Neuer Sprachtreff

Aus Russisch plaudern im Brinkumer Mehrgenerationenhaus

Zwei Frauen mit Bezug zu Russland: Olga Kannewischer und Angelika Schumacher sitzen nebeneinander im MGH.
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Zwei Frauen mit Bezug zu Russland: Olga Kannewischer und Angelika Schumacher laden für Dienstag zur Premiere des russischen Sprachtreffs ein.

Das Brinkumer Mehrgenerationenhaus baut sein Sprachangebot aus. Olga Kannewischer und Angelika Schumacher laden zu einem russischen Sprachtreff ein, in dem sie mit Gleichgesinnten über Gott und die Welt plaudern wollen – auf Russisch versteht sich. Auch ungeübtere Sprecher sind willkommen. 

Brinkum – Mit viel Glück hätten sich Olga Kannewischer und Angelika Schumacher schon in einem früheren Leben in Kasachstan begegnen können. Kannewischer hat 45 Jahre ihres Lebens in dem Land verbracht, während Angelika Schumacher dort mal für einen Messeveranstalter tätig war. Nun hat die beiden das Brinkumer Mehrgenerationenhaus (MGH) zusammengeführt.

Gemeinsam laden sie zu einem russischen Sprachtreff ein, in dem sie mit Gleichgesinnten über Gott und die Welt plaudern wollen – auf Russisch versteht sich. Beginn ist am Dienstag, 21. September, um 9.30 Uhr. Auch ungeübtere Sprecher sind willkommen.

Über Nachbarn hatte Olga Kannewischer vom MGH erfahren. Zu diesem Zeitpunkt suchte sie, die erst im März von Hamburg nach Stuhr gezogen war, nach Kontakten. Die Idee zum Sprachtreff hatte MGH-Leiterin Daniela Gräf. „Diese Treffen sind außerordentlich wichtig für die Begegnung zwischen Jung und Alt. Wir haben hier schon Kurse in Spanisch, Italienisch, Plattdeutsch, Englisch und Französisch“, berichtet Gräf. „Der Baustein Russisch passt wunderbar dazu.“

Mit den Kindern „gemischt“ gesprochen.

Olga Kannewischer ist 1996 von Kasachstan nach Trittau bei Hamburg gezogen, wo sie kurz darauf ihren Mann kennengelernt hat. Er und der ältere der beiden Söhne sind inzwischen verstorben. Deshalb zog Kannewischer zu ihrem jüngeren Sohn nach Stuhr. Insgesamt hat sie drei Enkelkinder.

Obwohl in Kasachstan geboren, hat Olga Kannewischer spät Russisch gelernt. Ihre Eltern – sie hatten Vorfahren aus Österreich (Vater) und Hessen (Mutter) – sprachen ausschließlich Deutsch mit ihr. Erst kurz vor der Einschulung lernte sie über den Kontakt zu einem Nachbarsmädchen die russische Sprache kennen. Dafür hatte sie nach ihrem Umzug in Deutschland keine Probleme, sich zu integrieren. „Ich war nur zwei Monate lang in einem Deutsch-Kurs und habe sofort Arbeit als Fleischereiverkäuferin gefunden. Ich bin ein offener Mensch.“

Sie selbst habe mit ihren Kindern „gemischt“ gesprochen. „Der Russe versteht uns nicht, der Deutsche versteht uns nicht“ sei ein immer wiederkehrender Witz in der Familie gewesen, sagt Kannewischer. „Ich denke und spreche Deutsch. Wenn ich Russisch schreibe, kommen deutsche Buchstaben rein.“ Und trotzdem gebe es einen großen Unterschied zwischen den beiden Sprachen: Gehe es um ihre Gefühlswelt – der Bauch, das Herz –, sei Russisch alternativlos. Für Kannewischer ist es eine blumigere, vielseitigere Sprache, die ihr auch in der Literatur lieber sei. Sie kenne die gesamte russische Klassik.

Wenn Olga Kannewischer in Bremen und Stuhr unterwegs ist, hört sie viele Unterhaltungen auf Russisch. „Unter Russen und Russlanddeutschen, in Läden und auf der Straße“, berichtet sie. Und viele Menschen seien einsam. Sprich: Es müsste genügend Interessenten für den Sprachtreff geben. Dort wolle sie Leute kennenlernen und klönen, sagt Kannewischer. Sie koche, backe und bastele gerne und könne sich vorstellen, Menschen zu sich nach Hause einzuladen.

Russisch vom Zuhören gelernt

Laut Daniela Gräf hilft der Neuzugang auch bei der Betreuung des Mittagstischs, in der Küche und im Service aus. „Sie ist ein Schatz“, sagt sie. Das dürfte auch auf Angelika Schumacher zutreffen, die sich laut Gräf „schon ganz lange“ in verschiedenen Funktionen im MGH einbringt. Unter anderem organisiert sie das Reperatur-Café und leitet den Englisch-Treff am Donnerstagabend.

Fast 50 Jahre hat sie immer wieder mal in Russland gearbeitet, und zwar in allen Ländern der ehemaligen UDSSR. Zunächst für eine Spedition, für die sie bei Messen unter anderem die Zollabwicklung erledigt hat. Später für einen Messeorganisator.

„Das war nicht leicht, als ich 1966 zum ersten Mal nach Russland kam“, sagt die heute 75-Jährige. Sie habe Russisch vom Zuhören gelernt. „Es ist eine schöne und schwere Sprache, besonders die Grammatik ist schwer. Ich spreche gerne Russisch, aber alles andere als fehlerfrei.“

Die russische Kultur, Erinnerungen an die Heimat, Reisen, Politik, Beruf und Hobby – der Treff ist für alle Themen offen. Zur Premiere bringt Kannewischer selbst gebackene russische Kekse mit, sogenannte Petschenije. Dazu gibt es Kaltgetränke, Kaffee und Tee. Künftig kann auch gemeinsam gefrühstückt werden.

Die Teilnahme ist kostenfrei, aber nur mit dem Nachweis der Genesung, einer Impfung oder eines negativen Tests (3G) möglich.

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