Da kräht kaum ein Hahn mehr nach

Hühnerzüchter aus Brinkum nennt Gründe, weshalb Geflügelzuchtvereine aussterben

Mann schaut durch Fenster auf Hühner.
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Bernd Peters besitzt noch acht schwarze Wyandotten-Hühner. Wenn er auf seine Zeit als Zuchtaussteller zurückblickt, kommen Erinnerungen hoch.

Mit 72 Jahren gehört Bernd Peters noch immer zu den jüngeren Mitgliedern des Geflügelzuchtvereins Brinkum. „Wir haben 13 Mitglieder, acht von uns sind schon über 80“, sagt der Vorsitzende aus Brinkum. Seinen eigenen Verein sieht er vor dem Aus: „Wir bleiben nicht mehr lange bestehen.“ Woran liegt es, dass den Zuchtvereinen die Mitglieder ausgehen?

Brinkum – Für Bernd Peters gibt es nicht die eine Ursache für das Problem. Das Vereinssterben lasse sich durch mehrere Faktoren begründen: Zeitaufwand, Bürokratie und Kosten. Für diejenigen, die trotzdem neu in die Geflügelzucht einsteigen wollen, hat Bernd Peters wichtige Tipps parat.

Jeden Tag geht der Brinkumer Züchter in seinen Stall hinterm Haus, um sich um seine schwarzen Wyandotten zu kümmern. Acht Tiere dieser Hühnerrasse besitzt er noch. „Für den Eigenbedarf, für die Eier“, sagt er. Die Tiere vertrauen ihm: „Ich kann sie mit der Hand füttern. Bei anderen sind sie scheu.“ Mittlerweile ist es um seine Zuchttätigkeiten ruhiger geworden. Früher war Bernd Peters viel aktiver. „Ich hatte 100 Tiere und war auf zehn Ausstellungen im Jahr“, erinnert er sich. Dass er jetzt deutlich weniger Hühner besitzt, bedeute aber nicht, dass er sich auf die faule Haut legen kann. „Geflügel benötigt genau so viel Beachtung wie andere Tiere auch“, klärt er auf. „Wenn ich zum Beispiel in den Urlaub fahre, dann brauche ich immer jemanden, der sie täglich füttert.“

Und auch die Pflege des Stalls sei nicht zu unterschätzen. Der hat nämlich sauber zu sein und sollte darüber hinaus Sicherheit vor Fressfeinden bieten. „Wenn hier ein Marder reinkommen würde, wären alle meine Tiere tot.“ All das kostet nun einmal Zeit. Diese Zeit hätten viele Menschen heutzutage nicht mehr übrig. „Das passt nicht mehr in den Alltag“, nennt Peters einen Grund, weshalb sprichwörtlich und buchstäblich kaum ein Hahn mehr nach der Geflügelzucht kräht.

Nicht nur die Tiere brauchen Pflege und Beachtung: Bernd Peters hält seinen Hühnerstall sauber.

Doch das ist nicht alles. Neben der Zeit fehle oft auch der Platz. „Pro Tier muss man als Züchter einen bis zwei Quadratmeter Auslauffläche haben“, sagt der 72-jährige Brinkumer. Auf dem Land mag das wohl noch gehen, aber für Großstädte oder eng bebaute Gebiete – von denen es immer mehr gibt – sieht er schwarz: „Da kannst du als Hobbyzüchter ja gar keine Hühner halten.“ Deswegen sei die Geflügelzucht sehr stark von der Beschaffenheit der Region abhängig. „Der Osten ist noch am aktivsten“, sagt Peters. Da gebe es noch viel mehr nutzbare Fläche als in Ballungszentren.

Hinzu kämen potenzielle Streitereien mit Nachbarn, „weil der Hahn morgens kräht“. Das sei nun einmal laut. „Viele kommen dann schnell direkt mit dem Anwalt“, ärgert sich Bernd Peters über die sinkende Toleranz. Solche Vorfälle hätten sich in den vergangenen Jahren gehäuft. „Ich war zum Glück noch nicht direkt betroffen“, meint der Brinkumer, „aber wer weiß, wie die Leute drauf sind, die irgendwann vielleicht einmal neu herziehen?“ Ein Tipp, um den Ärger im besten Fall zu umgehen: „Ich lasse die Tiere erst um 8 Uhr raus. Dann kräht der Hahn im Stall. Das ist nicht ganz so laut.“ Alternativ könnten Züchter auch nur Hennen halten, „aber das wäre für die ja langweilig“, meint der Brinkumer und lacht.

Außerdem würden, so der 72-Jährige, die Auflagen für die Geflügelzucht immer strenger werden – auch für Hobbyzüchter, die kein großes Geld damit verdienen wollen. Strengere Auflagen würden aber trotzdem mehr Kosten bedeuten. Als Beispiel nennt er das Impfen: „Früher durften wir die Tiere noch selber spritzen.“ Das sei heute nicht mehr möglich, weil nur noch Tierärzte befugt seien. „Und weil der Impfstoff gekühlt gelagert werden muss, müssen wir Züchter jetzt zwei bis drei Mal im Jahr mit allen Küken, zum Tierarzt jagen“, erklärt Bernd Peters. Das belaste nicht nur den Terminkalender, sondern eben auch den Geldbeutel: „Im Laufe der Zeit ist die Haltung von Geflügel immer teurer geworden.“

Ausreichend Platz gehört zur Geflügelzucht dazu: Pro Tier sollte ein Züchter einen bis zwei Quadratmeter Auslauffläche einplanen.

All das seien gewichtige Gründe, weshalb die Zuchtvereine in der Region nach und nach verschwinden. „Die Stadtverbände schrumpfen alle“, sagt Bernd Peters. Er mutmaßt: „Im Kreisverband Diepholz werden mittelfristig maximal fünf Vereine überleben.“ Das wäre nur ein Bruchteil der Vereine, die es im Landkreis einmal gab und noch immer gibt.

Dadurch befinde sich die Organisation der Geflügelzüchter durch Vereine quasi in einem Fass ohne Boden: Durch weniger Mitglieder gebe es weniger Hände, die anpacken können. Durch weniger Hände gebe es weniger Ausstellungen: „Wir haben zwar eine schöne Halle, aber keine Leute mehr. So eine Schau macht nämlich richtig Arbeit.“ Und durch weniger Ausstellungen verliert ein Zuchtverein letztendlich Stück für Stück an Attraktivität, was wiederum dafür sorgt, dass keine neuen Mitglieder eintreten.

Wer sich als Neueinsteiger trotz all dieser Hürden dafür entscheidet, sich Geflügel anzuschaffen und zu halten, der soll sich nach Ansicht von Bernd Peters schon im Vorfeld mit bürokratischen Dingen auseinandersetzen. „Wenn du dir Tiere zulegst, dann musst du sie bei der Tierseuchenkasse anmelden“, sagt er. „Das ist Pflicht, aber das weiß kaum einer.“ Nur so sei das Geflügel im Schadenfall versichert. Und auch nur so dürfe Huhn oder Taube auf Schauen ausgestellt werden. „Aber die werden hier ja sowieso immer weniger“, sagt der Züchter aus Brinkum.

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