Berit und Tabea Horstmann werden Weltmeisterinnen

Schritt für Schritt der großen Schwester gefolgt

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Berit und Tabea Horstmann (v.l.) testen die Qualität der Goldmedaillen, die sie sich bei der Deutschen Meisterschaft ertanzt haben.

Varrel / Bremen - Von Andreas Hapke. Weil Berit Horstmann zwei Jahre älter ist als ihre Schwester Tabea, war sie ihr im Tanzsport in den vergangenen Jahren immer ein kleines Stück voraus. Am 10. Dezember hat die Jüngere diese Lücke geschlossen: Erstmals waren beide aus Varrel stammenden Schwestern auf dem Parkett, als sich die Lateinformation des Grün-Gold-Clubs (GGC) Bremen nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft auch den Weltmeistertitel in der heimischen ÖVB-Arena sicherte.

„Die WM ist im Formationssport das Größte. Cool, dass das jetzt geklappt hat“, sagt Tabea (18). Für Berit (20) war es sogar schon der dritte Titel im dritten Anlauf. Überhaupt holte der GGC zuletzt fünf Mal in Folge diese begehrte Trophäe. „Es heißt immer: ,Die werden eh’ Weltmeister.’ Dabei war das eine richtig spannende Entscheidung“, stellt Tabea fest.

Gerade einmal 0,2 Punkte trennten die siegreichen Bremer Paare am Ende von der starken Konkurrenz aus dem russischen Perm. Womöglich habe die Choreografie „Voices, Noises, Melodies“ den Ausschlag gegeben, vermuten die Schwestern. „Die war moderner als im vergangenen Jahr, mit Liedern aus den Charts. Das hat das Publikum zusätzlich motiviert – und uns auch“, sagt Berit. „Zudem sind wir dauerhaft in Bewegung, nie in Pose. Unsere Bilder ändern sich ständig“, fügt Tabea hinzu.

Trainer Roberto Albanese bringt Kreativität mit

Verantwortlich für das Spektakel auf der Tanzfläche zeichnet Trainer Roberto Albanese. Er bringe die Kreativität und das Verständnis von Musik mit, erzählen die frischgebackenen Weltmeisterinnen. „Er weiß, wie es wirkt, wenn wir uns dazu bewegen. Alle sind immer voll aufgeregt, wenn sie zum ersten Mal die neue Musik hören“, erzählt Tabea. Albanese lasse die Lieder eigens in München neu einspielen, weiß Berit.

Ihrer Ansicht nach gibt es „überall gute Tänzer. Die Russen sind tänzerisch vielleicht sogar besser als wir, aber wir machen das eben in anderen Punkten wieder wett.“ Neben der Choreografie führt Berit den Teamgeist an, der sich durch „das ganze Training zieht“. „Jeder ist mit Leidenschaft dabei“, betont Tabea.

Tabea und Berit Horstmann (v.l.) in zivil.

Albanese setzt die Paare ausschließlich nach seinen Vorstellungen zusammen, wobei er jüngeren Frauen in der Regel erfahrenere Partner an die Hand gibt. Tabea etwa tanzt mit dem 39-Jährigen Thomas Friedrich und hat mit ihm „richtig Glück“, wie ihre Schwester findet. „Sie hat dadurch zusätzlich Sicherheit bekommen.“ Berit selbst hat es mit dem 27-jährigen Sebastian Schwind zu tun, der ebenfalls seinen dritten WM-Titel einfuhr.

Erste Schritt bei den Tanzmäusen des TuS Varrel

Ihre ersten Schritte haben die Schwestern bei den Tanzmäusen des TuS Varrel gelernt. Mutter Frauke Niebuhr, selbst eine leidenschaftliche Tänzerin, hatte diese Gruppe ins Leben gerufen. Mit zehn Jahren gingen die Mädchen bei Turnieren an den Start und tanzten bis zu ihrem jeweils 14. Lebensjahr im Breitensport – als Paare mit anderen Mädchen, weil es keine Jungen gab. Tabea: „Auch deshalb sind wir zum GGC gegangen, da gab es welche. Und weil Mama uns nichts mehr beibringen konnte.“ Es folgten jeweils ein Jahr Oberliga und zwei Jahre im B-Team des GGC, das ebenfalls in der Bundesliga tanzt.

Beide Frauen investieren viel, um neben ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften (Berit) beziehungsweise der Ausbildung zur Zahntechnikerin (Tabea) auf höchstem Niveau Sport zu treiben. Dreimal pro Woche stehen drei Stunden Training auf dem Programm, Beginn jeweils um 19 Uhr. „Ich muss teilweise bis 18 Uhr arbeiten. Dann heißt es schnell nach Hause, etwas essen und Sachen packen. Das Essen fällt oft aus“, berichtet Tabea. In der Wettkampfphase – die Formation tritt pro Saison bei fünf Bundesliga-Turnieren, einer Deutschen und einer Weltmeisterschaft an – müssen die Sportler auch sonnabends und sonntags für jeweils acht Stunden ran. Als belastend empfindet Tabea das nicht. „Es ist einfach etwas ganz Besonderes, mittanzen zu dürfen.“

Konkurrenzdenken ist kein Thema

An Turniertagen fangen die Frauen bereits drei Stunden vor ihrem Einsatz an, sich zu schminken. Laut Tabea macht das sogar Spaß, „wir helfen uns gegenseitig“. Das Abschminken aber finden die Wahlbremerinnen eher anstrengend, das Auftragen des Bräunungsmittels am ganzen Körper nervig. „Muss aber sein, damit man uns aus der Entfernung noch sieht“, erklärt Berit.

Ans Aufhören denkt sie trotz drei WM-Titeln noch lange nicht. Als Ziel für 2017 gibt sie die Titelverteidigung aus: „Das ist nicht leicht. Tanzen wird definitiv nicht langweilig.“ Außerdem will sie weiter an sich arbeiten, ebenso wie ihre Schwester. „Wir haben den Anspruch an uns selbst, uns weiterzuentwickeln“, sagt Berit. „Man kann sich technisch immer verbessern“, erklärt Tabea. Sie nennt die Haltung als Beispiel, ihre Schwester die Fußarbeit.

Unter den beiden ist Konkurrenzdenken kein Thema. Im Gegenteil: „Man hat immer eine Bezugsperson“, sagt Berit. Neid spielte selbst dann keine Rolle, als sie schon mit zwei WM-Titeln dekoriert war, während Tabea noch im B-Team tanzte. „Die Zeit dort war wichtig und schön, weil ich ohne Druck tanzen konnte“, sagt Tabea. „Und ich wusste, dass ich den selben Weg gehen würde wie Berit.“

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