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Nabu lädt zum Zählen von Bienen, Hummeln und Co. ein

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Von: Andreas Hapke

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Hufeisen-Azurjungfer.
Fühlt sich in Stuhr heimisch: die Hufeisen-Azurjungfer. © Gerold Leschke

„Können Sie Hummeln am Hintern erkennen?“ Das ist die Entdeckungsfrage der diesjährigen Aktion Insektensommer des Naturschutzbunds (Nabu) Deutschland. Erneut ruft der Nabu die Bürger auf, in ihrer Umgebung Insekten zu zählen. Gerold Leschke vom Nabu Stuhr lädt dazu ins Biotop Henkenmoor ein.

Stuhr – Gerold Leschke hat ein Herz für Insekten. Bei ihm rennt der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland mit seiner Initiative Insektensommer offene Türen ein. Die Naturschützer rufen alle Bürger auf, zwischen dem 3. und 12. Juni in ihrer Umgebung alles, was kreucht und fleucht, für eine Stunde zu zählen. Zum fünften Mal werden Bewohner zu Hobbyforschern. Natürlich ist Leschke, der nach eigener Auskunft fast täglich für den örtlichen Nabu Libellen kartiert, wieder dabei.

Diesmal lädt er sogar selbst zu einer Veranstaltung ein. Wer Lust hat, kann am Samstag, 4. Juni, zum Biotop Henkenmoor in Neukrug kommen und mit Leschke Bienen, Hummeln & Co. zählen. Beginn ist um 11 Uhr. Laut Nabu sammeln die Teilnehmer wichtige Daten für die Artenvielfalt. Oder wie Leschke es formuliert: „Das ist die Basis, um überhaupt argumentativ auftreten zu können.“

Leschke, stellvertretender Vorsitzender des Nabu Stuhr, deutet auf einen Grünen Scheinbockkäfer, der es sich am Eingang des Biotops auf einer Blüte der Büschelrose bequem gemacht hat. „Ein eher seltenes Insekt hier“, sagt er. Ansonsten tummeln sich dort Schwebfliegen, Grashüpfer, Bienen und Hummeln, was sich auch bei der Zählung am Samstag im Biotop bestätigen dürfte.

Wenn man früher im Sommer mit dem Auto Richtung Süden gefahren ist, war die Windschutzscheibe schon am Bremer Kreuz voller Insekten. Heutzutage ist das erst in München der Fall.

Gerold Leschke

Unter www.insektensommer.de hat der Nabu die hierzulande gängigsten Insekten aufgelistet – von A wie Admiral, einer Schmetterlingsart, bis Z wie Zikade, die sich vom Saft des Rhododendrons ernährt und so einen Pilz übertragen kann. Laut Nabu sind allein in Deutschland ungefähr 33.000 Insektenarten beheimatet.

Die Hummeln, die „plüschigen Brummer und Summer“, wie es in einer Mitteilung des Nabu heißt, bilden in diesem Jahr den Schwerpunkt der Zählung. Es gilt, die Tierchen an ihrem Hinterteil auseinanderzuhalten. Laut Leschke ist es bei der Steinhummel rot, bei der Ackerhummel gelb und bei der Erdhummel weiß. „Erkennen Sie die Hummel am Hintern?“, lautet denn auch die Entdeckungsfrage 2022. Im vergangenen Jahr ging es schwerpunktmäßig um den Marienkäfer.

Ob der „Vater mit dem Sohn oder Leute, die Pfingsten Langeweile haben“ – er wolle möglichst viele Leute mobilisieren, sagt Leschke. Er freue sich aber auch, wenn nur ein Einziger komme. Je nach Resonanz wolle er als große Gruppe oder in Kleingruppen losziehen. „Sind es nur drei Leute, bekommt halt jeder ein Klemmbrett.“

Wer in seinem heimischen Garten oder auf dem Balkon zählen oder dazu einen nahe gelegenen Park, Wald, Teich oder Fluss aufsuchen möchte, sollte sich ebenfalls für eine Stunde auf einen Umkreis von zehn Metern konzentrieren. Am besten an einem sonnigen, eher windstillen Tag.

Grüner Steinbockkäfer.
Ein eher seltener Gast im Henkenmoor: der Grüne Steinbockkäfer. © Gerold Leschke

Insekten sind laut Nabu unverzichtbar. Sie tragen zur Vermehrung von Pflanzen und zur Fruchtbarkeit des Bodens bei. Was passiert, wenn sie fehlen, zeige sich in China, erklärt Leschke. „Dort laufen Menschen schon mit Tupfern an Stöcken durch die Gegend, um Blüten zu bestäuben.“ Trotzdem nehme man die Tiere eigentlich nur wahr, wenn sie nerven, stellt der Experte fest.

Doch auch das hat mit abnehmenden Populationen nachgelassen. „Wenn man früher im Sommer mit dem Auto Richtung Süden gefahren ist, war die Windschutzscheibe schon am Bremer Kreuz voller Insekten. Heutzutage ist das erst in München der Fall.“

Umweltgifte und zerstörte Wasserflächen nennt Leschke als Ursachen für das Insektensterben. Was die Gewässer angehe, sei Stuhr noch gut aufgestellt. „Hier kümmert man sich darum.“

Wer am Samstag verhindert ist, bekommt im zweiten Zählzeitraum vom 4. bis 15. August eine zweite Chance. „Verschiedene Insekten sind zu verschiedenen Zeiten unterwegs“, begründet der Experte. Manche Wildbienen etwa lebten ein, zwei Wochen und legten ihre Eier. Die Winterlibelle hingegen fliege auch bei Eis und Schnee.

Auch im August möchte Leschke gemeinsam mit Interessierten ins Gelände gehen, und zwar am Samstag, 6. August, um 11 Uhr.

Mitmachen

Wer an der Zählung im Henkenmoor teilnehmen möchte, muss sich per E-Mail bei Gerold Leschke anmelden: geroldleschke@t-online.de. Das Biotop liegt in Fahrtrichtung Heiligenrode ungefähr 500 Meter hinter der neuen Kindertagesstätte auf der rechten Seite (Eingang zum Babywald, rot-weiße Metallabsperrung). Leschke wird dort eine Nabu-Fahne aufstellen.

Bestimmungshilfen, Zählbeispiele und weitere Informationen gibt es unter www.insektensommer.de. Dort sind auch Meldewege wie App und Onlineformular abrufbar.

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