Der Kleingartenverein Stuhr feiert sein 75-jähriges Bestehen am Tag des Gartens

Ein blühendes Paradies in einer anderen Welt

DIe Gemeinschaft wird groß geschrieben im Kleingartenverein Stuhr sagen Ursula Göcking, Rolf Hellfritsch, Antastasija Kister, Martin Ritter, Karin Koch und Wladislav Kister (v.r.). - Foto: Ehlers

Stuhr - „Mein Garten, mein Paradies“ steht auf dem Schild, das an der Laube von Ursula Göcking hängt. Und so stellt man sich das Paradies vor: Rosen und Rhododendren blühen in kräftigen Farben, Vögel zwitschern, zwischen den Beeten stehen Sitzgelegenheiten, eine Holzliege scheint nur darauf zu warten, dass man sich nach getaner Abeit auf ihr niederlässt.

„Man muss mit Herzblut dabei sein, sonst hat solch ein Garten keinen Sinn, und man kämpft gegen Windmühlen, die sich Unkraut schimpfen“, sagt Ursula Göcking. Die Brinkumerin ist Vorsitzende des Kleingärtnervereins Stuhr, der am Sonntag, 12. Juni, ab 11 Uhr sein 75-jähriges Bestehen feiert und zugleich den Tag des Gartens begeht.

Göcking kam per Zufall an ihren Garten. „Ich kannte das Gebiet an der Stuhrer Landstraße nicht und hatte mich mit dem Fahrrad verfahren“, erzählt sie.

Insgesamt erstrecken sich zwischen dem Pferdehof Brümmer und der Bahntrasse 46 Gärten auf jeweils etwa 500 Quadratmetern. „Einige Gartenbesitzer sind fast von Anfang an dabei, aber im Moment haben wir auch viele neue, vor allem Familien. Das ist sehr schön, dass hier jetzt wieder Kinder toben“, sagt Göcking.

Bevor das Kleingartengebiet entstand, gab es in Stuhr bereits sogenanntes Grabeland. „Immer wenn der der Bauer ein bisschen Land frei hatte, pflanzten die Leute dort einjährige Pflanzen.“ Irgendwann fanden sich die Gärtner zusammen und pachteten von Hermann Segeln das Gebiet an der Stuhrer Landstraße. Kurze Zeit später gründete sich der Verein.

Eine Parzelle zu bewirtschaften sei auch auf dem Land nicht ungewöhnlich, sagt Göcking. Viele der etwa 70 Mitglieder lebten in Stuhr, Delmenhorst oder Huchting in Wohnungen oder Reihenhäusern mit Balkon oder kleinem Garten. „Hier ist man ungestört. Zu Hause guckt mir jeder auf den Tisch“, sagt Karin Koch. Anastasija Kister sieht das ähnlich: „Man ist weg von zu Hause, hat einen Tapetenwechsel und vergisst im Garten den Stress auf der Arbeit“, sagt die Schriftführerin des Vereins.

Viele der Gartenbesitzer seien jeden Tag in ihrer kleinen Oase, wenn es das Wetter zulässt. Bei Regen dienten die Lauben, die eine Größe von 24 Quadratmetern nicht überschreiten dürfen, als Schutz. Fließend Wasser gebe es dort nicht. „Viele haben eine Campingtoilette“, sagt Göcking. Dauerhaftes Wohnen ist in den Lauben nicht erlaubt. „Aber gegen sporadische Übernachtungen haben wir nichts. Im Gegenteil, wir finden es ganz gut, wenn nachts jemand vor Ort ist.“

„Es ist eine andere Welt hier draußen“, sagt Göcking. Zwar diene der Garten der Erholung, aber er müsse auch bewirtschaftet werden. Das sehe das Bundeskleingartengesetz vor. Darin ist zum Beispiel verankert, dass mindestens ein Drittel der Gartenfläche eines Gebiets mit Obst und Gemüse bepflanzt sein muss.

Die Bank dient als Tauschbörse

„Ein Zuviel davon gibt es nicht“, sagt Göcking. Wer seine Zucchini, Äpfel, Erdbeeren oder Tomaten selber nicht verwerten kann, der legt sie auf die Bank am Vereinsheim. „Das ist eine Tauschbörse, die sich so ergeben hat. Jeder legt dort etwas hin und man nimmt sich, was man braucht“, berichtet die Vorsitzende.

Zwar gebe es Regeln, etwa die, dass keine Waldbäume in den Gärten gepflanzt werden dürfen, weil sie zu schattig sind, aber ansonsten laufe niemand vom Vorstand durch die Anlage und messe die Höhe der Hecken nach. „Wir achten aber schon darauf, dass jeder den Grünstreifen vor seinem Garten in Schuss hält“, sagt die Brinkumerin.

Die Anlage ist öffentlich zugänglich, jeder Bürger darf dort spazieren gehen, die Gärten jedoch nicht betreten. Die Gemeinschaft innerhalb der Kleingärtner wird groß geschrieben, berichten Göcking und ihre Mitstreiter. Zahlreiche Feste, Geburtstage und Grillabende veranstalte man gemeinsam, sagen sie. Aber auch Arbeitsdienste stehen regelmäßig auf dem Programm. Leerstände gebe es so gut wie keine. Derzeit stünden zwei Gärten zum Verkauf.

Am Sonntag startet das Programm um 11 Uhr. Die Gäste können sich auf der Anlage umsehen, einige Gärten sind zur Besichtigung geöffnet. Renate Krön stellt Kräuter sowie ihre Verwendungsmöglichkeiten vor, und Günter Prösch zeigt Nisthilfen. Kinder haben Gelegenheit, Insektenhotels zu bauen. Es gibt Kaffee und Kuchen sowie Leckereien vom Grill.

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