Beim Literaturwettbewerb der Lise-Meitner-Schule beweisen die Teilnehmer viel Fantasie

Corona taucht in Gestalt eines Drachens auf

Die Sieger des Literaturwettbewerbs: (v.l.) Kylie Moch, Maximilian Mieczkowski und Daniel Valeev.
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Die Sieger des Literaturwettbewerbs: (v.l.) Kylie Moch, Maximilian Mieczkowski und Daniel Valeev.
  • Andreas Hapke
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Moordeich – Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt: Schüler der Kooperativen Gesamtschule Moordeich waren zu Beginn der Corona-Epidemie dazu eingeladen, Geschichten über das Virus zu verfassen. Sie mussten sich lediglich an die Vorgabe halten, ihre Idee entweder als Märchen, Kurzgeschichte oder Tagebucheintrag zu formulieren. Motto des Wettbewerbs: „Corona und ich – verrückte Zeiten“.

„Homeschooling war noch nicht verbindlich. Wir waren neugierig, was die Schüler so machen“, erklärt die didaktische Leiterin Nina Conrad. Und in Richtung Teilnehmer: „Wir wollten euch über den Wettbewerb ein bisschen aushorchen.“

Was das angeht, schlug der Versuch zumindest bei den drei Gewinnern fehl. Ihre Protagonisten sind in fiktiven Welten unterwegs, insofern haben die Autoren nichts über sich selbst preisgegeben. Außer dass sie kreativ und fantasievoll an das Thema herangegangen sind.

Im Märchen von Kylie Moch aus der G6c etwa gelingt es dem König nicht, einen Drachen zu besiegen. „Der Drachen hat schon Menschen getötet“, erzählt Kylie. Viele Ritter sind schon an ihm gescheitert – bis es einer von ihnen mit Geschick statt Gewalt versucht. Abstand halten, Mundschutz tragen, Hände desinfizieren lauten seine Empfehlungen. „Der König hat erst nicht daran geglaubt, aber als noch mehr Menschen sterben, stimmt er zu“, erzählt die Zwölfjährige. Und siehe da: Der Drachen schrumpft immer mehr, bis er schließlich völlig von der Bildfläche verschwindet. In der Zwischenzeit haben die Ritter auch einen Trunk erfunden, der die Rückkehr des Ungeheuers verhindert. Ein Drachen als Symbol für Corona, ein Trunk als Impfstoff: In Kylies „Märchen vom Corona-Drachen“ ist das Virus auf jeden Fall besiegt.

Daniel Valeev aus der R9c hatte sich für eine Kurzgeschichte entschieden und diese mit „Die Brille“ überschrieben. „Es geht um Hamsterkäufe und das Problem, als Brillenträger eine Maske zu tragen“, erklärt der 15-Jährige. Er selbst war nach eigener Auskunft während der Pandemie mit seinen Eltern einkaufen und hat sich mit Maske und Brille unwohl gefühlt. Genau darüber beschwert sich im Supermarkt auch sein Protagonist, während er diverse Produkte im Einkaufswagen hortet: Mehl, Nudeln und vor allem Brillenputztücher. Dann packt er sein Auto voll, doch ausgerechnet die Brillenputztücher passen nicht mehr hinein. An dieser Stelle hört Daniels Geschichte auf. „Sie hat keinen Anfang und kein Ende“, sagt er und fügt hinzu: „Wir hatten im Deutschunterricht das Thema Kurzgeschichte. Da hieß es: Wer am Wettbewerb teilnimmt, kann seine Note verbessern. Ich hatte aber auch Lust dazu.“

Mit dem Tagebucheintrag eines Coronavirus hat sich Maximilian Mieczkowski an dem Wettbewerb beteiligt. „Corona weiß nicht, dass es böse ist. Es denkt, dass es sich mit den Menschen anfreundet und eine kleine Weltreise unternimmt“, erklärt der Elfjährige aus der Klasse R5b. Auch die Verwandten sind in aller Herren Länder unterwegs und schicken dem Virus Postkarten – manchmal 300 Stück am Tag. Am Ende fühlt sich Corona schlecht und fragt sich, ob es Corona hat. „Es ist wohl mein Verwandter“, lautet die Vermutung des Virus, das sich aber schon auf die zweite Welle im Herbst freut: „Im Oktober soll es hier lustig werden.“

Er habe sich von der Reihe „Gregs Tagebuch“ inspirieren lassen, sagt Maximilian und gibt zu, dass er eigentlich nicht so gerne schreibe: „Ich mache viele Rechtschreibfehler. Wir haben alles überprüft, das hat seine Zeit beansprucht.“ Wie er Corona bislang erlebt hat? An den Anfang der Pandemie erinnere er sich mit „sehr viel Freude, dass die Schule ausfällt. Dann wollte man aber am sozialen Leben teilnehmen und nicht nur zu Hause sitzen.“

„Yeah“ lautete die erste Reaktion von Daniel, als er vom Schulausfall erfuhr. „Corona war okay, Homeschooling ist mir gut gelungen. Das ist eine gute Lösung für mich“, berichtet er. Er habe viel Zeit mit Videochats und -spielen verbracht. „Sonst gehe ich mehr raus.“

Durch ein Wechselbad der Gefühle ist Kylie während Corona gegangen: „Am Anfang war es toll, schulfrei zu haben, doch ich durfte nicht mit Freunden spielen. Als es wieder möglich war, habe ich mich mit einer Freundin zum Homeschooling getroffen.“ Mit der Rückkehr in die Schule seien Verabredungen erneut tabu gewesen. „Jetzt finde ich alles wieder okay.“

Mit zehn Teilnehmern blieb die Resonanz etwas hinter den Erwartungen der Pädagoginnen zurück. „Ich hätte mich gefreut, wenn es das zu meiner Schulzeit gegeben hätte“, sagt Deutschlehrerin Marion Eiskamp. Sie hoffe, dass der Wettbewerb ein Anstoß für eine Fortsetzung gewesen sei. „Dann aber mit einem anderen Thema.“

Dahinter habe zudem die Idee gestanden, die Schüler zum Schreiben zu motivieren, um Mitarbeiter für die Schülerzeitung zu gewinnen, berichtet Nina Conrad. Zwei Vertreter der Zeitung gehörten auch der Jury an, dazu Eiskamp, Conrad und die pädagogische Mitarbeiterin Regina Braue, die in der Leseförderung der KGS mitwirkt. Maximilian würde wieder teilnehmen. „Aber nur, wenn ich wieder einen Tagebucheintrag schreiben kann.“

Von Andreas Hapke

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