Brinkumer Mehrgenerationenhaus blickt auf zehnjährige Geschichte zurück

„Es war und ist wie bei Oma – einfach gemütlich“

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Klein und Groß sowie Gäste und Ehrenamtliche: Im Brinkumer Mehrgenerationenhaus nutzen täglich viele unterschiedliche Menschen die Angebote, sagen Christa Teske (r.) und Hausleiterin Daniela Gräf (daneben).

Brinkum - Von Sandra Bischoff. Erst muss die Küche fertig sein, dann wird gefeiert. Das Mehrgenerationenhaus (MGH) begeht im September sein zehnjähriges Bestehen. Das große Fest mit allen Ehrenamtlichen, Förderern, Gästen und Interessierten ist für Mitte November geplant, sagt Hausleiterin Daniela Gräf.

Die Idee eines Hauses, in dem sich alle Generationen treffen, geht auf den Brinkumer Arzt Dr. Eberhard Hesse zurück. Er mietete das abbruchreife Gebäude an der Bremer Straße, in dem die Familie Schaumlöffel jahrelang ihre Bäckerei betrieben hatte. In mehr als 1000 Stunden sanierten freiwillige Helfer das Haus, und Hesses Verein Pro Dem zog dort 2005 ein. Es entstanden eine Beratungsstelle sowie Seminar- und Betreuungsräume für Demenzkranke, außerdem kam die Kinderkrippe „Löffelchen“ dazu.

Hesse gründete mit 18 Gesellschaftern die Generationen GmbH, die das Gebäude im Juni 2005 schließlich kaufte. Damit war der Grundstein für das Mehrgenerationenhaus gelegt, das zweite seiner Art im Landkreis. Zur offiziellen Gründungsfeier am 9. September 2005 kam die damalige niedersächsische Familienministerin Ursula von der Leyen.

Ihr Ministerium hatte ein Förderprogramm aufgelegt. Allerdings durfte pro Landkreis nur eine solcher Einrichtungen entstehen. Und der Zuschlag ging nach Barnstorf. „Eberhard Hesse und Bürgermeister Cord Bockhop fuhren nach Hannover, um von der Leyen davon zu überzeugen, dass ein Flächenlandkreis wie der unsrige zwei solcher Häuser benötigt“, berichtet Daniela Gräf, die das Haus seit 2009 leitet. Und sie hatten Erfolg.

Anfang 2009 übernahm die eigens dafür gegründete Bürgerstiftung die Trägerschaft der Einrichtung.

Die Kreativgruppe ist laut Gräf die älteste Zusammenkunft im MGH. Sie entstand aus dem Selbsthilfetreffen für Frauen, bei dem auch immer gebastelt wurde. „Mittlerweile hat sie sich auch für Männer geöffnet. Die Teilnehmer verkaufen die Bastelarbeiten aber noch immer zugunsten unseres Hauses“, so Gräf.

Andere Angebote folgten und entwickelten sich weiter. Aus dem Sprachtreff „Französisches Frühstück“ entstanden zahlreiche weitere Gesprächskreise. „Russisch ist derzeit das neueste Angebot.“

Antike Möbel auf

Perserteppichen

Christa Teske ist von Beginn an mit dabei, unter anderem anfangs als stellvertretende Hausleitung. „Ich habe Büroarbeiten erledigt, mittags gekocht und Kinder im Ferienspaß beaufsichtigt“, erzählt sie.

Ihr gefalle das Persönliche im Schaumlöffelhaus. „Es war und ist wie bei Oma – einfach gemütlich.“ Anfangs hätte das Mobiliar aus gschenkten Möbeln bestanden. „Alles war zusammengewürfelt, viele antike Möbelstücke standen hier auf ausgedienten Perserteppichen.“

Ziel des Mehrgenerationenhauses ist es laut Gräf, die „positiven Aspekte einer Großfamilie nachzuempfinden“ und ein niedrigschwelliges Angebot für alle Altersgruppen bereitzuhalten. Letzteres eint alle der 450 Mehrgenerationenhäuser in Deutschland. Durch die familiäre Atmosphäre unterscheide sich das Brinkumer MGH jedoch von den anderen. „Wegen der kleinen Räume können wir gar keine großen Gruppen bilden, es bleibt also automatisch persönlicher“, sagt Teske.

Während andere Häuser, die zum Beispiel in sozialen Brennpunkten stünden, eine klare Zielvorgabe hätten, habe die Bürgerstiftung was die thematischen Schwerpunkte angeht, keine Richtung festgelegt, erklärt Gräf. Das sei ein Merkmal des Hauses: Die Vielfalt der Angebote unter einem Dach. Rund 100 Ehrenamtliche engagieren sich für die Einrichtung. Fünf Festangestellte gibt es im MGH, die mit ihrer Stundenzahl auf zwei Vollzeitstellen kommen.

Für die Zukunft wünscht sich Gräf, den Mehrgenerationengedanken in möglichst viele Ortsteile der Gemeinde zu tragen. Außerdem träumt Gräf von einem Tanztee, einem Nähstübchen und einem Kasperletheater. „Die Puppen und die Bühne haben wir hier, Schauspieler finden sich sicher ebenfalls. Was uns fehlt, ist ein Regisseur.“

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