, was Selbstvertrauen angeht, und habe mal ins Arbeitsleben reingeschnuppert“, sagt die Stuhrerin. Die Arbeit mit Kindern habe ihr Spaß gemacht. Ihre Entscheidung sei nicht gegen die Kita, sondern für etwas anderes gefallen.

Von Andreas Hapke

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