Christine Uwingabire hat ihren ersehnten Aufenthaltstitel erhalten

Papiere sind eingetroffen – freie Bahn für einen Job

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Christine Uwingabire mit ihrer Patin Ursula Schwarze, bei der sie auch eine Unterkunft gefunden hat.

Seckenhausen - Von Andreas Hapke. So schnell wendet sich manchmal das Blatt: Ende vergangener Woche beklagte Christine Uwingabire während der Podiumsdiskussion zum Thema „Gemeinsam sind wir Stuhr“, dass ihr noch immer die Papiere fehlten, um in Deutschland zu arbeiten.

Jetzt hat das Warten ein Ende: Der Afrikanerin flatterte das ersehnte Schreiben des Landkreises Diepholz auf den Tisch, sie erhält den Aufenthaltstitel. „Damit kann sie hier jede Erwerbstätigkeit ausüben“, sagt Bernd Hardemann vom Fachdienst Sicherheit und Ordnung des Landkreises, der sich um die Ausländerangelegenheiten kümmert. Mitte November hat die 37-Jährige einen Termin bei der Syker Behörde, wo ihr der entsprechende Ausweis ausgestellt wird. „Falls gewünscht, kann sie vorab schon eine vorübergehende Bescheinigung bekommen.“

Per Bescheid des Bundesamtes für Migration (BAMF) ist Uwingabire bereits seit einigen Wochen als politischer Flüchtling anerkannt und darf erst einmal drei Jahre in Deutschland bleiben. Dann überprüft die Behörde die Entscheidung und kann sie gegebenenfalls widerrufen. Gibt es dafür keine Gründe, ist laut Hardemann das unbefristete Aufenthaltsrecht möglich.

Von ihrer Zukunft hat Christine Uwingabire bereits eine konkrete Vorstellung: Am liebsten möchte sie eine Qualifizierung zur Altenpflegerin machen, später vielleicht eine darauf aufbauende Ausbildung zur Krankenschwester. Sie hätte schon längst loslegen können. Beim Malteser Hilfsdienst in Bremen bestand die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Qualifizierung zur „Fachkraft für Gesundheits- und Sozialdienstleistungen in der kultursensiblen Pflege“. Ein entsprechendes Schreiben der Malteser hatte Uwingabire am 18. September bei der Syker Behörde eingereicht. Möglicher Einstieg: 28. September oder 12. Oktober. Beide Zeitpunkte sind verstrichen, weil der Aufenthaltstitel fehlte.

Christine Uwingabire hat ihr Heimatland Ruanda aus Angst vor politischer Verfolgung verlassen. Vor ihrer Flucht hatte sie als Verkäuferin gearbeitet. „Ich habe Klamotten verkauft, um später ein Studium der Geisteswissenschaften zu finanzieren“, sagt sie in alltagstauglichem Deutsch. „Ich war unabhängig. Mir ist langweilig, wenn ich in der Wohnung sitze und fernsehe. Ich habe Kraft und möchte etwas tun.“

Ein vierwöchiges Praktikum in der Brinkumer Seniorenresidenz „Haus am Brunnen“ hatte sie während ihres Asylverfahrens bereits absolviert – mit Genehmigung des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung. „Ich habe in dem Monat sehr viel gelernt“, sagt Uwingabire. Doch eine weitere Beschäftigung für acht Wochen – wie von ihr und der Einrichtung gewünscht – lehnte die Behörde seinerzeit ab. Warum, dazu darf Hardemann aus Gründen des Datenschutzes keine Auskunft geben. „Allgemein sehen wir bei Praktika genau hin, etwa was die Vergütung angeht“, sagt der Landkreismitarbeiter. „Und im Asylverfahren müssen wir die Agentur für Arbeit beteiligen, wenn sich keine andere gesetzliche Möglichkeit zur Beschäftigung ergibt.“

„Sie war gerne da, wirkte in dieser Zeit sehr ausgeglichen und zufrieden“, erinnert sich Ursula Schwarze an die Zeit des Praktikums. Bei ihr und ihrem Mann Winfried wohnt Christine Uwingabire seit Anfang September – die erste private Unterbringung seit ihrer Ankunft in Brinkum Ende August vergangenen Jahres. Die Schwarzes gehören zum Kreis der Flüchtlingspaten und wollen nach eigener Auskunft „einfach nur da sein und im Alltag helfen, zum Beispiel mit Fahrten zur Tafel oder zur Behörde“. Davon hat auch Uwingabire schon oft profitiert.

Neben einer Beschäftigung hat die Afrikanerin einen weiteren Wunsch: Es soll mit ihren Sprachkursen weitergehen. Dass zuletzt kein Angebot zustande gekommen ist, hat auch mit ihr zu tun. Auf ihrem Niveau gab es nicht genügend Teilnehmer.

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