Virus breitet sich schnell aus

Freiwillige gründen Coronahilfe in Stuhr

Die Coronahilfe Stuhr geht an den Start. Oliver Müller vom MGH (v.l.) Bürgermeister Stephan Korte und Jan Laue hoffen auf viele Unterstützer. Foto: Schmidt

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Um den Risikogruppen zu helfen, haben Freiwillige nun die Coronahilfe Stuhr ins Leben gerufen.

  • Das Coronavirus breitet sich in Niedersachsen immer weiter aus
  • Drastische Schutzmaßnahmen sollen Verbreitung verlangsamen
  • Coronahilfe Stuhr bietet Unterstützung

Stuhr – bei der Coronahilfe Stuhr handelt es sich um eine Vermittlungsbörse. Wer Unterstützung anbieten will – zum Beispiel beim Einkaufen – kann sich ab sofort über eine Internetseite melden. Wer Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann dann ab Montag per Telefonanruf Laut geben. Die Helfer der Coronahilfe bringen Angebot und Nachfrage zusammen.

„Ich habe diese Gruppe gegründet, und danach hat mein Handy nicht mehr aufgehört zu vibrieren“, sagt Jan Laue. Er ist 34 Jahre alt und wohnt in Seckenhausen. Mit „dieser Gruppe“ meint er die Facebook-Gruppe „Corona in Stuhr – Wir helfen!“ Vor rund einer Woche hat Laue sie eröffnet, als Plattform zur Koordinierung von Freiwilligen, die besonders bedrohte Mitmenschen unterstützen wollen. Was folgte, war eine Welle der Hilfsbereitschaft.

Coronavirus: 400 Mitglieder in Hilfegruppe

Mittlerweile hat die Gruppe rund 400 Mitglieder. Doch es gibt einen Haken: Die Plattform ist online, und viele Senioren, die zur Risikogruppe gehören, haben kein Internet, geschweige denn einen Facebook-Account. Im Zweifel bekommen sie von den vielen Hilfsangeboten in der Gruppe gar nichts mit. „Ich denke da an meine Großeltern“, sagt Jan Laue. Sie seien 85 und 90 Jahre alt. Die Zeitung liege bei ihnen stets auf dem Tisch. Aber Facebook? Fehlanzeige.

Also hat Laue in die Wege geleitet, dass Senioren oder Personen anderer Risikogruppen ab Montag im Brinkumer Mehrgenerationenhaus (MGH) anrufen können, wenn sie jemanden brauchen, der ihnen etwas vom Einkaufen mitbringt. Oder jemanden, der mit dem Hund Gassi geht, ein Rezept abholt und Medikamente besorgt.

Corona-Hilfe in Stuhr - „Sicherheit im Vordergrund“

Konkret läuft das Prozedere wie folgt ab: Das Team des MGH nimmt Name, Adresse und Telefonnummer des Hilfesuchenden auf und fragt, ob Tiere im Haus sind. Diese Daten gibt es dann an die Helfer der Coronahilfe Stuhr weiter. Diese wiederum vermitteln einen Paten – also eine Person, die freiwillig hilft. Der Pate nimmt dann Kontakt zu dem Hilfesuchenden auf und regelt alles Weitere. Dies alles erfolgt kostenlos (abgesehen natürlich von den Kosten, die beim Kauf von Lebensmitteln oder Medikamenten entstehen).

Wie schnell die Dienstleistung erfolgt, ist von den Möglichkeiten der Paten abhängig. Laue betont, dass niemand sofort losgeschickt werde, um eine Einkaufsliste abzuarbeiten. Vielmehr würden die Ehrenamtlichen die gewünschten Waren mitbringen, wenn sie selber sowieso einkaufen gehen. Alles andere würde die Ansteckungsgefahr für die Paten unnötig erhöhen. „Für uns steht die Sicherheit im Vordergrund“, sagt Laue. Die Helfer bekämen Infos an die Hand, wie sie zum Beispiel Einkäufe überreichen können, ohne Viren weiterzugeben oder sich welche einzufangen.

Unterdessen steigt die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Niedersachsen weiter an. Es gibt bereits drastische Maßnahmen.

Coronavirus in Stuhr: Zehn Koordinatoren in Hilfegruppe

Die Koordinatoren der Coronahilfe arbeiten von zu Hause aus. Derzeit sind es zehn Personen. Manche gehören selber zu einer Risikogruppe, andere nicht. Manche gehen nebenbei ganz normal ihrem üblichen Job nach, andere arbeiten im Home Office oder sind in Quarantäne. Allen gemein ist ihr Wunsch, zu helfen. Laue zum Beispiel ist Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall in Bremen – sich für andere einzusetzen, ist ihm also nicht fremd.

Bürgermeister Stephan Korte freut sich über die Initiative. „Toll, wie die Bevölkerung in Stuhr auf die Sache reagiert“, sagt er. Die Coronahilfe wird unterstützt von der Gemeinde, dem Förderverein Sie(h)da, dem Flüchtlingsnetz und natürlich dem MGH.

Coronahilfe Stuhr: Kontaktinfos

Wer Pate werden möchte, kann sich ab sofort unter www.coronahilfestuhr.de melden. Wer Hilfe sucht, kann von Montag bis Freitag (ab dem 23. März) von 8.30 bis 13 Uhr im MGH unter 0421 / 80 60 98 74 anrufen. Die Facebook-Gruppe „Corona in Stuhr – Wir helfen!“ besteht weiterhin, wird aber umbenannt in „Coronahilfe Stuhr“.

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