Maschinenbauer und Weltmarktführer errichtet neue Firmenzentrale in Brinkum-Nord

Becomix investiert zehn Millionen Euro

Starten ein Millionenprojekt: Bauherr Stephan Berents, Architekt Detlev Rohr, Bürgermeister Stephan Korte und Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier (v.l.).
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Starten ein Millionenprojekt: Bauherr Stephan Berents, Architekt Detlev Rohr, Bürgermeister Stephan Korte und Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier (v.l.).

Brinkum-Nord – Wer sich in irgendeinem Winkel der Erde eine Tube Zahnpasta kauft, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Produkt, das mit Technik aus der Gemeinde Stuhr entstanden ist. Die Firma Becomix aus Brinkum-Nord ist nach eigenen Angaben einer der Weltmarktführer für Maschinen, mit denen sich Cremes und Pasten herstellen lassen. Und diese Spitzentechnologie bleibt weiterhin „Made in Stuhr“: Becomix expandiert stark und braucht einen neuen Standort. Die Gemeinde kann dem Unternehmen einen bieten – nur knapp 500 Meter vom bisherigen entfernt.

Noch residiert Becomix auf mehreren Grundstücken an der Henleinstraße, doch dort reicht der Platz nicht mehr, Anbaumöglichkeiten gibt es keine. Im kommenden Jahr zieht der Betrieb an die Bergiusstraße, direkt hinter dem Einkaufszentrum Ochtum-Park. Unternehmens-Chef Stephan Berents legt Wert darauf, in der Region zu bleiben; auch, um hoch qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen halten zu können. „Viele Mitarbeiter wohnen in Bremen, in den Landkreisen Diepholz und Oldenburg oder in Delmenhorst.“ Sie könnten ihren Arbeitsplatz am neuen Standort in gewohnter Weise erreichen.

Um Becomix weiterhin ein Zuhause in Stuhr bieten zu können, waren schon einige Klimmzüge nötig, machen Bürgermeister Stephan Korte und Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier Mittwoch bei einem Ortstermin an der Bergiusstraße deutlich. „Wir haben ja nicht mehr unendlich Gewerbeflächen“, sagt Wimmelmeier.

Der 1978 gegründete Betrieb zog 1982 aus Bremen nach Brinkum-Nord. Zur damaligen Zeit hätten die Nachbarn in der Hansestadt kleine Unternehmen, wie es Becomix vor 40 Jahren noch war, eher stiefmütterlich behandelt, schaut Berents zurück. Bereits bis 1988 erweiterte der heutige Global Player seine Produktionsfläche auf doppelte Größe. In den Jahren 2000 und 2009 vergrößerte Becomix erneut die Produktionsflächen an der Henleinstraße, baute ein neues Bürogebäude und erweiterte es später. 2013 holte Becomix seine 1995 gegründete Tochterfirma BBB, die Kessel und Behälter fertigt, aus Düren (Nordrhein-Westfalen), nach Stuhr. 1998 gründete Becomix in Cloppenburg eine Softwarefirma, die dort im vorigen Jahr einen Neubau bezog. Rund 80 Prozent der von Becomix produzierten Maschinen gehen ins Ausland, davon wiederum die Hälfte zu Kunden außerhalb Europas. Mittlerweile stehen 140 Menschen bei Becomix am Standort Stuhr in Lohn und Brot, im kommenden Jahr sollen es 150 sein, sagt Berents.

Das Team darf sich auf ein schickes neues Domizil freuen. Rund zehn Millionen Euro gibt Berents für den Neubau aus. „Es ist die größte Investition in der Firmengeschichte.“ Die Fläche verdoppelt sich im Vergleich zum bisherigen Standort auf rund 6 500 Quadratmeter für die Produktion und auf 2 500 Quadratmeter für Büros. „Und wir haben an der Bergiusstraße noch Luft für mögliche Vergrößerungen“, betont der Becomix-Chef.

Architekt Detlev Rohr aus Bremen legt auf eine nachhaltige Bauweise wert. Stromsparende LED-Leuchten erhellen die Produktionshallen und die Büros, eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach versorgt das Gebäude mit grüner Energie.

Die ersten Bauarbeiten an der Bergiusstraße haben bereits begonnen. Zunächst müssten riesige Mengen Erdreich abgetragen und umgeschichtet werden, nämlich rechnerisch rund 3 000 Lastwagenladungen, rechnet Architekt Detlev Rohr vor. Im Frühjahr könnten dann die Hochbauarbeiten beginnen. Schon im Herbst könne Becomix teilweise mit der Produktion an der Bergiusstraße loslegen, hofft der Architekt. In einem Jahr soll der Neubau komplett fertig sein. Rohr drückt die Daumen, dass der Winter so mild bleibt wie bisher, damit die Arbeiten alle planmäßig über die Bühne gehen.

Der Bauherr und der Architekt arbeiten bei ihrem Projekt bewusst mit regionalen Betrieben zusammen, „aus einem Radius von 50 bis 100 Kilometern“. Daher komme bei dem Neubau kein Generalunternehmer ins Spiel, um Einfluss auf die Auswahl der Partner zu behalten.

Vor besondere Herausforderungen stellt die Planer die Nähe des neuen Gebäudes zum Bremer Flughafen. Ein Radargebäude befindet sich fast direkt in der Nachbarschaft. Das Becomix-Gebäude dürfe den Radarbetrieb nicht beeinträchtigen, verdeutlicht Architekt Rohr. Er arbeite eng mit den Luftfahrt-Behörden zusammen. Der Nähe des Flughafens ist es auch geschuldet, dass sich ein ursprünglich angedachtes begrüntes Dach nicht realisieren lässt. Dies würde Vögel anlocken, die dem Flugverkehr in direkter Nähe zum Airport gefährlich würden.

Offen bleibt, was Ende 2021, Anfang 2022 mit dem jetzigen Firmengebäude an der Heinleinstraße geschieht. Einen Leerstand wird die Gemeinde Stuhr wohl kaum befürchten müssen. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen in Brinkum-Nord bleibe hoch, sagt Wirtschaftförderer Lothar Wimmelmeier.

Von Burkhard Peters

Ein schwieriger Nachbar: Die Radarstation des Bremer Flughafens stellt die Planer vor Probleme.
Nachhaltig und ausbaufähig: So soll die neue Becomix-Zentrale an der Bergiusstraße in Brinkum-Nord aussehen.

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