CDU kritisiert mögliche Untertunnellung

B6 neu-Pläne: „Beruhigungspille für Anwohner“

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Stuhr - Von Julia Kreykenbohm. Fast meinte man, in dem Sitzungsraum im Rathaus das Scharren der Hufe hören zu können. Und wenn es möglich wäre, würden die anwesenden Politiker am liebsten über die Landesgrenze galoppieren, den Bremern die Planungshoheit über den Bau der B 6 neu entreißen, das Zepter selbst in die Hand nehmen und endlich beginnen.

Denn die B 6 ist „das Ventil, das notwendig ist. Sie muss und kann Entlastung bringen“, betonte Fachbereichsleiter für Verkehr, Hartmut Martens. „30.000 Fahrzeuge sind jetzt auf der alten Bundesstraße unterwegs. Mit der neuen könnten wir die Zahl um die Hälfte reduzieren.“

Ernste Mienen bei seinen Zuhörern, den Mitgliedern des Arbeitskreises Wirtschaft und Verkehr der CDU-Landtagsfraktion. Dieser reist die ganze Woche durch Niedersachsen und informiert sich in den Kommunen über Probleme vor Ort.

Seine Mitglieder teilen Martens Ansicht, dass die Planung der B 6 lieber heute als morgen beginnen sollte – aber sie sehen auch das Dilemma, in dem sie sich befinden. Bremen hat bei der Planung den Hut auf. Und die Stadt möchte eine Untertunnellung, wie Fraktionsvorsitzender Volker Meyer seinen Parteikollegen erläuterte, die mit der Thematik noch nicht so vertraut waren.

Das würde 330 Millionen Euro kosten. Der Bund wiederum votiert für eine Troglösung, die mit 175 Millionen zu Buche schlagen würde. Die Differenz – immerhin gut 150 Millionen – müsste Bremen aufbringen und „die haben das Geld nicht“, stellte Meyer trocken fest. Und sie ließen auch nicht erkennen, dass sie die Planung energisch vorantreiben. Niedersachsen selbst könne nur bis zum Ochtum planen. 

„Bremer können Radwege planen – keine Straßen“

Auf diese Weise verzögere sich der Bau immer weiter. Der Vorsitzende des Arbeitskreises, Karl-Heinz Bley, kommentierte: „Die Bremer können Radwege planen – aber keine Straßen.“

Der Fraktionsvorsitzende bezeichnete die Untertunnellung als „Beruhigungspille für Anwohner“ und stellte kritisch fest, dass diese Überlegung damals auch von der CDU mitgetragen worden sei, doch jetzt wolle man umdenken.

Aussagen von Bremer Seite, dass man die Differenz dann eben aufbringen werde, ließen Axel Knoerig den Kopf schütteln: „Ich glaube, kaum einer weiß, wie hoch die Summe eigentlich ist.“ Außerdem könne Niedersachsen seiner Meinung nach mehr koordinieren – wenn es sich darum bemühe.

Und diese Bemühungen wünsche sich Stuhr, machte Martens deutlich. „Zu uns pendeln mehr Leute hinein als hinaus. Wir haben vier Bundesstraßen in fünf Ortsteilen. Wenn es hier nicht läuft, läuft es woanders auch nicht.“ Zum Beweis zeigte Martens Bilder von Autoschlangen auf den Straßen. „Auf der B 322 in Groß Mackenstedt zählen wir werktags 17.000 Kraftfahrzeuge.“

B 6 neu eine Linie von roten Quadraten

Der Blick der Anwesenden blieb wieder an der B 6 neu hängen, die zurzeit nicht mehr als eine Linie von roten Quadraten auf den Plänen von Fachbereichsleiter Martens ist. Und wenn nicht bald etwas passiert, wird sie das auch bleiben, obwohl Stuhr sei inzwischen zehn Jahren für den Bau kämpft. Aber „die Gemeinde ist nur Impulsgeber“, erklärte Martens. Sie schreibe Briefe an Minister, um deutlich zu machen, wie dringlich die Straße sei, aber mehr könne sie da auch nicht tun.

„Wir müssen den Prozess in jedem Fall beschleunigen“, erklärte Meyer zum Abschluss des Gesprächs. Aber er gab auch zu bedenken, dass Bremen erst den Autobahnzubringer Arsten bauen müsse, bevor die Stadt sich den Planungen der Bundesstraße zuwenden kann.

Auch Vorsitzender Bley versprach: „Wir versuchen das Ganze zu begleiten, damit der Planungsraum nicht über das Jahr 2025 hinausgeht. Wenn die Bremer die Kosten nicht aufbringen können, sollten diese vielleicht auf mehrere Schultern verteilt werden.“ Sein Vorschlag lautet, dass auch Nachbarregionen für den Bau einen Zuschuss geben, da sie ebenfalls davon profitieren.

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