Bestattung: Manche mögen‘s anonym

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Eines von mehreren anonymen Gräberfeldern in Moordeich. Nach Auskunft des Rathauses machen die Wenigsten davon Gebrauch, die Verstorbenen namentlich auf einem Schild an einer Stele zu verewigen. ·

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die Zahl der anonymen Urnenbestattungen ist speziell auf dem kommunalen Friedhof in Moordeich in den vergangenen zehn Jahren in die Höhe geschnellt. Dies geht aus einer Statistik der Verwaltung hervor.

Als Grund nennt Rathausmitarbeiter Jürgen Kruse neben einer Veränderung in der Bestattungskultur auch die Nähe zum Bremer Ortsteil Huchting, dessen Friedhöfe keine anonymen Gräberfelder vorhielten.

Laut Kruse waren die anonymen Urnenbestattungen vor zehn Jahren „die Ausnahme“, 2013 machten sie in Moordeich 90 Prozent der insgesamt 245 Beisetzungen aus. Der Rest entfällt auf konventionelle Gräber mit Urnen oder Särgen. „Die Menschen werden immer älter. Und im Todesfall stellt sich den Verwandten die Frage, ob sie selbst in 20 Jahren noch in der Lage sind, die Blumen auf dem Grab zu gießen“, erklärt Kruse. Hinzu komme, dass die Leute „in der Welt verstreut“ lebten und sie deshalb kein Familiengrab benötigten. Junge Menschen fehle ohnehin oft der Bezug zu einem Grab.

Dass sich die Gesamtzahl der Beisetzungen in Moordeich seit 2003 (130) fast verdoppelt hat, hängt damit zusammen, dass immer mehr Huchtinger ihre letzte Ruhe dort finden. Inzwischen geht mehr als die Hälfte der anonymen Bestattungen auf das Konto der Bremer – für Kruse die logische Folge der gesellschaftlichen Verhältnisse: „In Huchting lebt man auch anonymer.“

In den eher ländlich geprägten Ortsteilen Seckenhausen und Fahrenhorst haben sich hinsichtlich der Gesamtzahlen und der Bestattungswünsche kaum Änderungen ergeben. Dort stehen die konventionellen Grabstellen weiterhin hoch im Kurs, bei anonymen Bestattungen sei „nur eine leichte Steigerung“ zu bemerken, sagt Kruse.

Das erste der vier anonymen Gräberfelder in Moordeich ist mittlerweile mit 800 Urnen und 100 Särgen vollgelaufen. Auf dem zweiten Feld gab es laut Kruse 300 Bestattungen in den vergangenen eineinhalb Jahren. Handlungsbedarf sieht der Rathausmitarbeiter aber nicht: „Auf ein Feld passen 1 200 Urnen, und wir haben noch zwei weitere Felder in dieser Größenordnung.“ Enger wird es da schon im Kalender für die Kapellennutzung: Da bei Urnenbestattungen für Trauerfeier und Beisetzung oft zwei verschiedene Tage angesetzt sind, kommt Moordeich auf 350 Termine.

Kein Thema sind anonyme Urnenbestattungen auf den kirchlichen Friedhöfen in Brinkum und Stuhr. „Jeder Mensch ist bei Gott gut aufgehoben und sollte deshalb namentlich bekannt sein“, sagt Stuhrs Pastor Robert Vetter. Deshalb gebe es in Stuhr auch für die pflegeleichten Urnengräber auf ebener Rasenfläche Liegesteine mit Namen.

Vetter registriert eine „generelle“ Zunahme pflegeleichter Urnengräber, sein Brinkumer Kollege Detlef Korsen spricht von einem „rasanten Anstieg“ dieser Bestattungsform. Der Friedhof ändere sein Erscheinungsbild von einem Blumengarten zu einem Rasenplatz. „Grabstellen traditioneller Art verkaufen sich nicht mehr. Die Menschen können nicht mehr garantieren, dass sie 30 Jahre lang ein Grab pflegen können“, sagt Korsen.

Ohne Namen geht

in Brinkum nichts

Ohne Namen geht auch in Brinkum nichts: Eigens dafür stehen am Rande des Rasengräberfelds ein allgemeiner Gedenkstein und Stelen, wo die Namen auf Bronzeplatten angegeben sind. Das ist auf dem kommunalen Friedhof in Moordeich zwar ebenfalls möglich, kommt laut Rathausmitarbeiter Kruse aber nur für die Wenigsten in Frage: „Dass muss schließlich teuer bezahlt werden.“ 260 Euro kostet ein Namensschild an einer Stele. Auch Geld scheint bei der Beerdigung eine immer größere Rolle zu spielen.

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