Pilotprojekt mit großem Rahmen

„Ausbildung in Stuhr“: Über Speeddating zur Lehrstelle

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Mechatroniker steht bei Jugendlichen als Berufswunsch hoch im Kurs.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Zusätzlich zu den bisherigen Angeboten unternehmen die Gemeinde, die KGS Brinkum und die Interessengemeinschaften einen Versuch, Jugendliche für eine Ausbildung in Stuhrer Betrieben zu gewinnen. In Form eines Speeddatings können sich Neunt- und Zehntklässler am Donnerstag, 6. Dezember, bei Firmen ihrer Wahl informieren. Die Gespräche dauern jeweils 15 Minuten und gehen in den Räumen der KGS über die Bühne.

„Ausbildung in Stuhr“ (AiS) heißt das Projekt, das in gemeinsamen Gesprächen über den Mangel an Nachwuchskräften entstanden ist. „Es handelt sich um ein niedrigschwelliges Angebot für junge Menschen, um an die Betriebe heranzutreten“, sagt Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier. Niederschwellig in dem Sinn, dass die Unternehmen – anders als bei Messen wie der Berufsinformationsbörse (BIB) in Syke – keinen Stand unterhalten und nicht tagelang Ressourcen binden müssen.

Um Firmen und Schüler zusammenzubringen, hatte die Gemeinde im Oktober alle Stuhrer Unternehmen angeschrieben. „In welchen Bereichen bilden Sie aus?“ – vor allem darüber sollten die Verantwortlichen Auskunft geben. Die Profile der interessierten Firmen reichte die Gemeinde an die Schüler weiter. Nun war es an ihnen, aus dem Pool einen oder mehrere Lehrberufe ihrer Wahl auszusuchen.

Laut Wimmelmeier wollten 41 Unternehmen an dem Projekt teilnehmen, die zum Teil in mehreren Berufszweigen ausbilden und/oder mehr als einen Lehrling suchen. „Damit haben wir 80 Ausbildungsplätze generiert“, berichtet der Wirtschaftsförderer stolz. Die Palette reichte von A wie Automobilkaufmann über M wie Medientechnologe bis hin zu Z wie Zerspanungsmechaniker.

Dass am Nikolaustag nur Vertreter von 31 Firmen in die KGS kommen, liegt darin begründet, dass die Schüler sich nicht für alle Lehrberufe interessierten. Während zum Beispiel der Job des Mechatronikers bei den Jugendlichen hoch im Kurs stand, waren Stellen in der Logistik- und Transportbranche, im Bauhauptgewerbe, in einer Zimmerei oder einem Steuerbüro gar nicht nachgefragt.

57 Gesprächstermine mit 41 Jugendlichen

Insgesamt haben 41 Jugendliche 57 Gesprächstermine vereinbart. Das sind laut Gertrud Hoffmann, Fachbereichsleiterin Arbeit, Wirtschaft und Technik an der KGS, ein Drittel der infrage kommenden Schüler. „Manche haben schon eine Lehrstelle oder wechseln aufs Gymnasium und machen Abi“, erklärt sie.

„Wir haben die Schüler, die Firmen die Arbeitsplätze. Wie kommen wir zueinander, wie können wir enger, direkter werden?“, beschreibt KGS-Leiter Michael Triebs die Ausgangssituation vor den Gesprächen zwischen der KGS und den Interessengemeinschaften. Und: „Viele Schüler kennen nur Karriereberufe, andere Jobs sind bei ihnen nicht so im Fokus.“ Bei der Auswahl der Mädchen und Jungen habe die Schule auf Freiwilligkeit gesetzt.

„Heute kann man sich überall über Berufe informieren“, erklärt Gertrud Hoffmann. „Doch sowohl für die Schüler als auch für die Betriebe ist die persönliche Beziehung wichtig. Die Chemie muss stimmen.“ Einige der Jugendlichen wüssten bereits genau, was sie mal machen wollen, einige suchten ein Praktikum, andere hätten bloß aus Neugier mal einen Termin vereinbart. „Darauf müssen sich die Betriebe einstellen.“ Trotzdem sei das eine gute Alternative, denn nicht alle Unternehmen könnten sich auf einer Messe präsentieren.

Mundpropaganda als Mittel

Ute Sydow, Vorsitzende des Unternehmerinnenforums, setzt auf die Mundpropaganda. „Die Schüler tragen das in die Klassen. Beim nächsten Mal machen vielleicht mehr mit.“ Denkbar ist laut Axel Brauner, zweiter Vorsitzender der Brinkumer Interessengemeinschaft, dass die Jugendlichen ihre Schwellenängste verlieren und sich künftig leichter damit tun, bei Unternehmen vorstellig zu werden.

Wimmelmeier spricht von einem „kleinen Baustein, die Wirtschaft positiv kennenzulernen“ – zusätzlich zu den schon angebotenen Betriebsbesichtigungen, Praktika und Aktionen wie der „Betrieb des Monats“, der sich in einer Doppelstunde in der Schule vorstellt. „Und es ist eine Möglichkeit, schnell an einen Arbeitsplatz zu kommen.“ Die Lise-Meitner-Schule habe ebenfalls Interesse geäußert und werde eventuell beim nächsten Mal dabei sein. Für das Pilotprojekt habe es eine große Bereitschaft bei der KGS Brinkum gegeben.

Deren Leiter Triebs hofft, dass vom 6. Dezember eine Initialzündung ausgeht und weitere Veranstaltungen dieser Art folgen. „Ein Mal pro Jahr“, sagt Wimmelmeier, „wäre dafür ein guter Rhythmus.“

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