816-Training an den Calisthenics-Geräten der Funsportanlage / Auftakt am 27. September

Damit Kids auf andere Gedanken kommen

Die menschliche Flagge zählt zu den anspruchsvolleren Übungen. Die Fähigkeiten von Daniel Magel bewundern (v.r.) Alexander Piossek, Jan Aßmann und Thorsten Meyer. Fotos: Hapke

Brinkum - Von Andreas Hapke. Wem in Stuhr eine gesprühte 816 begegnet, wird sie nicht gleich mit der Gemeinde in Verbindung bringen. Und doch ist es so gemeint. Es sind sie letzten drei Ziffern der Stuhrer Postleitzahl 28816. „Die Jugendlichen identifizieren sich mit der Gegend, aus der sie kommen“, sagt der Bremer Inklusionspädagoge Daniel Magel. Diese Identifikation möchte das Team Jugend nutzen, um dem Nachwuchs ein neues Freizeitangebot schmackhaft zu machen: das regelmäßige 816-Training an den Calisthenics-Geräten auf der Funsportanlage am Brunnenweg. Der Auftakt ist für Freitag, 27. September, 16 Uhr, geplant.

Ob Handstand, L-Sit oder menschliche Flagge: Sportlich geht es laut Magel darum, schwierige Figuren leicht aussehen zu lassen. Doch die Kids sollen nicht nur Bewegungen lernen. „Sie wissen oft nicht, wohin mit ihrer Zeit und ihrer Kraft“, sagt er. Auf der Anlage könnten die Jugendlichen Frust und Aggressionen abbauen und sich auspowern. „Sie kommen auf andere Gedanken.“ Kurz: Für Magel ist der Sport eine Form der Gewaltprävention.

Der 37-Jährige weiß, wovon er spricht: Als Kind kam er mit seinen Eltern von Kasachstan nach Bremen und landete in dem sozialen Brennpunkt Tenever, wo er eine Entwicklung mit „Ups and Downs“ hingelegt habe. Erst durch den regelmäßigen Sport habe er mit 24 Jahren seinen Weg gefunden. Heute ist er studierter Inklusionspädagoge und möchte dem Nachwuchs selbst mit dem von ihm gegründeten Hoodtraining eine Perspektive aufzeigen. In Tenever steht seit 2010 eine Calisthenics-Anlage. „Es war mein Wunsch, dass dort solche Geräte stehen“, sagt Magel. Nun sei Brinkum nicht Tenever, doch auch in Stuhr gebe es Jugendliche, die nichts mit sich anzufangen wüssten. Und die Respekt lernen müssten. „Respekt vor der Anlage, vor der Gruppe, vor dem Trainer, vor sich selbst.“ Dies fange bei der Begrüßung an und ende mit der Verabschiedung.

Der Kontakt zu Magel geht auf den ehemaligen Leiter des Hauses am Wall, Christian Wille, zurück. Der hatte sich vor dem Bau der Funsportanlage über die Ausstattung mit Calisthenics-Geräten informiert. „Ich habe mich gefreut, dass die Anlage hier entstanden ist. Es ist ein Top-Trainingsplatz“, sagt Magel. Willes Nachfolger Jan Aßmann spielt das bei der Ausrichtung des Jugendhauses in die Karten. Er wolle „eh mehr Sport“ ins Programm hieven.

„Wir möchten die Jugendlichen erreichen. Ziel ist es, eine Gruppe aufzubauen, die sich mit der Anlage verbunden fühlt“, sagt Torsten Meyer. Leiter des Team Jugend im Rathaus. „Schön wäre es, wenn der eine oder andere selbst Trainer werden würde.“ Bis es so weit ist, leitet Magels Kumpel Wladimir Stiefel die Übungseinheiten.

Zuwendungen des Landessportbunds in Höhe von 29 500 Euro sowie der Lotto-Sport-Stiftung von 5 000 Euro ermöglichen ein nachhaltiges Angebot. Bis Ende 2021 können sich die Jugendlichen zweimal pro Woche auf der Anlage austoben. Laut Magel sind bis zu 40 Teilnehmer möglich. Nicht alle müssten an die Geräte, auch Stretching und Kampfsport gehörten zum Training. „Wir passen uns der Gruppe an. Wenn die Stimmung danach ist, können wir auch ein Spiel spielen.“

Die Kooperation mit dem FTSV Jahn Brinkum erlaubt im Winter den Umzug in die Sporthalle an der Jahnstraße. „Wir haben den Abteilungen das Projekt vorgestellt. Sie waren sofort bereit, dafür Hallenzeiten freizuschaufeln“, sagt Alexander Piossek, Mitarbeiter der FTSV-Geschäftsstelle. Meyer findet das wichtig, denn: „Präventionsarbeit ist Beziehungsarbeit. Wenn die über den Winter wegbricht, fängt man wieder von vorne an.“

Ebenso wichtig aus sozialpädagogischer Sicht: Das Training ist kostenfrei und freiwillig. Laut Meyer besteht kein Zwang, regelmäßig teilzunehmen. Eine Mitgliedschaft ist nicht notwendig. Piossek: „Für Kinder, die sich das sonst nicht leisten könnten, ist das ein Anreiz.“ Magel spricht von einem „niedrigschwelligen Bewegungsangebot für jeden“.

Zum Kick off am 27. September bieten die Veranstalter eine Calisthenics-Show, kurze Workshops und kleine Wettkämpfe an. Zudem gibt es Frisches vom Grill und Musik von Rapper Benjo. Denn solche Musik, sagt Magel, sei ein unverzichtbarer Bestandteil eines jeden Trainings.

Weitere Infos:

Thorsten Meyer, Team Jugend, 0421/56 95 231

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