Damit Insekten und Vögel weiterhin Rückzugsorte und Nahrung finden

Blüten statt Barrieren

Umweltbeauftragter Marc Plitzko wünscht sich, dass es in mehr Gärten so grün und lebendig aussieht wie auf dem Foto, dass er hochhält. Foto: Katharina Schmidt

Stuhr - Von Katharina Schmidt. Heute ist Welttag der biologischen Vielfalt. Was wohl die Vögel und Insekten davon halten würden, wenn sie es wüssten? Immerhin geht es ihnen dem aktuellen „Bericht zur Lage der Natur“ des Bundes-Umweltministeriums zufolge alles andere als gut. Viele ihrer Lebensräume verschwinden. Diese werden laut dem Lagebericht mit Pestiziden besprüht, in Mais- und Rapsfelder verwandelt, überdüngt, zubetoniert oder unter Kies und Schotter begraben. Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko ruft dazu auf, Vögel und Insekten nicht auch noch aus einem ihrer verbleibenden Lebensräume zu vertreiben: den Gärten.

In Stuhr ist vieles, was mal grün war, mittlerweile grau. Es herrscht Siedlungsdruck, und mit Nachverdichtung wird zusätzlicher Wohnraum geschaffen. „Das lässt sich nicht verhindern“, sagt Plitzko. Aber umso wichtiger sei es, ein Augenmerk auf die bienen- und insektenfreundliche Gestaltung von Gärten zu legen. „Hauptursache für den Artenrückgang ist zwar die intensive Landwirtschaft, dennoch können Gärten, gerade im suburbanen Raum, einen wichtigen Rückzugsort für Tiere und Pflanzen bedeuten“, so Plitzko. Der Deutsche Bauernverband zweifelt übrigens die Befunde im Bericht des Umweltministeriums nicht an, weist Schuldzuweisungen aber von sich. Viele Landwirte seien bereit, etwas für den Naturschutz zu tun. Zu oft würden sie aber auf den Kosten sitzen bleiben.

Die Fläche aller deutschen Gärten entspricht Plitzko zufolge in etwa der Fläche der gesamten Naturschutzgebiete in der Bundesrepublik. Allerdings kommen Tiere in viele Gärten gar nicht mehr hinein, weil die Besitzer statt einer Hecke einen Zaun aus Metall oder Kunststoff wählen. Plitzko findet, dass das „unnötige Barrieren“ sind. Wenn es unbedingt ein Metallzaun sein müsse, könne man ihn ja vielleicht zumindest mit Efeu beranken lassen. Das sei zwar ein bisschen pflegeintensiver, „aber es macht ja auch Spaß, etwas an der frischen Luft zu tun“.

So schön und wichtig Pflanzen auch sind: Sie halten sich nicht an Grundstücksgrenzen. Das kann laut einer Mitteilung der Gemeinde zur Folge haben, dass die Sicht an Kreuzungen eingeschränkt ist, Geh- und Radwege blockiert sind oder Straßenlaternen zuwachsen. Daher bittet die Verwaltung die Stuhrer, einen Blick auf das eigene Grundstück und das nähere Umfeld zu werfen und zu prüfen: Sind die Äste der Bäume so zurückgeschnitten, dass über dem Geh- und Radweg Raum in Höhe von 2,50 Meter bleibt? Beträgt der Raum über der Fahrbahn, der frei von Ästen ist, mindestens 4,50 Meter? Und stehen in der Nähe des Baums auf dem eigenen Grundstück Laternen, die durch Äste verdeckt sein könnten? Wächst die Hecke über den Gartenzaun und nimmt die Breite des Geh- oder Radwegs für sich ein?

Sicherheit: Wann das Grün weg muss

Falls die Antwort auf eine der Fragen Ja lauten sollte, müssen die Anwohner das Grün entsprechend zurückschneiden. Wenn Mitarbeiter der Gemeinde während des Außendienstes irgendwo üppigen Grünbewuchs feststellen, werfen sie einen Infozettel in den dazugehörigen Briefkasten. Mit dem Zettel werden die Anwohner aufgefordert, den Grünschnitt in Angriff zu nehmen.

Aktuell ist zudem die swb im Auftrag der Gemeinde dabei, die Straßenbeleuchtung auf LED-Technik umzurüsten. Auch sie verteilt Flyer, wenn ihr auffällt, dass eine Laterne durch Gewächs aus einem angrenzenden Garten eingeschränkt sein könnte. Das kann schon der Fall sein, wenn nur unten der Mast zugewuchert ist.

Eines gilt es noch vor dem Griff zur Hecken- oder Astschere zu beachten: Ist da irgendwo in Nest? In dem Fall bittet die Gemeinde, Kontakt zu Marc Plitzko aufnehmen – denn heimische Brutvögel sind besonders geschützt. Und die biologische Vielfalt soll schließlich erhalten bleiben.

Kontakt

Marc Plitzko ist erreichbar unter m.plitzko@stuhr.de oder 0421 / 56 95 351. Fragen, was konkret zurückzuschneiden ist, können mit dem Fachdienst Verkehr und Feuerwehr abgestimmt werden. Ansprechpartner ist dort Jens Kleemeyer (0421 / 56 95 153, j.kleemeyer@stuhr.de).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

„Wer ist diese Mannschaft, die da gegen Gladbach spielt?“ Netzreaktionen zu #SVWBMG

„Wer ist diese Mannschaft, die da gegen Gladbach spielt?“ Netzreaktionen zu #SVWBMG

Italiens Topattraktionen öffnen wieder

Italiens Topattraktionen öffnen wieder

Leipzig schwächelt im Titelkampf - Nächster Schalke-Dämpfer

Leipzig schwächelt im Titelkampf - Nächster Schalke-Dämpfer

Food-Trip: Diese Schwarzwaldmädels gehen ihren eigenen Weg

Food-Trip: Diese Schwarzwaldmädels gehen ihren eigenen Weg

Meistgelesene Artikel

Motorradunfälle in Okel: Zwei Männer schwer verletzt

Motorradunfälle in Okel: Zwei Männer schwer verletzt

Tödlicher Zusammenstoß mit Motorrad: Radfahrerin stirbt auf der B61 bei Sulingen

Tödlicher Zusammenstoß mit Motorrad: Radfahrerin stirbt auf der B61 bei Sulingen

Brände im Moor und Wald: Diepholzer Feuerwehren mit Quads im Einsatz

Brände im Moor und Wald: Diepholzer Feuerwehren mit Quads im Einsatz

Vandalismus am Hohen Berg: Unbekannte fällen zukünftigen Kletterbaum

Vandalismus am Hohen Berg: Unbekannte fällen zukünftigen Kletterbaum

Kommentare