CDU, FDP und SPD befürworten mehr Gewerbeflächen, Grüne und „Besser“ nicht

Grüne: „Die Grenzen des Wachstums sind erreicht“

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Geht es nach der SPD, haben bei künftigen Ansiedlungen Unternehmen Priorität, die sich innerhalb Stuhrs erweitern wollen. Unser Foto zeigt den Neubau der Firma Automaten-Service Dallmayr an der Bremer Straße.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Zwei bis drei Hektar an Gewerbeflächen hat Stuhr seit Beginn des Jahrzehnts jährlich verkauft, 2,8 Hektar sind noch vorhanden. Das Angebot wird knapp, weshalb die Gemeinde schon ein Büro mit der Suche nach Potenzialflächen beauftragt hat (wir berichteten). Zugleich spricht Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier bei der Ausweisung zusätzlicher Flächen von einer „politischen Entscheidung“. Doch was wollen die Fraktionen? Wir haben uns bei ihnen umgehört.

„Als Partei der Wirtschaft sind wir natürlich für die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen. Die vorhandenen reichen nicht länger als zwei Jahre“, sagt CDU-Fraktionschef Frank Schröder. Die Gemeinde könne ihren Standard, etwa im Hinblick auf die Kinderbetreuung, nur über die Einnahmen durch die Gewerbesteuer halten. Diese seien auch für den Abbau der Schulden notwendig. Stuhr habe den großen Vorteil, dass es im Gegensatz zu anderen Kommunen an der Lebensader Autobahn liegt. „Da wollen die Unternehmen hin.“ Die Ausweisung neuer Flächen genießt für Schröder einen höheren Stellenwert als die Belebung der Leerstände, auch wenn die Eigentümer ihr Land zurzeit nicht verkaufen wollen. „Die Leerstände gehören uns auch nicht.“ Verschwendung wäre es laut Schröder aber, wenn die Gemeinde neue Flächen an Firmen mit wenig Arbeitsplätzen verkaufen würde.

Ähnlich sieht es SPD-Fraktionschefin Susanne Cohrs. „Logistik-Firmen, die wenig Arbeitsplätze bieten, dafür aber viel Platz benötigen und viel Verkehr verursachen, sollten wir vermeiden.“ Eine weitere Bedingung der Sozialdemokratin: Die Firmen müssen tarifgebunden sein. Auf jeden Fall wolle sie den vorhandenen Branchenmix erhalten, „mit dem wir bis dato erfolgreich waren“. Priorität haben für Cohrs bereits ansässige Firmen, die sich vergrößern wollen. „Das ist jetzt schon stressig, deshalb brauchen wir mehr Flächen, wo auch immer die angesiedelt sind.“ In Bezug auf mögliche Standorte warte ihre Fraktion „händeringend“ auf das Gutachten des beauftragten Büros. „Die Betriebe müssen dann gut mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV, die Red.) zu erreichen sein.“

Einen Bedarf an weiteren Gewerbeflächen stellt auch Jürgen Timm (FDP) fest: „Wir wollen für jeden arbeitsfähigen Menschen eine Arbeitsstelle, und die wohnortnah.“ Mehr Einwohner, mehr Gewerbe – so die Rechnung der Liberalen. Im Hinblick auf die Ausweisung zusätzlicher Kapazitäten sieht Timm „komplizierte Wege, die man gehen muss“. Bei einem Anschluss der Restflächen in Groß Mackenstedt etwa könne die Steller Straße den zusätzlichen Verkehr nicht aufnehmen. Die Nachfrage der Unternehmen sei vorhanden, wobei es um die Fragen gehe: „Was kann ich verwirklichen, und welche Qualität haben die Betriebe?“ Den aktuellen Branchenmix findet Timm „gut“.

Für Grünen-Chefin Kristine Helmerichs sind die Grenzen des Wachstums erreicht: „Wenn wir einen Ausgleich zwischen Gewerbe, Wohnen, Landwirtschaft und Natur anstreben, sind wir am Ende angekommen.“ Noch mehr Gewerbe werde diesen Ausgleich gefährden. Abgesehen davon habe Stuhr „keine zweite Etage“. Die infrage kommenden Flächen – Helmerichs denkt an Groß Mackenstedt – befänden sich in Privatbesitz. „Und die Eigentümer wollen nicht verkaufen.“ Das alles spreche dafür, sich um den Bestand zu kümmern und Leerstände zu vermitteln, „auch wenn das mühevoll ist. Gewerbegebiete bringen natürlich in kurzer Zeit viel Geld“. Generell wünscht sie sich eine Diskussion über die perspektivische Ausrichtung; darüber, wie Stuhr 2050 aussehen soll.

Gegen eine weitere intensive Bebauung spricht sich auch Gerd-W. Bode („Besser“) aus: „In meinen Augen reichen die vorhandenen Flächen aus. Die Steuereinnahmen sind in der Vergangenheit konstant geblieben, obwohl wir immer mehr Hektar verkauft haben.“ Stattdessen will Bode „mehr Qualität als Quantität. Und Qualität heißt für uns Aufenthaltsqualität.“ Das böten zum Beispiel der geplante Marktplatz in Brinkum oder „gewisse grüne Lungen“ wie ein Bürgerpark, den er schon einmal vergeblich ins Gespräch gebracht habe. Eine bessere Vertaktung des ÖPNV bewertet Bode ebenfalls höher als zusätzliche Gewerbeflächen.

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