Gericht: Frau hat zum Entstehen der Situation beigetragen

Betrunkene Bekannte missbraucht: 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung

Stuhr - Von Dieter Niederheide. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person (eine betrunkene Frau) ist ein Heranwachsender aus Stuhr vom Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Syke zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt worden.

Das Jugendgericht ging von einem minderschweren Fall aus. Es verurteilte den bisher unbestraften Stuhrer nach dem Erwachsenenstrafrecht und setzte die Strafe zur Bewährung aus. Der Strafprozess wurde vornehmlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.

Tatort war in einer Septembernacht 2015 eine Wohnung in Wildeshausen. Der Angeklagte und die Frau aus Wildeshausen feierten mit anderen Personen, unter anderem in einer Disco. Dort soll die Frau einen Blackout bekommen haben. Sie musste im Krankenhaus behandelt werden, und der Stuhrer soll sie mit der Mutter der Frau nach Hause gebracht haben. Da er, wie es am ersten Verhandlungstag im Syker Gerichtssaal hieß, keine Rückfahrgelegenheit mehr nach Stuhr hatte, soll die junge Frau damit einverstanden gewesen sein, dass er in ihrem Zimmer schlief, angeblich in ihrem Bett. Laut Anklage soll der Stuhrer damals, 18 Jahre alt, die Hilflosigkeit der Frau ausgenutzt und an ihr den Beischlaf vollzogen haben, während sie mit einem Alkoholgehalt von etwa 1,2 bis 1,8 Promille (zurückgerechnet) geschlafen hatte. Laut Anklage soll die Frau gemerkt haben, als er zum Samenerguss kam.

Strafprozess wird zur Belastung

Der Angeklagte selbst machte von seinem Recht Gebrauch, nicht aussagen zu müssen. Für das Opfer, das mit einer Anwältin zur Seite als Nebenklägerin auftrat, wurde der Strafprozess zu einer Belastung wegen der mehrstündigen Zeugenbefragung, unter anderem durch den Anwalt des Angeklagten. In öffentlicher Sitzung sagte eine Polizeibeamtin aus, dass die Frau am Morgen nach der Tat zur Polizei gekommen war. Die Frau sei sehr enttäuscht darüber gewesen, dass der Mann, den sie als guten Freund kannte, ihren Zustand ausgenutzt hätte.

Während der Verhandlungstage stellte der Verteidiger Beweisanträge, zum einen wollte der Anwalt Sachverständige hören, unter anderem zur Klärung der Glaubwürdigkeit der Frau. Ferner wollte er den ehemaligen Freund der Frau, der ein Cousin des Angeklagten sein soll, befragen. Das Jugendgericht wies die Beweisanträge ab, verhehlte in der Urteilsbegründung jedoch nicht, dass es der Meinung ist, dass die Frau zum Entstehen der Situation beigetragen hatte.

Ursprünglich sollte es noch zwei Fortsetzungstermine im Dezember geben, aber der Strafprozess konnte mit der öffentlichen Urteilsverkündung früher beendet werden. Der Verurteilte kann gegen das Urteil ein Rechtsmittel einlegen.

Rubriklistenbild: © dpa

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