Kribbelnde Lippen, pelzige Zunge: Annegret Hacker reagiert allergisch auf Wespenstiche

Das Notfallset ist immer griffbereit

Auf ihrer Terrasse hält sich Annegret Hacker zurzeit selten auf. Sie möchte keine Wespenstiche riskieren.
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Auf ihrer Terrasse hält sich Annegret Hacker zurzeit selten auf. Sie möchte keine Wespenstiche riskieren.

Stuhr – Annegret Hacker hat eine wunderschöne, bunte Terrasse: viele Blumen, Windräder, Lampen und Dekorationen wie Holzschnitzarbeiten, Gartenzwerge, Schmetterling und Leuchtturm. Nur: In dieser Zeit des Jahres hat sie nicht viel davon. Annegret Hacker sitzt nur selten auf ihrem Balkon, denn sie möchte keine Wespenstiche riskieren. Sie gehört zu den fünf Prozent der Bevölkerung, die allergisch darauf reagieren. „Und in diesem Jahr ist es ja wieder schlimmer mit den Wespen“, stellt sie fest.

Von Anfang August bis Ende September, manchmal auch Mitte Oktober, je nach Wetterlage, müsse sie besonders vorsichtig sein, berichtet Annegret Hacker. „Ich bin aber auch schon mal im November gestochen worden. Eine Wespe hatte sich in einem Handschuh versteckt, den ich zur Gartenarbeit anziehen wollte.“ Sie habe erst an einen Rosenstachel gedacht, doch dann traten wieder die ersten Symptome auf: ein Kribbeln in den Lippen, eine pelzige Zunge und das Gefühl, dass die Zunge immer dicker wird.

Annegret Hacker zögerte keinen Augenblick und warf sich die Medikamente ihres Notfallsets ein. Sie ist Allergikerin der Klasse 4, das höchste Stadium. So steht es auch in einem Ausweis, den sie in ihrem Notfallset mit sich führt. Ein Bluttest hatte dieses Ergebnis ergeben. Knapp zwei Jahre ist das her.

Früher, erinnert sich die 72-Jährige, sei sie schon mal von Wespen gestochen worden, ohne anschließend besonders darunter zu leiden. Sie erinnert sich an einen Ausflug mit ihrem Enkel in das Freibad in Kirchhatten. Beim Eisessen sei ihr eine Wespe in den Ausschnitt geflogen und habe sieben, acht Mal zugestochen. „In die Brust, in den Bauch, in die Leiste“, zählt Annegret Hacker. An jeder dieser Stellen habe sie große Quaddeln bekommen und sei zum Arzt gegangen. „Die Stellen haben immer noch wehgetan, die Haut war heiß und hochrot. Der Arzt hatte damals schon von einer allergischen Reaktion gesprochen. Mit den Quaddeln war das aber abgegolten.“

Erst als sie das nächste Mal gestochen wurde, im Jahr 2008, tauchten weitere Symptome auf, gegen die ihr hochdosiert Cortison gespritzt worden sei. Zwei Stunden habe sie unter ärztlicher Aufsicht bleiben müssen, um zu sehen, wie ihr Körper auf die Behandlung reagiert. „Nach der Behandlung gingen die Symptome nach und nach zurück.“ Seitdem hat Annegret Hacker immer ein Notfallset mit drei Medikamenten griffbereit. Deren zwei muss sie nach einem Wespenstich sofort einnehmen: 20 Tropfen Fenistil pur, das sich bei vielen auch als Gel im Medizinschrank befindet, sowie eine ganze Flasche des entzündungshemmenden und antiallergisch wirkenden Celestone. Nur wenn sich ihr Zustand verschlimmern sollte, muss sie sich selbst Epinephrin (Adrenalin) in den Oberschenkel spritzen. Bislang kam das Set nur bei dem Stich von der Wespe aus dem Arbeitshandschuh zum Einsatz, die Injektion war nicht erforderlich. Gleichwohl habe sie danach den Notarzt verständigt.

Als Kind sei sie schon von einer Biene, vor zwei Jahren von einer Hornisse gestochen worden. Letzteres habe zwar sehr wehgetan, allergische Reaktionen aber seien ausgeblieben. Die bekomme sie definitiv nur von Wespenstichen. Umso vorsichtiger ist Annegret Hacker im Umgang mit diesen Insekten. „Bloß nicht anpusten oder mit der Zeitung danach schlagen“, empfiehlt die 72-Jährige. „Das empfinden Wespen als Kampfansage. Wenn überhaupt, dann das Tier lieber vorsichtig wegstreicheln.“ Dies erkläre sie auch ihren Mitmenschen, wenn sie sich in einer größeren Gruppe befinde, denn: „Als Allergiker hat man immer Angst, dass etwas passiert. Und ich kenne niemanden aus meinem Umkreis, der auch betroffen ist.“

Ob sie einen Tipp hat, wie man Wespen auf Abstand hält? „Kaffeepulver in einem feuerfesten Gefäß anzünden. Der Kaffee sollte aber nicht zu alt sein“, rät Annegret Hacker. Bei ihr scheint das allerdings nicht zu helfen. Sie habe immer das Gefühl, ein besonders gern gesehenes Opfer der Wespen zu sein, sagt sie. Deshalb achte sie zusätzlich auf Oberteile mit langen Ärmeln, trage keine Düfte auf und esse nach Möglichkeit nicht draußen. „Das ist schon die halbe Miete“, sagt Annegret Hacker. Auf dass das Notfallset nicht nochmal zum Einsatz kommt.

Von Andreas Hapke

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