Nabu stutzt Kopfweiden in Heiligenrode und freut sich über neue Mitglieder

Damit der Baum nicht auseinanderbricht

Baumpflege durch den Nabu-Stuhr am Kuhteichweg in Heiligenrode. Alle zwei bis drei Jahre werden die Kopfweiden normalerweise beschnitten. Im Bild rechts: Bernhard Helmerichs.
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Baumpflege durch den Nabu-Stuhr am Kuhteichweg in Heiligenrode. Alle zwei bis drei Jahre werden die Kopfweiden normalerweise beschnitten. Im Bild rechts: Bernhard Helmerichs.

Heiligenrode – „Normalerweise werden die Kopfweiden alle zwei bis drei Jahre geschnitten“, erklärte Bernhard Helmerichs. Er ist Biotopverantwortlicher im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Stuhr. Zur Stabilisierung der Uferböschung seien die 17 Bäume vor rund 20 Jahren in Heiligenrode auf einem Grünstreifen zwischen Klosterbach und Kuhteichweg gepflanzt worden.

„Zuletzt haben wir die Kopfweiden an dieser Stelle vor einem Jahr beschnitten. Jetzt lassen wir aber die Hälfte so wie sie ist, damit sich im Frühjahr Weidenkätzchen bilden und die Bienen ihren Job machen können.“ Ohne den Rückschnitt würde eine ausladende Krone entstehen, unter deren Last der Baum auseinanderbrechen könnte, so der Nabu-Experte. Bei der Aktion am Samstag waren auch Bettina, Udo und Vladimir als gut eingespieltes Team tatkräftig mit dabei. Etwa 20 Aktive zählt der Nabu in Stuhr unter den insgesamt rund 600 Mitgliedern. „Wir freuen uns immer über neue, insbesondere jüngere Mitglieder, damit wir unser Wissen weitergeben können“, wirbt Bernhard Helmerichs Naturfreunde zur aktiven Mitarbeit an.

Die dickstämmigen Weiden zählen zu den insektenreichsten Pflanzen. Mit dem regelmäßigen Stutzen der Kopfbäume soll erreicht werden, dass Käfer, andere Kleintiere und später auch seltene Vögel Lebensräume erhalten. Viele Arten seien in Bezug auf Ernährung, Fortpflanzung und Lebensweise von der Weide abhängig.

Aufsitzende Pflanzen wie Holundersträucher, Gräser und Farne lassen sich in kleinen Nischen des Stammes nieder. „Die Samen werden von Vögeln oder durch den Wind hierher getragen“, berichtet Helmerichs von weiteren Besonderheiten des Baumes.

Durch das Schneiden der Triebe stirbt Material ab, es entsteht Totholz. Der Stamm wird teilweise hohl und es bilden sich Verdickungen und Öffnungen, die vor allem bei Nischenbrütern, wie Steinkäuzen, als Nistplätze beliebt sind. „Höhlenbrüter mögen es schön kuschelig und wollen sich vor Raubvögeln schützen“, erklärt Helmerichs. Auch kleine Säugetiere wie Iltis, Steinmarder und Siebenschläfer sind häufig Bewohner alter Kopfweiden. Zudem bieten die hohlen Stämme Quartiere für Fledermäuse.

„Wir sind bestrebt, im Rahmen des Natur- und Artenschutzes die Lebensräume von ganz vielen Individuen zu erhalten.“ Durch eine Verkettung solcher Schutzräume sei es möglich, einen Biotopverbund herzustellen, damit die Tiere etwas davon haben, aber auch der Mensch ganz normal weiter Landwirtschaft betreiben kann. „Das ist eine Win-win-Situation.“ Gleich neben dem Heiligenroder Kuhteichweg hat der Nabu Stuhr vor einigen Jahren eine gut 8 000 Quadratmeter große Fläche gepachtet mit Weidenhecken, Schilfgürtel und Teich. Mittels extensiver Landwirtschaft wurde auch dort ein Rückzugsraum für Insekten, Frösche und andere Lebewesen geschaffen. Schwertlilien und seltene Stauden haben sich inzwischen angesiedelt.

Mit an langen Stangen montierten Kettensägen ging das Nabu-Team zu Werke und befreite die Kopfweiden von den Trieben an den oberen Enden der knorrigen Pflanzen. In früheren Zeiten wurden die Ruten zu Weidenkörben verarbeitet. Jetzt soll das anfallende Material zum Bau von Weidenzäunen verwendet werden. Auch am Rande der Wiese, auf der Highland-Rinder grasen, an der Straße Am Bruchdamm in Heiligenrode und in der Brinkumer Marsch befinden sich Kopfweiden, die vom Nabu Stuhr regelmäßig gepflegt werden.

Von Rainer Jysch

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