Polizei setzt bei Großkontrolle drei Spürhunde ein

„Beamte“ auf vier Pfoten haben eine Nase für Drogen

Drogenspürhund Caju bei der Arbeit: In Brinkum-Nord überprüft die Polizei Fahrzeuge und ihre Insassen. Bei der groß angelegten Kontrolle – zeitgleich in Stuhr-Morrdeich – entdeckt die Polizei insgesamt drei Drogendelikte. - Foto: Jantje Ehlers
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Drogenspürhund Caju bei der Arbeit: In Brinkum-Nord überprüft die Polizei Fahrzeuge und ihre Insassen. Bei der groß angelegten Kontrolle – zeitgleich in Stuhr-Morrdeich – entdeckt die Polizei insgesamt drei Drogendelikte.
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Brinkum - Von Anke Seidel. Aufgeregt springt Caju durch die weit geöffneten Türen ins Fahrzeuginnere. Sitze, Bodenraum, Handschuhfach und die Innenverkleidung sucht der Drogenspürhund mit der Nase ab – der Autobesitzer steht friedend daneben. Am Ende der akribischen Kontrolle auf dem Parkplatz am Ochtum-Park in Brinkum steht fest: Keine Drogen, kein Einbruchswerkzeug.

Der Mann im Trainingsanzug darf weiterfahren – einer von vielen Fahrzeugführern, die Polizeibeamte am frühen Donnerstagabend unter die sprichwörtliche Lupe nehmen. Ihr Ziel: Einbrechern das Handwerk legen.

„Es ist die dritte Kontrolle dieser Art und die größte“, sagt Domenico Corbo, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) bei der Polizeiinspektion Diepholz. 60 Polizisten sind an diesem Tag an zwei Kontrollstellen im Einsatz. Ein Team winkt an der Moordeicher Landstraße immer wieder Fahrzeuge heraus, um sie und ihre Insassen eingehend zu kontrollieren. Das zweite Team verwandelt einen Teil des Parkplatzes am Ochtum-Park in Brinkum-Nord in eine Kontrollstation.

Erfahrene Beamte hat Einsatzleiter Domenico Corbo an der B 6 postiert. An der Ausfahrt aus Bremen-Kattenturm staut sich der Verkehr: Feierabendzeit. Langsam rollen die Autos durch die Kontrollzone, die wie eine Baustelle gesichert ist.

Auffällige Fahrzeugen werden geprüft 

Immer wieder dirigiert der Beamte Fahrzeuge auf den Parkplatz. Er weiß aus Erfahrung, welche Autos Einbrecher oft nutzen. „Ältere, kleine und ungepflegte Fahrzeuge – oder Transporter“, erklärt Corbo. Auch Fahrzeuge aus dem Ostblock hat die Polizei im Blick.

Tatsächlich rollt in diesem Moment eine Limousine mit osteuropäischem Kennzeichen auf den Kontrollplatz. Der Beifahrer hat die Mütze tief ins Gesicht gezogen und blickt verunsichert. Nicht nur die Papiere, sondern auch das Gepäck im Kofferraum kontrollieren die Beamten – und setzen Caju auf die Fährte. Er ist einer der drei Drogenspürhunde, mit denen sich Zoll-Beamte an der Großkontrolle beteiligen. Jetzt bildet die Bundeswehr aufgrund der aktuellen Lage sogar Corona-Spürhunde aus.

Sie arbeiten gemeinsam mit Polizisten aus dem gesamten Landkreis Diepholz sowie der ZPD, der zentralen Polizeidirektion Hannover.

Kontrollwürdig erscheint ihnen auch der neue, äußerst gepflegte Mercedes mit den roten Kennzeichen. Der Fahrer eines unscheinbaren Autos daneben hat die Kontrolle schon hinter sich und darf weiterfahren: alles in Ordnung. Ja, er hat Verständnis für diese Maßnahme der Polizei, sagt er leise, das müsse schon sein. Sein Portemonnaie hält er fest umklammert, sein Blick wirkt ängstlich.

Ganz anders der junge Mann, der sich – die Hände in den Hosentaschen – betont locker und belustigt gibt, als die Beamten seine Taschen aus dem Kofferraum seines Wagens überprüfen.

Drogentest auf dem Parkplatz 

Schräg dahinter kontrollieren ihre Kollegen, ob ein Fahrer womöglich unter Drogen unterwegs ist. Mit geschlossenen Augen, beide Arme gerade nach vorn gestreckt und den Kopf im Nacken, steht er vor den erfahrenen Polizisten. Domenico Corbo erklärt, welche Kriterien ausschlaggebend sind für den Drogentest: Gleichgewichtssinn, Zeitempfinden und Pupillen-Reaktion.

Eine Fahrzeug- und Personenkontrolle dauert im Schnitt 15 Minuten – abhängig vom Gepäck, der Zahl der Insassen und nicht zuletzt der Schuhe: „Manchmal schauen wir uns auch das Sohlen-Profil an“, sagt der ZKD-Leiter. Denn auch das kann – wie alle Fahrzeug- und Personendaten – ausschlaggebend für die Aufklärung eines Einbruchs sein.

Auch wenn die Beamten kein klassisches Einbruchswerkzeug entdecken, können die festgestellten Daten enormen Wert für die Polizei haben: „Wir können Bewegungsbilder erstellen“, sagt Domenico Corbo. Der Datenabgleich könne zum Beispiel Aufschluss darüber geben, ob sich ein Fahrzeug in der Nähe eines Einbruch-Tatorts aufgehalten habe. Es ist eine Fleißarbeit, die Zusammenhänge zwischen Einbrüchen oder anderen Straftaten entlarven kann.

Ausschließlich Haus- und Wohnungseinbrüche im Bereich Stuhr/Weyhe hat die Ermittlungsgruppe „Dunkle Jahreszeit“ im Blick. Sieben Beamte arbeiten darin mit – darunter ein Analytiker, der von der Polizeidirektion (PD) Diepholz zu diesem Team im Polizeikommissariat Weyhe abgeordnet ist. Die Ermittlungsgruppe gehört zum Projekt „Integralis“ der PD Diepholz – genau wie die Fahrzeugkontrollen.

„Sie sollen natürlich auch das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken“, sagt Domenico Corbo. Er bestätigt, dass die Zahl der Einbrüche nach solchen Kontrollen spürbar sinkt: „An den Tagen der ersten beiden Kontrollen haben wir nicht einen einzigen Einbruch gehabt“, sagt Corbo. Und er fügt abschließend hinzu: „Aus Telefonüberwachungen wissen wir, dass sich die Kontrollen auch in Täterkreisen herumsprechen.“

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