Branche in Corona-Not

Reisebüros vermissen Planungssicherheit - beantragte Soforthilfe bislang nicht ausbezahlt

Sausner Reisen musste in der Corona-Krise bereits vier seiner fünf Busse abmelden. Besitzer Frank Cordes und sein Team haben sich der Initiative #honkforhope angeschlossen, um auf die dramatische Situation aufmerksam zu machen. Fotos: Frank Cordes / Hansemondial
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Sausner Reisen musste in der Corona-Krise bereits vier seiner fünf Busse abmelden. Besitzer Frank Cordes und sein Team haben sich der Initiative #honkforhope angeschlossen, um auf die dramatische Situation aufmerksam zu machen.

Um fünf Uhr am Donnerstagmorgen geht es für Frank Cordes und sein Busfahrer-Team los. Sie wollen nach Berlin, um dort an einer Demo teilzunehmen. Cordes ist der Inhaber von Sausner Reisen in Stuhr. Ein Reisebüro, das wie viele andere auch, in eine ungewisse Corona-Zukunft blickt.

Stuhr/Berlin - Das Reisebüro Sausner hat insgesamt fünf Reisebusse in Betrieb. Aufgrund der Corona-Krise musste Cordes vier davon vorübergehend abmelden. Einer läuft noch. „Ich muss meine Kosten in den Griff bekommen“, erzählt er. Die Versicherung sei dabei der erste Kostenpunkt, bei dem er sparen könne.

Zwei bis drei Monate könne er von seinen Rücklagen leben. „Doch nun sind ja schon zwei Monate um“, betont er. Er habe das Gefühl, dass die Touristik – insbesondere die Reisebus-Branche – bei all den politischen Entscheidungen zur Eindämmung des Coronavirus „hinten runter fällt“.

Gut alle zwei Wochen fasst die Politik neue Beschlüsse zur Corona-Pandemie. Daran hangelt sich die Reisebus-Branche entlang. „Für uns ist es wichtig, dass einer sagt, wie es weiter geht“, erklärt Cordes. Dass es in Niedersachsen und Bremen bis zum Ende des Schuljahres keine Klassenfahrten geben werde, sei bedauerlich, doch damit könne er wenigstens planen. Eine Möglichkeit wäre, seine stillgelegten Busse peu à peu wieder anzumelden.

Reisebus-Urlaub größtenteils mit Corona-Risikogruppen

Da Urlaube mit Reisebussen zum Großteil von Corona-Risikogruppen genutzt werden, sei die Zukunft in der Branche besonders schwammig. Sollte die Auflage kommen, Reisebusse bloß zur Hälfte auszulasten, würde sich der Aufwand nicht lohnen. „Zum Geldverdienen ist das nichts. Dann ist man nur auf der Straße präsent“, erklärt Cordes das Dilemma.

Ein weiterer Kostenpunkt sind zwei neue Busse, die den Fuhrpark von Sausner Reisen seit vergangenem Jahr erweitern. Damit komme das Unternehmen auf insgesamt fünf Busse, die im Durchschnitt rund vier Jahre alt sind. „Die sind alle noch in der Finanzierung“, so Cordes.

Von der viel umworbenen Gutschein-Lösung, die eine bessere Liquidität von Unternehmen verspricht, hält Cordes nicht viel. „Das verlagert ja nur mein Problem.“ Stattdessen schickt er seine Mitarbeiter in Kurzarbeit und beantragt staatliche Soforthilfe. Doch seit der Antragstellung Ende März sei bis dato noch kein Geld geflossen. Entlassungen seien für ihn auch kein Thema, denn da würde schon wieder die nächste Hürde lauern: „Unsere Branche ist nun auch nicht mit einem Fahrerüberhang überlastet“, erklärt er den Fachkräftemangel.

Sausner Reisen macht bei Bus-Demo mit

„Touristisch gesehen, ist das Jahr für uns gelaufen“, so Cordes. Damit die Politik ein Augenmerk auf die Busbranche legt, organisiert die Initiative #honkforhope (Übersetzung: Hupen für die Hoffnung) eine Bus-Demo am Donnerstag in Berlin, bei der ein Bus von Sausner Reisen mitmacht. Eine Umfrage bei Reisebus-Unternehmen im Landkreis Diepholz hat ergeben, dass noch einige mehr gerne an der Demo hätten teilnehmen wollen. Anke Borchers von Borchers Reisen aus Twistringen erklärt: „Unsere Reisebusse sind alle in der ,Ruhekasko’ und stehen in der Ecke.“ Die Busfahrer würden sich auf den Linienverkehr konzentrieren, der seit Ende April wieder läuft. Genau so beschreibt es das Unternehmen Gaumann aus Sulingen.

Wegen des noch anhaltenden Versammlungsverbots gebe es bei der Demo in Berlin aber „keine Demonstrationen“ und „keinerlei Versammlung“ im herkömmlichen Sinn. Busse von nah und fern treffen sich in Berlin, um in einem Konvoi eine ausgewiesene Strecke durch die Hauptstadt zu fahren. Um fünf vor zwölf gebe es dann ein Hup-Konzert, das symbolisch auf die dringliche Hilfe hinweisen soll. „Eigentlich ist es in unserer Branche schon Fünf nach Zwölf“, bemerkt Cordes.

Zur Info: Vorherige Demos

Die Omnibusbranche hat bereits am vergangenen Donnerstag in Hamburg demonstriert. Für Mittwoch hatten Angestellte aus der Reisebranche in mehr als 40 Städten Demonstrationen angemeldet.

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