Individueller Erfolg, kollektive Niederlage

Finn Kortkamp verliert mit der CDU knapp 15 Prozent auf die Grünen

Ein Plakat zeigt die Stuhrer Grünen-Fraktionschefin Kristine Helmerichs.
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Die „massive Plakatiererei“ habe den Grünen geholfen, sagt Kristine Helmerichs.

Eigentlich hätte es ein Bombenabend für den Christdemokraten Finn Kortkamp werden können. Bei der Kommunalwahl erhielt er die meisten Stimmen aller Bewerber, doch seine Partei sackte um sieben Prozentpunkte ab. Die Grünen holten im Vergleich zu 2016 mehr als 15 Prozentpunkte auf die CDU auf. 

Stuhr – Finn Kortkamp ist der beliebteste Politiker in der Gemeinde Stuhr. 1 227 Stimmen hat der Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten bei den Kommunalwahlen am Sonntag gezogen, doch davon kann er sich nichts kaufen. Besser: Die CDU kann sich davon nichts kaufen. Sie hat deutlich an Boden verloren, ein Verlust von sieben Prozentpunkten und drei Sitzen gegenüber 2016 sind ein Pfund (wir berichteten).

Mit knapp der Hälfte der Stimmen (633) weiß die Grünen-Fraktionschefin Kristine Helmerichs gar nicht, wohin mit ihrer guten Laune. Ihre Fraktion legte um knapp acht Prozentpunkte zu und kann nun mit acht Politikerinnen und Politikern – drei mehr als bisher – die Arbeit in der neuen Wahlperiode aufnehmen.

Dass die am Ende fehlenden CDU-Wähler zu den Grünen übergelaufen wären, wäre zu einfach gedacht. Vor allem zu pauschal, wie Kortkamp findet. Er macht die Entwicklung zum Großteil an den ausgeschiedenen, etablierten Kräften Marliese Brandes, Frank Schröder und Lars Nordbruch fest. „Ich habe mal nachgeschaut. Vor fünf Jahren haben die drei insgesamt 2 000 Stimmen geholt. Die fehlen natürlich jetzt. Im Verhältnis zu anderen Parteien hatten wir als CDU immer die meisten Personen-Stimmen erhalten.“ Diese müssten sich die nachrückenden Mitglieder erst mal verdienen.

CDU will Frauenanteil steigern

Aus dem Generationenwechsel, weiß Kortkamp, müssen die Christdemokraten die richtigen Konsequenzen ziehen. „Mir schwebt vor, die Kandidaten, die es jetzt nicht in den Rat geschafft haben, auch künftig stärker mit einzubinden“, sagt Kortkamp. „Wir müssen regelmäßig mit ihnen zusammenarbeiten, damit sie die Möglichkeit haben, ihre Ideen einzubringen, die dann auch im Rat zu Sprache kommen. Das wäre mir als Fraktionsvorsitzendem wichtig.“ Dies nehme sich zwar jeder Verband nach jeder Wahl vor. „Doch das hat bei uns in der Vergangenheit nicht gut funktioniert. Das ist ausbaufähig.“

Ebenso wie der Frauenanteil in der Fraktion, der lediglich bei 25 Prozent liegt. „Das muss beim nächsten Mal besser werden.“ Mit Blick auf das Mentoringprogramm, über das die SPD und die Grünen jeweils zwei Frauen in den Rat gebracht haben, sagt Kortkamp: „Das könnte ich mir bei den nächsten Wahlen auch für uns vorstellen. Frauke Koersen (für die CDU neu in den Rat gewählt, die Red.) könnte zum Beispiel als Mentorin für Interessierte fungieren.“ Als Kreisvorsitzende der Frauenunion bringe sie die Voraussetzungen dafür mit.

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Was die Ratsarbeit in den vergangenen fünf Jahren angeht, habe sich die CDU nichts vorzuwerfen. Sie habe auch einen engagierten Wahlkampf geführt, betont Kortkamp. Sein eigenes Ergebnis empfinde er als Rückenwind für die kommenden Jahre an der Spitze der Fraktion. „Das motiviert mich natürlich.“

Grüne: Viele Anträge gestellt und durchbekommen

Was die CDU mit der Einbindung engagierter Nachwuchskräfte schaffen möchte, ist den Grünen nach Auskunft Helmerichs’ bereits gelungen: „Die Politik, die wir in den vergangenen fünf Jahren gemacht haben, ist schon die Arbeit der neuen Ratsteams.“ Mandatsträger und Nicht-Mandatsträger seien bei den Grünen keine zwei getrennten Gruppen. „Unsere Anträge bereiten wir immer mit allen Mitgliedern im Ortsverein vor.“

In der ablaufenden Wahlperiode hätten die Grünen viele Anträge gestellt „und durchbekommen“, sagt Helmerichs. Die Anliegen der Fraktion seien gute und nachvollziehbar“ gewesen. Dass dies bei den Menschen in Stuhr angekommen sei, habe sie an den Infoständen während des Wahlkampfs vernommen, berichtet Helmerichs. Die Kombination aus einem „guten Wahlkampf mit engagierten Leuten“ sowie einer fruchtbaren Ratsarbeit sieht Helmerichs die Gründe für den Erfolg am Sonntag.

Dass nach 2011, als die Reaktorkatastrophe von Fukushima den Stimmenanteil der Grünen in die Höhe getrieben hatte, diesmal die Flutkatastrophe in Deutschland dazu geführt hat, sieht Helmerichs nur teilweise so: „Wir profitieren davon, dass der Klimawandel dadurch in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Aber beim Klimawandel sind wir auch das Original, er war schon immer das Kernthema der Partei.“ Darüber hinaus liege das Stuhrer Ergebnis deutlich über dem Kreis- und dem Landestrend, was auf die gute Arbeit des Ortsvereins schließen lasse.

Dass die beiden Ortsverbände, wie von „Besser“-Fraktionschef Gerd-W. Bode vermutet, viel Geld in den Wahlkampf gesteckt haben, bestreiten Kortkamp und Helmerichs. „Das war höchstens mehr im Rahmen der üblichen Kostensteigerung seit 2016“, erklärt Helmerichs. „Das Budget war vergleichbar“, sagt auch Kortkamp. Die Idee, in fünf Jahren ebenso wie die Grünen mehr Personenplakate aufzuhängen, sieht er skeptisch: „Wir hatten 30 Kandidaten auf den Listen. Wenn wir von ihnen jeweils 40 oder 50 Plakate aufhängen würden, müsste die Gemeinde neue Laternen aufstellen.“ Laut Helmerichs „hat uns die massive Plakatiererei sicher geholfen“.

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