Gerd Spiekermann zu Gast in Dorfschule

„Muckefuck“ und Sendeschluss

Gerd Spiekermann zieht die Zuhörer in der Alten Dorfschule Blocken in seinen Bann. - Foto: Ehlers

Blocken - Von Heiner Büntemeyer. Kein Stuhl war am Samstagabend leer geblieben, als der Vorsitzende des Heimatvereins Stuhr, Horst True, in der alten Blockener Dorfschule den plattdeutschen Unterhalter, Moderator und Geschichtenerzähler Gerd Spiekermann begrüßte.

Die Themen, über die Spiekermann sprach und der Zeitraum, aus dem er berichtete, kannten die Zuhörer aus eigenem Erleben. Es waren die 1950er- und 1960er-Jahre, in denen Spiekermann an der Unterweser in der Kneipe seiner Eltern aufgewachsen war. „Ick weet noch genau“ war eine Redewendung, mit der er viele seiner skurrilen Geschichten einleitete. Er hatte damals genau hingeschaut und sich Gedanken gemacht. Obgleich seine Erzählungen vor kaum 60 Jahren spielten, schienen sie aus einer anderen Welt zu kommen.

Aber die Zuhörer kannten noch die Zigarettenmarke „Ernte 23“, den „Muckefuck“ zum Frühstück und den Dauerton, den der Schwarz-Weiß-Fernseher nach Sendeschluss um 23 Uhr von sich gab. Spiekermann erzählte zum größten Vergnügen der Zuhörer von seinem persönlichen Rachefeldzug gegen seinen Lehrer, der mittags im elterlichen „Schwarzen Ross“ zu Gast gewesen war.

Er habe nichts gegen Nostalgie, aber offensichtlich war früher auch nicht alles besser. Mit Empörung in der Stimme berichtete er, wie er als Kind im Herbst Briketts „im Verbund“ gestapelt und die Essensteller leer gegessen werden mussten. „Denk’ an die armen Kinder in Afrika“, habe es dann geheißen, und er habe die schlimmsten Befürchtungen gehabt, als seine Mutter mit seinem nicht „aufgegessenen“ Teller verschwand. Er sah sie in seiner Vorstellung mit den Essensresten auf dem Fahrrad unterwegs in den Kongo.

Er wolle sich nicht „über jeden Schiet“ aufregen, beteuerte Spiekermann. Aber dann gab es „doch ‘n poor Saken“, die er nicht mag: „Quarkbüdel kann ick nich af“, überreife Tomaten und weichgekochte Eier seien ihm zuwider, Hühnerfrikassee sei ihm „to ungenau“, weil er darin häufig „‘n lüttjet Stück pickelige Huut“ finde. Auch „Wuddeldick“ möge er nicht, denn das sei etwas für Leute „de Last mit den Tähne hebbt“. Es waren herrliche Geschichten, die Spiekermann einfielen und die er mal im Plauderton, mal „echt vergrällt“ erzählte. Die Zuhörer bezog er mit ein, zumal diese fast alle seine Erlebnisse früher so oder so ähnlich erlebt haben. Sie hatten selbst früher die einzige Kirsche im Fruchtcocktail gesucht und kannten auch das „Schöddeldook“, dessen Metamorphose von Omas Unterwäsche zum Allzwecktuch Spiekermann anschaulich darstellte. Es waren Geschichten aus dem Alltag, die den Zuhörern vertraut waren.

„Du kannst geern mal wedderkamen“, verabschiedete Horst True den Gast aus Hamburg, und beide einigten sich darauf, dass es „in gut zwei Jahren“ ein Wiederhören geben könnte.

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