Helfer entkusseln Moorfläche im Fahrenhorster Wald / Geringer Wasserstand

Damit seltene Pflanzen und Tiere überleben

Für den Erhalt eines Lebensraumes packen die Helfer fleißig mit an. Seit Montag sind sie am Werk. Die entfernten Bäume bleiben am Rand der Moorfläche liegen, wo sie von der Natur zersetzt und mineralisiert werden.
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Für den Erhalt eines Lebensraumes packen die Helfer fleißig mit an. Seit Montag sind sie am Werk. Die entfernten Bäume bleiben am Rand der Moorfläche liegen, wo sie von der Natur zersetzt und mineralisiert werden.

Fahrenhorst – Das Dröhnen der Motorsense hallt durch den Fahrenhorster Wald. Auf einer kleinen Moorfläche, die umgeben von hohen Bäumen nahe der Grenze zu Kastendiek liegt, stapfen rund 15 Männer und Frauen über den weichen Boden. Beharrlich beseitigen sie kleine Kiefern und Birken. Die jungen Bäume entziehen dem Boden Wasser, rauben Platz und Licht. Sie müssen weichen, damit andere Pflanzen und seltene Tiere überleben können. Entkusseln nennt man diese Art der Landschaftspflege, für die fleißige Helfer in Fahrenhorst derzeit bereitwillig ihre Arbeitshandschuhe überziehen.

Der Nabu Stuhr hat die Entkusselungs-Aktion veranlasst. Doch nicht nur dessen Mitglieder helfen mit. Auch die Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde und Fahrenhorst packt an, ebenso wie Mitarbeiter der Gesellschaft für Abfall und Recycling (GAR). Letztere wurden für die Aktion von ihrem Arbeitgeber freigestellt. Normalerweise ist die GAR der Bürgerinitiative am jetzigen Standort ein Dorn im Auge, doch auf der Moorfläche arbeiten derzeit alle Hand in Hand. „Das ist eine gute Sache“, findet der Vorsitzende der Initiative Jürgen Schierholz.

Der Nabu freut sich über die Unterstützung. Laut Bernhard Helmerichs, der bei der Stuhrer Ortsgruppe aktiv ist, handelt es sich um die größte Aktion im Bereich der Biotoppflege, die sich der Stuhrer Nabu bislang vor die Brust genommen hat. Zwar sei die Ortsgruppe dort nicht zum ersten Mal am Werk, aber sonst hätten die Mitglieder immer nur kleinere Abschnitte auf Vordermann gebracht. „Ohne unsere Hilfe würde das hier zuwachsen und verlanden“, meint Helmerichs.

Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier bestätigt das. Er ist bei der Entkusselungs-Aktion ebenfalls dabei, immerhin gehört die etwas mehr als einen Hektar große Fläche den Niedersächsischen Landesforsten. Dem Wald würden ein paar regenreiche Sommer guttun, sagt Tegtmeier. „Der extreme Aufwuchs von Birken und Kiefern resultiert vom geringen Wasserstand“, erklärt er. Das sei zwar ein natürlicher Prozess, aber wenn niemand etwas dagegen unternehmen würde, würde aus der Moorfläche, die derzeit entkusselt wird, Birkenbruchwald werden. Seltene Tiere und Pflanzen gingen verloren.

Als Beispiel nennt Tegtmeier die Sumpfcalla, das Sumpfblutauge, Torfmoose, Wollgras oder verschiedene Libellenarten. „Offene Strukturen wie hier sind bevorzugte Jagdreviere für Fledermäuse“, führt er weiter aus. „Wenn im Wald so eine Fläche ist, bereichert das die anderen Biotopstrukturen.“ Und dann wäre da noch der Klimaaspekt: „Moore binden jede Menge Kohlenstoff“, schildert der Förster.

Es wird nicht die letzte Entkusselungs-Aktion im Fahrenhorster Wald sein, da ist er sich sicher. „Leider ist es nicht mit einem Mal getan“, sagt Tegtmeier. Die Fläche zu erhalten, sei eine lebenslange Aufgabe. Aber eine Aufgabe, die sich lohnt. Davon sind er und die anderen Helfer überzeugt. Noch bis zum Ende der Woche treffen sie sich täglich von 10 bis etwa 15 Uhr zum Entkusseln.

Gerd Hoppe vom Nabu koordiniert das Geschehen vor Ort. „Ich kannte das alles schon als Kind, das war früher unser großer Spielplatz“, erzählt er und blickt um sich. Seitdem habe sich viel geändert, nicht zuletzt aufgrund des Orkans im Jahr 1972. „Gestern habe ich das erste Mal seit Langem wieder eine Libelle gesehen“, berichtet er, und ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. Ihm zufolge gibt es auch einen Uhu, der im Fahrenhorster Wald auf die Jagd geht.

Viele Moorgebiete und Schlatts wurden einst als Müllkippen missbraucht oder in Ackerflächen umgewandelt. Doch mittlerweile ist klar, wie wichtig sie für Natur und Klima sind. Heinz-Dieter Tegtmeier betont, dass die Stiftung Naturschutz des Landkreises sich ordentlich ins Zeug gelegt hat, um Flächen wieder zu renaturieren.

Ins Zeug legen sich aktuell auch die Helfer in Fahrenhorst. Die Zimmerei Cohrs hat ihnen Holzbohlen zur Verfügung gestellt, damit sie sich auf dem Moorboden besser fortbewegen können. Die Felta-Tankstelle sorgt für Brötchen und Butterkuchen.

Mitmachen

Wer mithelfen will, kann sich bei Gerd Hoppe (016092242784) oder Bernhard Helmerichs (01621360059) melden. Ein ähnlicher Arbeitseinsatz in kleinerem Stil ist demnächst an der Wulfhooper Heide geplant.

Von Katharina Schmidt

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