Projekt in Kooperation mit Landwirten

Blühstreifen fördern die Artenvielfalt

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Ein gelungener Blühstreifen an der Weyher Straße.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die Gemeinde möchte sich verstärkt für die Pflanzenvielfalt einsetzen, und sie möchte das zusammen mit den Landwirten in Angriff nehmen. Grundlage ist die Initiative „Randstreifenentwicklung an landwirtschaftlichen Wegen“ der Win-Region, in der die fünf Nordkreiskommunen gemeinsame Sache machen.

Das Einbringen von Blühmischungen in die Wegeseitenränder soll die Biodiversität fördern und somit Vögeln und Insekten einen Lebensraum bieten. Nach Auskunft des Umweltbeauftragten Marc Plitzko geht es darum, kommunale Flächen, die von Landwirten mitgenutzt werden, wieder in die öffentliche Hand zurückzuführen und sie vor allem „aufzuwerten, sonst würde das ja keinen Sinn machen“. 

Hier und dort hätten Landwirte die kommunalen Seitenstreifen überpflügt. „Das ist überhaupt nicht als Vorwurf gemeint“, betont Plitzko. „Das hat sich im Laufe der Jahre so ergeben, man sieht es vor Ort auch gar nicht.“

Die Gemeinde möchte jetzt eine Flächenpotenzialanalyse abwarten. Diese ermittelt anhand von Luftbildern, welche landwirtschaftlich genutzten Flächen überhaupt kommunales Eigentum sind.

Kraut dürfe nicht meterhoch wachsen 

„Der Landwirt muss keine Angst haben, dass wir ihm hektarweise Land wegnehmen“, sagt Plitzko. Der Rand müsse ohnehin breit genug sein, um etwas anzupflanzen. Habe der Bauer fünf Zentimeter auf einem schmalen Seitenstreifen überpflügt, sei das für die Kommune nicht interessant.

Zudem sei die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. An Radwegen etwa dürfe „das Kraut nicht meterhoch in die Luft schießen“.

Da die Landwirte ihre Flächengröße beim Ministerium angemeldet hätten, passiere frühestens 2019 etwas auf den Streifen, die sie mitnutzen. Zunächst möchte die Gemeinde auf den nicht beeinträchtigten kommunalen Seitenrändern tätig werden. Das kann laut Plitzko auf zweierlei Weise geschehen. Entweder man mähe den Bereich ein paar Mal und transportiere die Mahd regelmäßig ab, um den Boden nährstoffärmer zu machen. 

Einfach mal Blühmischungen ausbringen und beobachten

Plitzko spricht von „Aushagern“ des mit Dünger durchsetzten Bodens, auf dem nichts blühe. Oder man bringe Blühmischungen einfach testweise in den Seitenrand ein. Nach dieser „try and error“-Methode war die Gemeinde im vergangenen Jahr auf einem Streifen an der Siekstraße verfahren, wo zum Beispiel die für Insekten interessanten Ringelblume, Buchweizen, Sonnenblume, Mohn und Schafgarbe gesät wurden. Ergebnis laut Plitzko: „Die Pflanzen haben geblüht, wenngleich sich auch ungewollte Wildkräuter wie Gänsefuß entwickelt haben. Doch es wird Standorte geben, wo wir mähen und abtragen müssen.“

Nach und nach möchte Plitzko die Seitenstreifen der Gemeinde aufwerten. „Mit den Rändern haben wir Linien, die Flächen vernetzen“, erklärt Plitzko. Entlang dieser Vernetzungsstrukturen könnten sich die einzelnen Arten ausbreiten.

Mit geringem Aufwand viel erreichen

Mit geringem Aufwand viel erreichen, laute die Devise. Dabei sollen ausschließlich heimische Wildpflanzen und regionales Saatgut in die Böden kommen. „Wir wollen die Flora nicht verfälschen. Es soll nichts blühen, was da nicht hingehört.“ Als Beispiel für eine rundum gelungene Anpflanzung nennt der Umweltbeauftragte den 2014 mit der Bienen-AG der KGS Brinkum angelegten Blühstreifen an der Weyher Straße.

Vor dem Hintergrund des alarmierenden Artenrückgangs seien solche Maßnahmen unverzichtbar, sagt Plitzko. Der Bestand an Insekten sei in den vergangenen 25 Jahren um 75 Prozent, der an Rebhühnern um 84 Prozent geschrumpft. „Jeder kann mit wenigen Mitteln etwas für diese Tiere tun, indem er zum Beispiel auf ein paar Quadratmetern seiner Parzelle althergebrachte Gartenpflanzen wie Sonnenblume und Malve ausssät“, sagt Plitzko. Auch Kräuter wie Borretsch, Salbei, Kerbel, Thymian und Oregano würden schön blühen. „Da gehen Insekten gerne ran.“

Alles in allem wünscht sich Plitzko in der Bevölkerung eine größere Akzeptanz für die Natur. „Viele beklagen, dass es unordentlich aussehe. Doch Natur beinhaltet eine gewisse Unordnung.“ Dies müsse man in Kauf nehmen.

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