Drei Naturgarten- und Insektenbeauftragte

Beratung über Artenvielfalt: Jeder Stuhrer kann Beitrag leisten

Drei Personen stehen in einem Feld mit Wildblumen.
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Wollen die Stuhrer für die Artenvielfalt gewinnen: (v.l.) Reinhild Olma, Gerold Leschke und Michaela Werner.

Gärten haben ein großes Potenzial, als Refugium für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten zu dienen. Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten, finden Reinhild Olma, Michaela Werner und Gerold Leschke. Sie sind die neuen ehrenamtlichen Naturgarten- und Insektenbeauftragten der Gemeinde Stuhr. 

Stuhr – Gerold Leschke ist vor 20 Jahren nach Neukrug gezogen. „Damals brauchte ich unbedingt ein Fliegengitter, heute kommt selbst bei offenem Fenster kein Insekt ins Haus.“ Seine Botschaft ist klar: Der Artenschwund ist längst in der Tier- und Pflanzenwelt angekommen. Dem möchte Leschke entgegenwirken – und mit ihm Reinhild Olma und Michaela Werner.

Die drei fungieren ab sofort als Naturgarten- und Insektenbeauftragte der Gemeinde Stuhr. An sie kann sich wenden, wer etwas zur Artenvielfalt beitragen möchte, aber nicht weiß wie. Das Angebot ist ehrenamtlich.

Als erste Stadt hatte Erlangen Anfang 2020 ein Verbot von Schottergärten für Neu- und Umbauten verabschiedet, im Juli desselben Jahres zog Würzburg nach. Doch das soll nicht der Stuhrer Weg sein. „Wir wollen keine Verbote aussprechen, sondern Menschen überzeugen, dass Natur- und Artenschutz wichtig ist“, sagt der Stuhrer Umweltbeauftragte Marc Plitzko. Es sei schön, einen naturnahen Garten zu haben mit Pflanzen, die zur Region passen. „Das ist keine Last“, findet Plitzko.

Gärten Stück für Stück verändern

Auch Leschke geht es darum, „die Menschen mitzunehmen“. Überschriften wie „Kampf den Schottergärten“ mag er nicht lesen. „Jeder, der einen solchen Garten hat, hat auch einen Grund. Entweder kommt er aus der Stadt, hat keine Zeit, um sich zu kümmern, oder Ähnliches. Doch Schottergärten machen auch Arbeit.“ Ohnehin seien diese nur die extreme Ausprägung: „Wir haben bei uns Gärten, die zwar grün sind, in denen aber auch nicht mehr blüht.“ Es gehe darum, die Gärten Stück für Stück, Quadratmeter für Quadratmeter, zu verändern.

Laut Mitteilung sind allein in Deutschland cirka 40 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten gefährdet oder bereits ausgestorben. Gerade bei den Insekten sei der Rückgang dramatisch. So hätten Studien ergeben, dass die Gesamtmasse der Insekten seit 1989 um 75 Prozent zurückgegangen sei.

Für die Artenvielfalt würden die Gärten ein großartiges Potenzial bilden, heißt es in der Mitteilung weiter. „In ihrer Gesamtzahl entspricht ihre Größe etwa der Gesamtgröße sämtlicher Naturschutzgebiete Deutschlands.“ Bereits durch kleine Veränderungen könnten viele Gärten zu Refugien für eine Vielzahl von Arten werden.

„Man glaubt nicht, was wir hier an Insekten haben“, sagt Leschke. Doch leider sei es bei vielen Leuten mit dem Aufstellen von Bienenhotels getan. Andere Tiere benötigten ebenfalls mehr Lebensraum. Leschke nennt die Schwebfliege als Beispiel. „Sie bestäubt die Hälfte der Pflanzen.“ Schmetterlinge wiederum profitierten von jeder einzelnen Blüte.

Wunsch: Umdenken bei der Rasenpflege

Entstanden ist die Idee einer Naturgartenberatung in der Projektgruppe Klima und Umwelt der Win-Region. Reinhild Olma arbeitet in diesem Team mit. Gerne würde sie den Naturgarten ihres Elternhauses als Modellanlage für Stuhr zur Verfügung stellen. Doch auch wer nur über einen Schottergarten verfüge, habe schon „ein bisschen was getan, wenn er das Richtige dazwischenpflanzt“. Sie wünsche sich ein Umdenken bei der Rasenpflege: nicht immer nur die englische Variante, sondern ruhig auch mal höheres Gras.

Dritte im Bunde ist Michaela Werner, die nach eigener Auskunft von Kindesbeinen an im Garten beschäftigt war und sich auch mit dem Anbau von Gemüse auskennt. „Habe ich von meiner Oma gelernt“, sagt sie. Wer Interesse habe, könne gerne bei ihr vorbeikommen und sich ihren Garten ansehen. An ihrem Naturteich gebe es auch immer Schwalben, deren Bestand allgemein zurückgegangen sei. „Von kleinen Wasserstellen haben viele Insekten etwas“, weiß Werner. Genau wie ihre beiden Mitstreiter möchte sie ganz praktische Ratschläge geben, etwa zur Frage: Was kann man unter dem Rhododendron pflanzen? „Das müssen Schattengewächse wie Frauenmantel, Günzel und Waldmeister sein.“

Plitzko betrachtet Stuhr nicht als Problemfall. Die Innenverdichtung sei zwar erwünscht, aber nicht mit der Konsequenz, dass naturnahe Flächen zerstört werden. „Wir wollen die Menschen begeistern. Jeder kann seinen Beitrag leisten“, sagt Plitzko. Wer eine Blühfläche anlegen will, kann bei ihm eine kostenfreie Blühmischung erhalten (Telefon 0421/56 95 351, E-Mail m.plitzko@stuhr.de). Die Beratung bleibt Sache der Ehrenamtlichen. Dies, sagt Plitzko, könne die Gemeinde in dieser Form nicht leisten.

Kontakt

So sind die Stuhrer Naturgarten- und Insektenbeauftragten zu erreichen: Gerold Leschke, 0421/ 892773, GeroldLeschke@t-online.de; Reinhild Olma, 0176/966 05 44 81, olma.reinhild @gmail.com; Michaela Werner, 0151/ 27 58 52 02, michi. werner@mein.gmx.

Von Andreas Hapke

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