Bürgermeister Thomsen nimmt Stellung

Im Brinkumer Ortskern tut sich frühestens Ende 2019 etwas

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Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier spricht zu den Teilnehmern des Isu-Dämmerschoppens.

Moordeich - Von Andreas Hapke. Erstmals seit Ablauf des erfolglosen Investorenwettbewerbs zum Brinkumer Ortskern Ende August 2017 hat Bürgermeister Niels Thomsen am Montagabend öffentlich durchblicken lassen, woran es unter anderem gescheitert war.

Potenzielle Investoren hätten sich einen Discounter und mehr Platz für Wohnen gewünscht, sagte er während des Dämmerschoppens der Interessengemeinschaft Stuhrer Unternehmen (Isu) im Gasthaus Nobel. Hochwertigen Einzelhandel hingegen bewerteten sie als „schwierig“. Es habe nicht richtig gepasst. „Die Interessenten haben nicht 1:1 das Angebot abgegeben, das wir uns vorgestellt hatten.“

Gemeinsam seien Politik und Verwaltung nach diesem „Realitätscheck“ zu dem Ergebnis gekommen, im Hinblick auf den zweiten Anlauf im Investorenwettbewerb nachzusteuern. „Wir arbeiten an unseren Erwartungen“, sagte Thomsen. Das soll noch in der ersten Hälfte dieses Jahres abgeschlossen sein. Mit einer Bautätigkeit rechne er frühestens Ende 2019. Die Rahmenbedingungen für Brinkum seien gut. „Alles spricht dafür: Hier kann man Geld verdienen.“

Thomsen kritisiert Regelung zu verkaufsoffenen Sonntagen

Kritik übte Thomsen an der Gewerkschaft Verdi, die eine „generelle Regelung jetzt ganz genau“ auslege, nämlich die zum verkaufsoffenen Sonntag. Der müsse angelehnt sein an einen Anlass, der für sich gesehen mehr Menschen anziehe als der Sonntagsverkauf selbst. Damit blieben für Stuhr nur noch die Oldtimershow und der Schweinemarkt, um die Geschäfte sonntags zu öffnen. Für mehr sei ihm als Bürgermeister das Risiko zu hoch. „Eventuell muss ich dann Schadenersatz zahlen.“ 

Thomsen spricht von einem „persönlichen Ärgernis. Warum nicht eine Höchstzahl an verkaufsoffenen Sonntagen festlegen, wie es früher war?“, fragte er. Die aktuelle Regelung gehe an der Lebenswelt vorbei. „Wir wollen alle belebte Innenstädte.“

Linie 8 „unverzichtbar“

Bedauerlich findet Thomsen auch den Stillstand in Sachen Straßenbahnlinie 8, über die zurzeit höchstrichterlich vor dem Bundesverwaltungsgericht entschieden wird (wir berichteten). Stuhr sei bundesweit wohl die einzige Kommune ihrer Größenordnung ohne Bahnhof. Thomsen: „Uns fehlt da was, und es ist schädlich, dass wir es nicht haben.“ Die Verkehrswege seien bereits jetzt nicht für das Verkehrsaufkommen ausreichend. 

Seiner Einschätzung nach wird es noch Jahre dauern, bis die Linie 8 fährt. Als politisches Ziel sei sie „unverzichtbar, wir ersticken sonst im Verkehr“. Die Folge: Kunden kämen nicht zu den Geschäften, die Mitarbeiter nicht zur Arbeitsstelle. Dem Bürgermeister fehlt zudem das Bekenntnis Bremens zum Öffentlichen Personennahverkehr. Es sei wichtig, dass Nachbarn so vernetzt seien, dass sie sich gegenseitig erreichen können. „Wer hierhin zieht, versteht das nicht.“

Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier informierte über das Bestreben des Unternehmens Deutsche Glasfaser, Glasfaseranschlüsse in Groß Mackenstedt, Heiligenrode, Seckenhausen und Neukrug zu legen. Die Nachfragebündelung laufe bis zum 24. Februar. Außerdem werden laut Wimmelmeier auf Betreiben des Landkreises ab 2019 in den „weißen Gebieten“ mit einer Versorgung von unter 30 Mbit die Bagger rollen. „Dann werden diese Flecken die am besten ausgestatteten sein.“ Dafür habe der Kreis Fördergelder bei Bund und Land eingeworben. Glasfaser bis ins Haus ist für den Wirtschaftsförderer „die Zukunft“.

Lob für die Flüchtlingsarbeit

Als „kleinen Ansatz, das große Problem Fachkräftemangel anzugehen“, stellte Wimmelmeier das Projekt Adelante vor, bei dem sich Spanier über eine Qualifizierung in Stuhrer Betrieben ihre heimischen Abschlüsse anerkennen lassen. Sein Lob galt den teilnehmenden Firmen. Diese hätten nicht „rumgequakt“, sondern eine Chance beim Schopf gepackt.

Auch Thomsen verteilte Lob, und zwar an die in der Flüchtlingsarbeit tätigen Haupt- und Ehrenamtlichen. Diese würden bei der Integration der Migranten Hand in Hand arbeiten. Große Herausforderungen kämen in der Kinderbetreuung auf die Kommune zu. Finanziell befürchtet der Bürgermeister bis zu 500.000 Euro an zusätzlichen Ausgaben für das gebührenfreie zweite und dritte Kindergartenjahr. Personell werde sich die angedachte Verlegung der Sprachförderung in die Kitas sowie die Flexibilisierung des Einschulungszeitpunkts auswirken.

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