Aufgrund der warmen Witterung

Damit die Autos nicht die Kröten töten - Nabu hat Amphibien früher als üblich im Blick

In einem Eimer am Amphibienschutzzaun tummeln sich die Kröten. Die Männchen lassen sich gerne mal von den größeren und dickeren Weibchen tragen. Foto: Jantje EHLERS
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In einem Eimer am Amphibienschutzzaun tummeln sich die Kröten. Die Männchen lassen sich gerne mal von den größeren und dickeren Weibchen tragen.

Stuhr - Heiner Segelken hat seinen Teich derzeit genau im Blick. Denn aufgrund der warmen Witterung kann es sein, dass die Amphibien in diesem Jahr früher als üblich mit ihrer Wanderung beginnen. Und wenn sich die Erdkröten aus seinem Teich in Bewegung setzen, weiß Heiner Segelken: Es ist Zeit, den Amphibienschutzzaun nahe des Laichgewässers an der Stuhrer Landstraße, in Höhe der „kleinen Wasserlöse“, wieder aufzubauen.

Segelken ist seit 35 Jahren beim Nabu Stuhr. In der Zeit hat er durch den Aufbau und die Betreuung von Schutzzäunen vermutlich schon vielen Kröten, Fröschen und Molchen das Leben gerettet.

Wieso wandern Kröten überhaupt? Sie gehören zu den sogenannten ortsgebundenen Amphibien. „Das heißt, dass die weiblichen Tiere zum Laichen die Gewässer aufsuchen, in denen sie selbst zur Welt gekommen sind. Denn dort haben sie geeignete Lebens- und Wachstumsbedingungen vorgefunden“, heißt es auf der Internetseite des Nabu.

Der Krötenfangzaun ist sozusagen eine Haltestelle für einen Shuttle-Service auf diesem Weg. In regelmäßigen Abständen sind direkt am Zaun Eimer bündig im Boden versenkt. Die Amphibien kriechen auf der Suche nach einem Durchlass am Zaun entlang – und ehe sie sich versehen, plumpsen sie in einen der Eimer. Zu ihrem Glück. Denn dort werden sie von freiwilligen Helfern wie Segelken aufgesammelt und sicher über gefährliche Straßen gebracht.

Laut einer Mitteilung des Nabu-Bundesverbands waren in diesem Jahr mancherorts schon Amphibien unterwegs, auch wenn die Hauptwanderung so früh noch nicht eingesetzt habe. „Die Temperaturen verlaufen in Wellen, sodass die Bedingungen nicht durchgängig gut sind“, heißt es seitens der Naturschützer.

„Die Kröten wollen am liebsten warmen Regen“, erklärt Heiner Segelken. Bei Temperaturen im niedrigen zweistelligen Bereich – so zehn, elf oder zwölf Grad – würde die Wanderung beginnen. „Die Tiere wissen auch alle nicht mehr, wie sie sich verhalten müssen“, sagt er mit Blick auf das unbeständige Wetter.

Wenn die Wanderung losgeht, ist es mit dem Ausstellen eines Zaunes nicht getan. Er muss auch regelmäßig kontrolliert werden. „Elstern, Krähen oder Störche kriegen mit, wo die Krötenfangzäune sind“, sagt Segelken. Sprich: Wenn die Eimer, in die die Amphibien hineinpurzeln, nicht regelmäßig geleert werden, ist der Tisch für die Vögel reich gedeckt.

Früher hat der Nabu Stuhr noch mehr Amphibienschutzzäune betreut. In Fahrenhorst gab es zum Beispiel einen. Doch dieser sei mehrmals mutwillig zerstört worden, bedauert Segelken.

Auch in der Waldfläche an der B 439 in Heiligenrode hat es einen gegeben. Doch diesen Zaun baut der Nabu seit dem Jahr 2018 nicht mehr auf. Die Krötenpopulation ist dort zusammengebrochen. Segelken vermutet, dass das mit dem hohen Verkehrsaufkommen dort zusammenhängt. Bei der Rückwanderung seien viele Tiere überfahren worden. Die Rückwanderung erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, sodass der Nabu dafür über mehrere Monate einen Zaun betreuen müsste – ein enormer Aufwand. Daher gibt es den Shuttle-Service nur auf dem Hinweg.

An der Stuhrer Landstraße ist die Krötenpopulation dem Nabu-Mitglied zufolge ebenfalls zurückgegangen. Das liege auch an den trockenen Sommern in den vergangenen Jahren.

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