Cristina Schilke erwirbt Lizenz

Besondere Ausbildung für Kinder: Pony-Führerschein mit Duke, Drys & Co.

Eine Reitlehrerin mit zwei Pferden auf der Koppel.
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Der Tinker Duke (l.) und der Friese Drys sind zwei von sieben Pferden, die Cristina Schilke gehören.

Groß Mackenstedt – Cristina Schilke bringt 30 Jahre Erfahrung im Umgang mit Pferden mit, doch jetzt hat sie Neuland betreten: Zum ersten Mal hat sie einer Gruppe Kinder zum sogenannten Pony-Führerschein verholfen. Diese Ausbildung des Nachwuchses am Pferd ist in Deutschland noch nicht sonderlich verbreitet. Nicht einmal 90 Höfe, Vereine oder Betriebe haben sich bislang damit beschäftigt. Dabei handelt es sich um eine „coole Sache“, wie Schilke findet.

Mit dem Reitunterricht in Vereinen habe der Pony-Führerschein nicht viel zu tun, erklärt die 53-Jährige. Der Fokus des Wochenendkurses liege auf dem Umgang mit dem Pferd, nicht auf dem Leistungssport. „Wer zu mir kommt, lernt das Pferd als einen Kameraden kennen, mit dem man Spaß haben kann. Es ist kein Sportgerät, denn Reiten ist viel mehr als Sport“, betont Schilke.

Die Teilnehmer ab vier Jahren würden zum Beispiel erfahren, dass die Trense einem Pferd Schmerzen bereiten kann, das Beschlagen des Hufes aber nicht. Darüber hinaus lernen die Kinder anhand von Bildern die Pferdesprache kennen und ertasten die in einem Jutebeutel befindlichen Reinigungsutensilien. Dass die Tiere Möhren fressen, belegte Brötchen aber links liegen lassen, ist ebenfalls Gegenstand des Kurses. Eine sogenannte Anatomiedecke, die man über den Rücken des Pferdes legt, veranschaulicht Lage und Größe der Organe.

Drys (mit Sarah Schilke) trägt eine Anatomiedecke mit aufgezeichneten Organen.

„Ich möchte mir auch noch einen Pferdeschädel zulegen, etwa um zu zeigen, wie viele Zähne ein Pferd hat“, sagt Schilke. Reiterspiele runden das Angebot ab. Auf dem Pferd sitzend muss der Nachwuchs zum Beispiel Fahnen in Pylone stecken oder Ringe auf die Pylone werfen. Der Schwierigkeitsgrad ist auf die jeweilige Altersklasse abgestimmt.

Cristina Schilke ist Reittherapeutin und -pädagogin. Gemeinsam mit ihrer Tochter Sarah verfügt sie über sieben Pferde, die auf dem Hof der Familie Sparkuhl in Groß Mackenstedt leben. Dort, an der Harpstedter Straße 53, ist auch Schilkes ganzheitliche Reitschule Cura Equus untergebracht.

Schilke hat es oft mit verhaltensauffälligen Kindern zu tun. Heilpädagogisches und psychotherapeutisches Reiten sowie die Verbesserung der eigenen Körperwahrnehmung und die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse bilden Schwerpunkte ihrer Arbeit.

„Reiterlebnis mit therapeutischem Ansatz“

Zu ihr kommen aber auch Sprösslinge, die dem hektischen Schulalltag entfliehen und „einfach mal runterkommen möchten“, sagt Schilke. „Unterricht ist in einer solchen Situation nicht möglich. Da tut ein Ausritt gut.“ Sie stehe in engem Austausch mit den Eltern, damit jedes Kind seine individuelle Betreuung bekommen könne.

Ihre Reitschule bewirbt Schilke mit dem Slogan „Energie mit Pferden“. Insofern bildet der Pony-Führerschein mit seiner Konzeption eine ideale Ergänzung. „Mit Pferden wachsen durch den Pony-Führerschein“, heißt es in einem Flyer. Denn immer mehr Kindern fehlten neben dem Bezug zur Natur und zu ihrem Körper auch Selbstbewusstsein. Anderssein spiele dabei keine Rolle. Das „Reiterlebnis mit therapeutischem Ansatz“ richte sich an alle Kinder und sei eine „gelebte Inklusion“. Kein Wunder also, dass neun von zehn Teilnehmern des ersten Lehrgangs bei Schilke aus der Einzelausbildung in ihrer Schule kamen.

Die Wiege des Pony-Führerscheins steht bei Marion Ogriseck auf der schleswig-holsteinischen Insel Fehmarn. Sie hat das Konzept erfunden und es als Marke schützen lassen. Nur sie darf die entsprechenden Lizenzen an interessierte Betriebe und Reiterhöfe vergeben. Schilke ist die einzige Lizenznehmerin in der Region, die nächsten befinden sich in Bremervörde und Celle.

Die erste Ponyführerschein-Gruppe von Cristina Schilke feierte jetzt gemeinsam Halloween.

Als Voraussetzung für die Erteilung der Lizenz nennt Ogriseck auf Nachfrage der Kreiszeitung, dass eine Erfahrung im Umgang mit Kindern, ein pädagogischer Hintergrund gewährleistet sein müsse. Eine Therapeutin wie Schilke sei ebenso qualifiziert wie ein Reitlehrer. „Man muss den Spagat hinbekommen, das Interesse von Kindern aller Altersgruppen zu wecken.“

Uneigennützig hat Ogriseck das Konzept nicht entwickelt, wie sie selbst in einem Youtube-Video berichtet. Es war als Alleinstellungsmerkmal gedacht, um sich von anderen Betrieben abzuheben und wirtschaftlich zu bestehen. Viele Vereine und Höfe würden zum Beispiel darunter leiden, dass ihnen durch die Ganztagsschule immer mehr Kinder verloren gehen. Nach drei Kursen hätte sich die Investition in die Lizenz bezahlt gemacht.

Insofern ist Schilke auf einem guten Weg. Ihr nächster Kurs zu Weihnachten sei bereits voll, und für den Lehrgang in den Zeugnisferien habe sie schon vier Anmeldungen. Gegen eine Wiederholung der Premiere hätte Schilke nichts einzuwenden. Die habe sie als „sehr spannend“ empfunden. „Das hat viel Spaß gemacht.“

Information

Cristina Schilke

0172/40 38 276

Energie-mit Pferden@gmx.de

Von Andreas Hapke

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