Damals eine Notlösung, heute ein großes Plus

Sozialstation Stuhr besteht seit 40 Jahren

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Dieses Bild stammt aus dem Archiv der evangelischen Kirche im Rheinland und zeigt eine Gemeindeschwester, die eine Seniorin besucht.

Stuhr - Von Ulf Buschmann. Damals war alles viel kleiner. Im Jahr 1978 ging es mit gerade einmal vier Mitarbeiterinnen los. Heute sind es 27. Auch die Aufgaben haben sich verändert: Waren es einst einfache Aufgaben wie das Setzen einer Spritze oder Blutdruck messen, so ist es heute allumfassende Pflege. So sieht der Alltag der Mitarbeiter der Sozialstation Stuhr aus. Sie ist Anfang Mai 40 Jahre alt geworden.

Was in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre eine Art Notlösung war, entpuppt sich heute als ein Plus unter den sogenannten weichen Standortfaktoren von Stuhr. Mit der Sozialstation kann die Gemeinde aus der Sicht von Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier damit punkten, dass es nicht nur ausreichend Kita- und Schulplätze gibt, sondern auch Senioren gut versorgt werden.

Rückblende: Im Jahr 1975 schreckte ein Rundschreiben des Stadt- und Gemeindebundes die Verantwortlichen in den Gemeinden auf. Erhebungen hätten ergeben, dass die Anzahl der Gemeindeschwestern sinke. Dies führe zu einer Gefährdung der Versorgung, insbesondere der alten Menschen. Die Gemeindeschwestern waren über Jahrzehnte hinweg unter anderem der verlängerte Arm der Landärzte. Vor diesem Hintergrund schob der damalige niedersächsische Sozialminister Hermann Schnipkoweit die Gründung von Sozialstationen an.

Für Stuhr sei dies eine Herausforderung gewesen, erinnert Jörg Grube, Fachdienstleiter Liegenschaften und Betriebe. Die Gemeinde war nämlich erst im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform gegründet worden – bislang selbstständige Ortschaften wie Brinkum, Heiligenrode oder Stuhr selbst waren teilweise aus mehreren Landkreisen und Regierungsbezirken zu einem neuen Gemeinwesen zusammengewürfelt worden. Dies habe sich auch in der Struktur der Wohlfahrtsverbände beziehungsweise der Grenzen der Kirchengemeinden niedergeschlagen, weiß Grube.

Sie sind für den Betrieb der Sozialstation mitverantwortlich: Jörg Grube (rechts), Fachdienstleiter Liegenschaften und Betriebe, und Pflegedienstleiter Wolfram Klüpfel. - Foto: Buschmann

Die ursprüngliche Absicht, mit den Kirchen und freien Wohlfahrtsverbänden zusammenzuarbeiten, erschien unter solchen Voraussetzungen nicht möglich. Hinzu kam laut einer Mitteilung der Gemeinde, dass nach den damaligen Regelungen „jeder Partner einen mindestens 20-prozentigen Anteil an der Einrichtung“ hätte übernehmen müssen. Dies konnten die infrage kommenden Einrichtungen nicht stemmen.

Deshalb beschloss der Rat am 24. Oktober 1977, die alleinige Trägerschaft für die Sozialstation zu übernehmen. Offiziell los ging es am 3. Mai 1978. Aller Anfang war zumindest in technischer Hinsicht schwer, denn die Gemeinde setzte ultramodernen Kram ein: einen Anrufbeantworter. Diese Anschaffung war zunächst umsonst, denn die Neu-Stuhrer sprachen nicht drauf. Auch mit dem ersten Auto war es so eine Sache. „Das war gefühlt mehr in der Werkstatt als auf der Straße“, sagt Grube schmunzelnd.

Dass es in der Zukunft mehr Arbeit geben werde, sei den Kommunalpolitikern schon in den 70er-Jahren klar gewesen. Grube verweist darauf, dass der Rat bereits im Beschluss über den Aufbau der Sozialstation eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl auf sieben bis zum Jahr 1981 festgeschrieben hat.

Damit war die Zeit des Wandels nicht vorbei. Als 1995/1996 die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt wurde, mussten sich auch die Stuhrer mit dem befassen, was Grube „Pflege als ein Geschäftsbereich“ nennt. Zwar sei das System für die heute allseits bekannten ambulanten Pflegedienste geöffnet worden, doch sie befanden sich erst im Aufbau. In der ersten Zeit nach der Einführung der Pflegeversicherung sei von der vermeintlich neuen Konkurrenz noch nichts zu sehen gewesen. Gleichwohl mussten sich die Stuhrer Gedanken über ihr Marketing machen. Sie entschlossen sich, den Namen „Sozialstation“ beizubehalten. Geführt wird sie als Regiebetrieb. Das bedeutet, sie ist eine Abteilung der Gemeinde und der Rat ist das Aufsichtsgremium.

Und wie stellt sich die Marktlage dar? „Uns geht es nicht anders als anderen ambulanten Pflegediensten“, sagt Wolfram Klüpfel, Pflegedienstleiter der Sozialstation. Die Mitarbeiter könnten die Nachfrage kaum bewältigen.

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