Brinkumer Schüler Till Wöst und Alex Healey punkten in Geschichtswettbewerb

Onkel Martin und seine WG helfen beim Sieg

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Till Wöst und seine Tutorin Cathleen Janczyk freuen sich über die Auszeichnung durch die Körber-Stiftung. Er und Alex Healey (fehlt) haben ihr Material für den Film in rund 72 Stunden gesichtet, geordnet und geschnitten. Der Titel: „Anders sein. Außenseiter in der Geschichte und heute“.

Brinkum - Von Katrin Köster. Wie geht die Gesellschaft mit Menschen um, die anders sind, weil sie eine Behinderung haben? Dieser Frage sind die Brinkumer KGS-Schüler Till Wöst und Alex Healey nachgegangen. Die Antworten fassten die 14-Jährigen in einem Film zusammen und beeindruckten damit nicht nur ihre Tutorin Cathleen Janczyk, sondern auch die Jury der Körber-Stiftung: Sie hat ihnen einen mit 100 Euro dotierten Förderpreis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zugesprochen.

„Weil niemand dem anderen gleicht, ist anders sein ganz normal“, sagen die Neuntklässler in ihrem Film. Es ist ihr ganz persönliches Fazit, das sie aus ihren Recherchen und Drehtagen mitgenommen haben. Till Wösts Onkel Martin untermauert diese These eindrucksvoll. Er leidet unter einem seltenen Gendefekt, dem Williams-Beuren-Syndrom.

Sein Neffe und Alex Healey besuchten ihn und seine Mitbewohner in der Wohngruppe Sankt Antonius in Börger (Landkreis Emsland). „Wir wurden sehr herzlich und offen empfangen“, betont Till. Einen Nachmittag und Abend erlebten und filmten die 14-Jährigen, wie die Wohngemeinschaft so lebt. Und sie zeigen in ihrem Beitrag, wie „normal“ dort alles läuft. Der Zuschauer sieht die freundliche Wohnküche, die Männer essen selbst gebackene Pizza und schauen fern. Aber auch der Abwasch muss sein – wie in jeder WG.

Für Alex Healey, der mit seinen Eltern inzwischen wieder nach Manchester gezogen ist, war der Besuch bei Tills Onkel der erste intensive Kontakt mit behinderten Menschen. „Er war erst etwas schüchtern“, erzählt Till Wöst. „Aber dann war es ok für Alex.“ Beide hätten sich in der WG letztlich sehr willkommen gefühlt.

Auch im Internet und in Büchern haben die beiden Schüler Informationen für ihren knapp elfminütigen Beitrag gesammelt. Wie Menschen mit einer Behinderung behandelt wurden, zeigen sie mit kurzen Schlaglichtern auf einzelne Epochen. „In Ägypten zollte man ihnen Respekt“, berichtet Till Wöst. Kleinwüchsige beispielsweise konnten damals hohe Positionen bekleiden, sagen sie. Im Mittelalter seien Behinderte hingegen meist verfolgt und geächtet worden, oft zogen sie als Bettler durch die Gassen. Die Jungen wechselten sich beim Schnitt sowie bei den Sprecherrollen ab und zeigten auch einen zeitweiligen Wandel in der Wahrnehmung auf: Im 20. Jahrhundert, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, waren behinderte oder kriegsversehrte Menschen ein häufiger Anblick auf den Straßen. „Man schenkte ihnen jetzt Mitleid“, so die Jungen. Das änderte sich allerdings binnen weniger Jahre wieder, als die Nationalsozialisten im Zuge des Euthanasie-Programms geistig und körperlich Behinderte verfolgten und ermordeten.

Im krassen Gegensatz dazu stehen die kurzen Interviews mit Passanten in der Bremer Innenstadt, die die Teenager geführt hatten. „Die meisten wollten nichts sagen, andere unbedingt. Einige haben uns sehr ernst genommen, zum Beispiel der Vater eines Rollifahrers. Der hat uns viel erzählt“, berichtet Till Wöst von seinen Erlebnissen beim Dreh.

Seine Tutorin Cathleen Janczyk freut es, dass ihre Schützlinge so erfolgreich waren. „Ich habe mich besonders gefreut, dass sie ein gesellschaftskritisches Thema ausgewählt haben“, ergänzt sie. Auch Till Wösts Familie hat sich den Beitrag bereits angeschaut und ist begeistert – allen voran Onkel Martin: „Er fand unseren Film richtig cool“, sagt der 14-Jährige mit einem Lächeln.

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