Beppo Mayrs zweiter Roman handelt von Kindersoldaten und erscheint Ende April

Zum Töten und Vergewaltigen gezwungen

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Beppo Mayr mit einem Andruckexemplar seines neuen Romans im heimischen Garten.

Seckenhausen - Von Andreas Hapke. Wilhelm Eugen („Beppo“) Mayr hat ein Faible für Afrika, sogar seine Schildkröten kommen aus Tunesien. Seit seinem ersten Marokko-Besuch im Jahr 1978 fasziniert ihn der schwarze Kontinent. Vor dessen Problemen hat Mayr gleichwohl nie die Augen verschlossen. Das spiegelt sich in seinem ersten Roman „Verschleppt in der Sahara? In der Hand von Terroristen“ wider. Und das ist auch in seinem zweiten Werk „Blind – Kindersoldaten, zum Töten gezwungen“ der Fall. Mayr hat es jetzt auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt, in Stuhr ist es am 19. Mai so weit.

Der Roman knüpft an das Musical „blind...“ an, das Schüler der KGS Brinkum 2011 mit ihrem damaligen und inzwischen pensionierten Lehrer Beppo Mayr erarbeitet und anschließend an mehreren Orten in Marokko aufgeführt hatten. Zur großen Überraschung Mayrs war er seinerzeit auf das Wohlwollen des zuständigen Ministeriums in der Hauptstadt Rabatt getroffen, nach dem Motto: „Toll, dass Europa sich mal damit beschäftigt. Sonst werden Probleme immer von dort nach Afrika delegiert.“

Mayr selbst erlebt das Thema „Kindersoldaten“ in der westlichen Gesellschaft als Tabu. Umso größer war sein Bestreben, ihr Leid in dem Roman herauszuarbeiten und damit Leute zu erreichen, die bislang einen Bogen um diese Problematik gemacht haben. „Kinder werden dazu benutzt, als Soldaten Dinge zu tun, die sich unserer Vorstellungskraft entziehen“, sagt der 68-Jährige. In seinem Roman nimmt das Unvorstellbare seinen Lauf, angelehnt an authentische Vorfälle.

Keine Frage: Die Handlung ist brutal. So brutal, dass laut Mayr schon 2011 bei der Vorbesprechung zum Musical „blind...“ einige Schüler ausgestiegen sind und andere für sie einspringen mussten.

Es geht um die Geschwister Fred und Safira, die mit ihren aus Deutschland ausgewanderten Eltern und Großeltern in Togo (Westafrika) wohnen. Bei einem Überfall auf die Farm wird der Junge von den Schergen gezwungen, seine Großeltern zu erschießen – damit seine Schwester überlebt. Beim nächsten Überfall der Bande auf eine deutsche Farm ist Fred schon als Kämpfer dabei. Er soll das Mädchen Safira vergewaltigen, die zu diesem Zeitpunkt bereits schwer verletzt ist. Sie hatte den Anführer niedergeschlagen und wurde daraufhin von ihm geblendet. Laura überlebt, verliert aber ihr Augenlicht und wird später zu ihrer Tante nach Bremen ausgeflogen.

Derweil werden die deutschen Geschwister nach Nigeria verschleppt und dort als Kindersoldaten an die Terrormiliz Boko Haram verkauft. Später geben sie wichtige Informationen über die Terroristen preis, weshalb sie in einem Zeugenschutzprogramm landen. Sie kommen bei einer deutschen Familie unter – in Bremen, wo sie wieder auf Safira treffen...

„Kindersoldaten kehren meist schwer traumatisiert aus den Kämpfen zurück. Sie sind nicht nur die Bösen, sondern auch Opfer“, sagt Mayr. Im Roman beschreibt er ihre Gewissensbisse, ihren Schmerz und ihre Verzweiflung, im wirklichen Leben möchte er ihnen helfen: Deshalb gehen 50 Prozent des Gewinns aus dem Bücherverkauf und die bei Lesungen gesammelten Spenden an ein Projekt von „Terres des Hommes“, das Kinder in Syrien auffängt.

• „Blind – Kindersoldaten, zum Töten gezwungen“ erscheint voraussichtlich Ende April im Verlag DeBehr, ISBN 9783957532633.

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