Tipps für Sterbebegleitung bei Demenz

Viele kleine Angebote mit großer Wirkung

Im Rahmen eines öffentlichen Hospizabends spricht Sina Bachmann am 2. November im Haus Lohmann in Brinkum.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Der Hospizverein Stuhr setzt am Donnerstag, 2. November, um 19 Uhr seine Reihe öffentlicher Hospizabende fort. Aus dem Spektrum des Sterbens, des Todes und der Trauer referiert diesmal Sina Bachmann im Haus Lohmann an der Bremer Straße 29. Sie ist Koordinatorin des ambulanten Hospizkreises Ganderkesee-Hude, Schmerzkrankenschwester, Palliativ-Care-Kraft und Pflegeberaterin. Die 35-Jährige spricht zum Thema „Sterbebegleitung bei Menschen mit Demenz – Was wir noch tun können“. Im Interview mit dieser Zeitung gewährt Sina Bachmann vorab einen Einblick in ihre Herangehensweise bei der Sterbebegleitung.

Frau Bachmann, der Titel Ihres Vortrags, „Sterbebegleitung bei Menschen mit Demenz – Was wir noch tun können“, hört sich ein bisschen danach an, als ob wir gar nicht mehr so viel tun können.

Sina Bachmann: Nein, im Gegenteil. Wir können ganz viel tun. Ich möchte diesen Abend gestalten, um Mut zu machen; um Pflegenden, Angehörigen und Begleitern Instrumente an die Hand zu geben, den Betroffenen beizustehen. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es schön, wenn auch Pflegepersonal den Weg findet. Aus meiner beruflichen Praxis weiß ich, dass es da viele Aha-Erlebnisse geben kann.

Sie setzen in der Sterbebegleitung darauf, nicht den Kontakt zu dem Betroffenen zu verlieren.

Sina Bachmann: Richtig. Demenzkranke verlieren immer mehr ihre Fähigkeiten, nicht nur, was das Gedächtnis betrifft. Essen, sprechen und auch andere wichtige Körperfunktionen gehören dazu. Die Pflegenden kommen irgendwann an einen Punkt, wo sie denken: Mein Angehöriger merkt gar nicht, dass ich da bin. Doch! Der Betroffene hört eine vertraute Stimme, die ihm liebevoll zugewandt ist. Da muss man am Ball bleiben.

Das gilt auch für die Inanspruchnahme externer Hilfe?

Sina Bachmann: Ja. Viele Angehörige haben Sorgen, Ängste und Nöte, die gehört werden sollten. Die Hilfe der ambulanten Hospizdienste ist kostenlos, dieses Ehrenamt können sie nutzen. Es ist immer jemand da, der sich den Angehörigen und dem Sterbenden zuwendet.

Sie wollen Beispiele und Übungen aus der beruflichen Praxis aufzeigen, zum Beispiel auf die Basale Stimulation eingehen. Was muss man sich darunter vorstellen?

Sina Bachmann: Zu Übungen wird es wohl nicht kommen, die Besucher kennen sich vielleicht gar nicht. Ich möchte Anreize geben, wie Angehörige, Pflegepersonal und Begleiter sich dem Sterbenden oder Pflegebedürftigen zuwenden können. Ich werde zum Beispiel ganz konkret auf die Handmassage eingehen oder die Körperausstreichung. Jemandem, der nicht mehr mobil ist, kann man Arme oder Oberschenkel ausstreichen. Dieser Druck macht für den Betroffenen den Körper wieder spürbar, die Körpergrenzen erfahrbar.

Würden Sie sagen, dass dies ein Allheilmittel für die Sterbebegleitung bei Menschen mit Demenz ist?

Sina Bachmann: Nein. Alles, was ich an Beispielen zeige, muss dahingehend ausprobiert werden, ob es den Betroffenen anspricht. Es gibt viele kleine Angebote, auf die wir zurückgreifen können und die eine große Wirkung haben. Einer unruhigen Frau im Altenheim zum Beispiel hat es geholfen, dass ihr eine Sterbebegleiterin aus einem ambulanten Hospizkreis die Arme mit Lavendelöl ausgestrichen hat, das hat sie sehr beruhigt. Das war eine Stunde lang sehr wohltuend für beide. Wir Menschen sind individuell. Man muss schauen: Hilft es, oder hilft es nicht?

Von der Biografiearbeit hört man, dass sie vielen hilft.

Sina Bachmann: Das stimmt auch. Es ist sinnvoll auf positive und sehr persönliche Erinnerungen einzugehen. So finden wir Wünsche und Vorlieben heraus. Ich bin keine Expertin für Demenz. Doch ich weiß, wie wir Zugang finden zu Menschen, die in ihrem Bewusstsein eingeschränkt sind. Ich möchte den Menschen den Glauben geben, dass sie immer etwas tun können für jemanden, den sie begleiten.

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