Sanierung der B 51: Autofahrer umgehen die Umleitung via Kälberstraße / Polizei kontrolliert regelmäßig

Der beliebteste Schleichweg ist illegal

Begegnungsverkehr auf der kostenpflichtigen Abkürzung: Die Polizei ist immer dabei, oft auch mit vier „richtigen“ Beamten.
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Begegnungsverkehr auf der kostenpflichtigen Abkürzung: Die Polizei ist immer dabei, oft auch mit vier „richtigen“ Beamten.

Stuhr – Gestern Vormittag, Ortsdurchfahrt Erichshof: Der Rückstau der Fahrzeuge reicht von der Kreuzung in Angelse bis zur Auffahrt der Bundesstraße 6 auf die Bundesstraße 51. Das Gute daran: Diese Autofahrer halten sich wenigstens an die im Zuge der B51-Sanierung ausgewiesene Umleitungsstrecke. Anlieger der Bassumer Straße sowie der Kälber- und der Moorstraße machen gerade ganz andere Erfahrungen. Sie wohnen an der zurzeit beliebtesten Abkürzung zwischen Brinkum und Seckenhausen.

Zum Beispiel Landwirt Rainer Lammers, der den Eindruck hat, „dass die Leute sämtliche Verkehrsregeln vergessen, sobald sie den Führerschein in den Händen halten“. Die Rechtslage ist eindeutig: Schon am Kreisel Bassumer Straße/Weyher Straße macht ein Verkehrsschild darauf aufmerksam, dass im späteren Verlauf die Durchfahrt verboten ist. Am Ende der Bassumer Straße wäre noch genügend Platz, um zu wenden. Stattdessen wird auch das zweite Schild mit dem roten Kreis auf weißem Untergrund ignoriert – ebenso das Schild in Gegenrichtung an der B 322.

Als es losging mit der Baustelle, habe er teilweise 160 Fahrzeuge pro Stunde gezählt, berichtet Lammers. Ein Bekannter aus der Bassumer Straße sei in der ersten Woche sogar mal auf 140 Fahrzeuge in 30 Minuten gekommen. Hinter einem Linienbus würden sich teilweise zehn Fahrzeuge stauen. „Wenn ich jetzt vom Hof fahre, muss ich vier Mal gucken. Manche sind auch nicht gerade langsam unterwegs“, sagt Lammers. Für die Sanierung selbst habe er vollstes Verständnis: „Es ist notwendig, die Straßen in Ordnung zu halten.“ Immerhin: Es sei ruhiger geworden, seitdem die Schulferien angefangen hätten und der Elternbringdienst weggefallen sei.

Eine Anwohnerin nennt einen zweiten Grund, weshalb der Verkehr im Vergleich zur ersten Woche – „da war das oft Stoßstange an Stoßstange“ – deutlich abgenommen habe: „Die Polizei war schon mehrmals hier und hat kontrolliert.“ Nicht alle schrecke das wohl ab. „Von den Nachbarn habe ich gehört, dass es Mehrfachtäter gibt“, sagt sie und fügt hinzu: „Nicht, dass ich kein Verständnis für die Autofahrer hätte. Sie stehen in der Umleitung im Stau. Wir haben das oft, wenn die Leute auf der A 1 nicht vorwärtskommen. Ich hätte gar kein Problem damit, wenn sie wenigstens langsam und vorsichtig hierher fahren würden.“

Außerdem sei der Seitenstreifen im Regen in Mitleidenschaft gezogen worden. „Da hat die Gemeinde reagiert und Baken aufgestellt.“

Jürgen Brinkmann, im Rathaus zuständig für verkehrliche Regelungen und Erlaubnisse, bestätigt, dass das Gros der Anwohnerbeschwerden wegen der Baustelle B 51 aus dem Bereich Bassumer Straße, Kälber- und Moorstraße kommt. „Anfangs haben sich auch Leute aus der Timmstraße gemeldet, aber das hat nachgelassen“, sagt Brinkmann. Die Durchfahrt sei zwar erlaubt, um von der B 51 zur B 322 zu gelangen. „Doch die Timmstraße mit ihrem Tempo 30 sowie mit ihren Aufpflasterungen und Verschränkungen ist keine attraktive Umleitungsstrecke, insbesondere nicht bei Gegenverkehr.“ Die Gemeinde habe auf den benachbarten Straßen der B 51 reagiert. Sie habe Anzeigetafeln („Smileys“) aufgestellt, sei mit dem Landkreis wegen Geschwindigkeitsüberwachungen in Kontakt sowie mit der Polizei wegen Verkehrskontrollen auf den Schleichwegen.

Wie viele Verwarnungen über 20 Euro die Ordnungshüter insgesamt schon ausgesprochen haben, war gestern aus dem Weyher Kommissariat nicht zu erfahren. Im Gespräch mit dem Beamten René Behle bekommt man aber eine Ahnung davon. Er selbst hat am Mittwochmorgen ab 7 Uhr für 75 Minuten mit drei weiteren Kollegen in der Kälberstraße kontrolliert. „Wir haben ungefähr 35 Verstöße aufgenommen. Das ist schon sehr viel, wenn man bedenkt, dass viele auch gewendet haben, als sie uns gesehen haben“, sagt Behle. Mit zwei Beamten sei das gar nicht zu leisten. Teilweise hätten vier, fünf Fahrzeuge pro Richtung kontrolliert werden müssen. „Es gab praktisch keinen Zeitpunkt, wo man hätte sagen können: Es passiert nichts, wir brechen ab.“ Die Ausreden der Autofahrer reichen laut Behle von „Ich fahre hier immer her“ über „Es gibt keine Umleitung“ bis hin zu „Das ist alles Blödsinn“.

Eine gute Nachricht zum Schluss: Nach Auskunft der Bassumer Straßenmeisterei, die für die Bauüberwachung zuständig ist, liegt die Sanierung im Zeitplan. Gestern seien die Asphaltarbeiten zwischen Kreuz Meyer und B 6 beendet worden, sagt Leiterin Sonja Stüwe. Es fehlten noch die Fahrbahnmarkierungen, das Aufhübschen des Seitenraums und Arbeiten an der Lichtsignalanlage. Stüwe nennt das Einarbeiten von Erkennungsschleifen in den Straßenbelag als Beispiel. „Wenn das Wetter mitspielt, ist kommenden Freitag der erste Bauabschnitt beendet und am Samstag wieder freie Fahrt“, so Stüwe. Zumindest bis Mitte August. Dann startet die Fahrbahninstandsetzung in der Ortsdurchfahrt Seckenhausen. Und wieder werden sich einige Anwohner fragen, wo die Kenntnisse aus der Führerscheinprüfung geblieben sind.

Von Andreas Hapke

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