Nur der Fußboden ist geblieben

Brinkumer Pfarrhaus saniert

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Norbert Olma (links), Vorsitzender des Bauausschusses im Kirchenvorstand, und Andreas Gautier, pastoraler Mitarbeiter der Katholischen Kirchengemeinde „Heilig Geist“ in Brinkum, erläutern die abgeschlossenen, umfassenden Sanierungsmaßnahmen am Pfarrhaus, vor dem beide stehen.

Brinkum - Von Rainer Jysch. Nach einer Bauzeit von knapp fünf Monaten wurden Ende Juli dieses Jahres die umfangreichen Renovierungsarbeiten am Pfarrhaus hinter der katholischen Heilig-Geist-Kirche in Brinkum abgeschlossen. Bei der 1964 errichteten Immobilie war spätestens im Sommer vorigen Jahres von „erheblichen Mängeln“ die Rede gewesen. Der Beschluss, das Pfarrhaus umbauen und von Grund auf erneuern zu lassen, fiel daher im Kirchenvorstand einstimmig.

Der Pastorale Mitarbeiter Andreas Gautier (39) ist mit Ehefrau Sabine und den beiden Kindern Benedikt (14) und Hannah (9) als Mieter in die 143 Quadratmeter große Wohnung eingezogen. Und auch die im Erdgeschoss des Hauses befindlichen Büros haben auf 35 Quadratmetern mit Andreas Gautier und mit Pfarrsekretärin Katharina Steinberg längst die Arbeit wieder aufgenommen. Ein guter Zeitpunkt, um auf den Umfang der baulichen Maßnahmen zurückzublicken.

Seit dem 1. August bewohnt Gautier mit seiner Familie die frisch sanierten Räume. Bereits ein knappes Jahr zuvor war der gelernte Bankkaufmann nach seinem Theologie-Studium und einer Tätigkeit an der katholischen Akademie in Lingen als Pastoraler Mitarbeiter nach Brinkum gekommen. Hier ist er für alle Gemeindearbeiten zuständig, außer Abendmahlfeiern, Taufen, Hochzeiten und Beichtehören, die nur von einem geweihten Priester vollzogen werden dürfen. Ganz bewusst habe er sich für einen Weg ohne Priesterweihe entschieden. Ehefrau Sabine ist in der St.-Johann-Gemeinde im Bremer Schnoorviertel tätig.

Alte Heizung und Schimmel im Keller

„Das Pfarrhaus ist eine Immobilie mit großem Sanierungsstau gewesen“, erinnert sich Norbert Olma, Vorsitzender des Bauausschusses im Kirchenvorstand. „Die Heizung war 34 Jahre alt und entsprach keineswegs mehr dem heutigen Standard. Vor einigen Jahren ist zwar eine Photovoltaikanlage aufs Dach gekommen, die Bausubstanz wurde dabei aber nicht angefasst. Der Keller war massiv mit Schimmel befallen, weil die Wände von außen undicht waren“, zählt er auf. 

„Normalerweise hätte man das Pfarrhaus abreißen und durch einen Neubau ersetzen müssen.“ Dem standen jedoch klare Entscheidungen des Bistums in Osnabrück entgegen: Vorhandene Gebäude sollen erhalten werden. Und: Wenn ein Abriss erfolgt, gibt es keinen Wiederaufbau.

„Es war der ausdrückliche Wunsch des Bischofs, die Pfarrei nach einer Vakanz von 23 Jahren ohne Pastorale Mitarbeiter wieder mit einem solchen zu besetzen, um wieder näher an die Menschen zu rücken“, berichtet Andreas Gautier. „Damit war auch die Entscheidung gefallen, das Pfarrhaus so auszustatten, dass hier eine vierköpfige Familie vernünftig wohnen kann.“

Nutzung für Familie schaffen

„Das Haus wurde quasi entkernt, und gemeinsame Leitungen mit Pfarrheim und Kirche mussten gekappt werden. Nur der Fußboden im Büro und einige Wände wurden erhalten“, berichtet Andreas Gautier. „Ansonsten ist fast kein Stein auf dem anderen geblieben“, ergänzt Olma. „Die bisherige Raumaufteilung der Wohnung entsprach den früheren Anforderungen, als hier noch ein Pfarrer samt Haushälterin wohnte und ein großes Gästezimmer für den Besuch des Bischofs vorgehalten wurde“, erklärt er. 

„Die Räume mussten daher für die Nutzung durch eine Familie hergerichtet werden. Unverändert gehört auch ein Gästezimmer dazu, wenn die Pfarrei Besuch erhält. So sind die neuen Dach-Gauben im Obergeschoss entstanden.“ Bei der zeitgemäßen Innenausstattung habe man sich an den jeweils günstigsten Standard-Lösungen orientiert. Teilweise blieb man sogar unter dem vom Architekten veranschlagten Preisniveau.

Punktlandung bei den Kosten

Rund 280.000 Euro habe der Umbau zur Änderung der Nutzungsart, die Beseitigung des Renovierungsstaus und die umfassende, baurechtlich erforderliche energetische Sanierung gekostet. „Das Ergebnis entspricht als Punktlandung ziemlich genau der vom Architekten veranschlagten Kostenprognose“, sagt Olma. Zwei Drittel davon hat das Bistum Osnabrück beigesteuert. Der Rest wurde von der Kirchengemeinde getrennt vom normalen Haushalt fremdfinanziert und wird nun über die Mieteinnahmen bedient.

„Bei den jetzt erfolgten Bauarbeiten müssen wir auch einen Schritt weiter denken“, blickt Norbert Olma voraus. „So wie wir heute keinen Pastor mehr haben, wer weiß, haben wir in zehn Jahren vielleicht auch keinen Pastoralen Mitarbeiter mehr. Dann sind wir wieder auf eine Fremdvermietung der Immobilie angewiesen. Dafür muss das Pfarrhaus dann auch geeignet sein. Wir können dann nicht noch einmal von vorne anfangen.“

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