Betreuer erzählen vom Projekt „Fit in der Ausbildung“ / Unterstützter gesucht

Hilfe in Mathe und beim Erstellen des Berichtsheftes

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Johann Demoliner von der Bürgerstiftung (r.) mit den Betreuern des Projekts „Fit in der Ausbildung“: (v.l.) Harald Kaufmann, Hermann Hattermann, Elisabeth Kollien, Ulrich Galipp und Horst Meyer.

Brinkum - Von Andreas Hapke. „Fit in der Ausbildung“ heißt ein Projekt der Bürgerstiftung Stuhr, bei dem Rentner und Pensionäre Berufsschülern unter die Arme greifen. Wo liegen die Probleme des Nachwuchses? Unter anderem darüber haben die Ehrenamtlichen bei ihrem monatlichen Treffen im Mehrgenerationenhaus gesprochen.

Fünf aus dem Berufsleben ausgeschiedene Ingenieure, Meister und Lehrer bilden den, wie sie selbst sagen, „harten Kern“ der Betreuer. Sie kümmern sich zurzeit um insgesamt acht Schüler, davon fünf mit Migrationshintergrund. Besonders diese Lehrlinge haben Schwierigkeiten, dem Unterricht an der Berufsschule zu folgen. Für die ehemalige Gymnasiallehrerin Elisabeth Kollien kein Wunder: „Die Ansprüche sind nicht gerade gering. Schon Muttersprachlern bereiten mathematische Textaufgaben Schwierigkeiten. Wer nicht mit dem Deutschen verwachsen ist, der hat erst recht Probleme.“ „Mit Mathe tun sich alle schwer, vor allem Brüche und Gleichungen“, bestätigt Ingenieur Hermann Hattermann, auch wenn „sein“ Lehrling mehr Hilfe beim Erstellen des Berichtsheftes benötige.

Einmal pro Woche, am Tag der Berufsschule, treffen sich die Ehrenamtlichen mit ihren Schützlingen – um zu verhindern, dass diese ihre Lehre abbrechen. Das Projekt setzt auf eine individuelle und vertrauliche Betreuung, es läuft seit Anfang Januar vergangenen Jahres. In dieser Zeit sind zwar schon einige Schüler wieder ausgestiegen. „Doch die meisten waren der Meinung, dass sie jetzt gut alleine zurecht kommen“, lautet der Tenor der Gruppe. „Wenn die Noten besser werden, ist das auch ein Erfolgserlebnis für uns“, sagt Horst Meyer, der ebenfalls als Ingenieur tätig war.

„Die Ausgangslagen sind unterschiedlich. Wir kümmern uns um die mit den schlechten Voraussetzungen“, sagt Hattermann. Deren Defizite seinen zum Teil „sehr groß“. Augenoptikermeister Ulrich Gallip hat festgestellt, „dass die Kluft zwischen guten und schlechten Schülern immer größer wird“. Das führt er auch darauf zurück, dass der Nachwuchs von den Schulen nicht mehr adäquat auf das Berufsleben vorbereitet wird. In diesem Punkt widerspricht die ehemalige Lehrerin. „Schule ist nicht schlechter geworden, sondern anders“, sagt Kollien „So wie sich die Welt insgesamt verändert hat.“

Nicht nur da wird deutlich, dass die Fünf mitunter kontrovers diskutieren. So auch in der Frage, ob sich die Betriebe mehr einbringen könnten bei der schulischen Betreuung ihrer Azubis. „Viele interessieren sich wenig dafür. Für sie sind die Lehrlinge in erster Linie Arbeitskräfte“, sagt Hattermann. „Die Betriebe können sich nicht um schulische Belange kümmern“, entgegnet Harald Kaufmann, der dritte Ingenieur im Bunde. „Sie haben keine Zeit dafür.“

Die Ehrenamtlichen verstehen sich als Coaches, das heißt neben der Nachhilfe stehen sie den Azubis auch bei Sorgen im Betrieb oder im Privatleben zur Verfügung. Doch laut Kaufmann kommen die Probleme im Wesentlichen „aus dem Fachlichen“.

„Bei Schwierigkeiten zu Hause geht es eher um organisatorische Dinge“, sagt Kollien. „Wer dort gelernt hat, sein Leben zu organisieren, das heißt seine Sachen zu packen oder pünktlich zu sein, der kriegt das auch in der Schule hin.“

Von Berufs wegen haben die Betreuer mehrheitlich eine technische Vorbildung, was aber keine Rolle spiele. „Wir können auch Lagerlogistikern oder Einzelhandelskaufmännern helfen“, sagt Kaufmann. Dabei könnten die Freiwilligen noch reichlich Unterstützung gebrauchen. Wer Interesse hat, meldet sich unter Telefon 0421/80609874.

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