Bilderschau „Anders sein, anders sehen“ im Stuhrer Rathaus

Knallige Farben und Heavy-Metal-Musik

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Der in Frankreich geborene Maler Eric Guinebert zeigt im Stuhrer Rathaus vor allem Bilder seines Schülers Andreas Auerswald. „Anders sein, anders sehen“ so der Titel der nur noch heute und morgen geöffneten Ausstellung.

Stuhr - Von Rainer Jysch. Nur noch bis morgen sind im Stuhrer Rathaus die insgesamt 40 großformatigen Bilder von Andreas Auerswald (46) aus Heiligenrode zu sehen. Auch sein französischer Mal-Lehrer Eric Guinebert (43) hat zehn eigene Werke zu der Ausstellung beigesteuert. Auerswald ist einer von 30 Bewohnern des Wohnheimes der Lebenshilfe Syke in Heiligenrode und hat vor drei Jahren durch die Malkurse des freischaffenden Künstlers Eric Guinebert seine liebste Beschäftigung gefunden.

Die Acryl-Gemälde von Auerswald mit gegenständlichen Motiven in knallbunten Farben haben eine ganz eigene Bildsprache. „Gesichter und Hände sind ihm wichtig“, erklärt Guinebert. Geplant ist, die Ausstellung später auch in Bremen zu zeigen.

„Andreas hat in den vergangenen zwei Jahren 70 Bilder gemalt. Es macht ihm sehr viel Spaß und mir auch“, sagt Guinebert, der mit seinem Schüler an einem Tag in der Woche auch alleine arbeitet. „Wir sprechen beim Malen nicht viel miteinander. Ein Teil unserer Kommunikation ist jedoch, dass wir ziemlich laute Heavy-Metal-Musik hören“, so der Mal-Lehrer. „Die auf den Bildern vereinzelt zu sehenden Totenköpfe stammen aus dieser Musikrichtung, hat mir Andreas erklärt.“ Alle Motive seien allein die Idee des Malschülers. „Ich helfe lediglich bei der Technik, beim Mischen der Farben. Die Motive entspringen der Fantasie von Andreas.“

„Ich male eigentlich schon immer. Beruflich mache ich das seit rund vier Jahren, seit ich in Deutschland bin“, sagt der in der französischen Kleinstadt Bitche/Lothringen zuletzt als Sozialpädagoge tätig gewesene Maler mit Künstlernamen „MARA“. „Ich male, was ich draußen sehe; wie unsere Welt leider aussieht“, erklärt Guinebert seine zum Teil düster anmutenden Bilder. „Wenn sich das mal ändert, fange ich auch an, Feen oder Einhörner zu malen.“

Bei dem Titel der Ausstellung gehe es nicht nur um Menschen mit Behinderung, wie Guinebert klarstellt. „Es geht auch um mich. Ich bin ja Ausländer und werde selbst als Franzose anders angesehen. Man merkt das.“ Gerne würde Guinebert ein eigenes 100-Quadratmeter-Atelier in der Nähe von Heiligenrode anmieten, findet aber seit zwei Jahren keine passende, bezahlbare Räumlichkeit. „Heiligenrode, Seckenhausen oder Groß Mackenstedt wäre schön.“

Vor drei Jahren war Eric Guinebert von Saarbrücken nach Stuhr gekommen. Seine Frau Swantje hatte eine Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bremer Universität erhalten. Bei ausgedehnten Radtouren kam der Künstler rein zufällig beim Wohnheim der Lebenshilfe in Heiligenrode vorbei und bot dort mit Malkursen seine Unterstützung bei der Betreuung behinderter Menschen an. Inzwischen gibt der 43-Jährige auch an Schulen in Stuhr sein künstlerisches Wissen weiter und arbeitet als Street-Worker mit Jugendlichen in Sachen Graffiti.

„Ich bin an allen Maltechniken interessiert und lerne selbst jeden Tag dazu.“ Die Schüler des Wohnheims in Heiligenrode sind inzwischen zu Freunden geworden, wie er sagt.

„Die Arbeit mit den Menschen aus dem Wohnheim der Lebenshilfe macht mir sehr viel Spaß und gibt mir Kraft. Nach den Kursen am Montag habe ich genügend Energie für den Rest der Woche.“

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