Nach über 46 Jahren quittiert Wilfried Heidemann seinen Dienst bei der Polizei

Der Bart ist weg

Abschiedsfahrt im alten Polizeikäfer: Wilfried „Willo“ Heidemann und seine Nachfolgerin Julia Jähnel. Foto: Polizei

Stuhr - Von Andreas Hapke. Der Schnurrbart war sein Markenzeichen, der Job seine Leidenschaft: Nach 46 Jahren und 241 Tagen bei der Polizei Niedersachsen hat Wilfried Heidemann gestern seinen Dienst quittiert. „Willo“, wie ihn seine Kollegen nennen, tauscht die Uniform gegen den Freizeitlook.

Bis zuletzt war Hauptkommissar Heidemann mit Leib und Seele Polizist – sonst hätte er wohl kaum zweimal seinen Vertrag um jeweils ein Jahr verlängert. „Für mich war das ein unterhaltsamer, kurzweiliger Job mit vielen Facetten. Der hat mir auf Anhieb gut gefallen“, begründet Heidemann. Diese Bilanz habe er gestern „nach gefühlt 120 Jahren“ auch in der Abschiedsmail an seine Kollegen gezogen.

Eine Dienststelle im Stadtrandbereich – ein solcher Arbeitsplatz sei genau auf ihn zugeschnitten gewesen. „Auch deshalb habe ich mich immer sehr wohl gefühlt in meinem Job. Ich komme aus einem Dorf bei Osnabrück, ich bin so aufgewachsen“, begründet Heidemann. Andere Kollegen hätten im Laufe der Zeit versucht, zurückzukehren in die alte Heimat. Das sein für ihn kein Thema gewesen. Heidemann wurde in Riede heimisch.

Das mit dem Schnurrbart, vermutet der 64-Jährige, muss irgendetwas mit seinem Großvater zu tun haben. „Der hatte einen Kaiser-Wilhelm-Bart, so richtig opulent. Ich habe den Bart schon immer wachsen lassen, seit über 30 Jahren ist das so.“

Sein Faible für die Polizei hingegen hat Heidemann nicht aus Verwandschaftskreisen geerbt. „Wir sind damals mit ein paar Leuten vom Gymnasium zur Werbestelle der Polizei gegangen. Die haben uns die Ausbildung mit viel Sport und wenig Unterricht schmackhaft gemacht“, erzählt „Willo“. Das habe sich lukrativ angehört. Geld hingegen habe eher eine untergeordnete Rolle gespielt. „Obwohl wir damals 650 Mark bekommen haben. Das war locker doppelt so viel, wie in anderen Lehrberufen gezahlt wurde.“

Heidemann begann seine Grundausbildung im Oktober 1973 an der Landespolizeischule auf dem Schloss in Bad Iburg und war dann bei der Bereitschaftspolizei in Hannoversch Münden tätig. Schon 1975 zog es ihn nach Weyhe. „Für die Einrichtung von Revieren benötigte man Personal“, erinnert er sich. In Weyhe arbeitete Heidemann im Einsatz- und Streifen- sowie im Kriminal- und Ermittlungsdienst.

Im Jahr 2004 wechselte Heidemann zur Polizeistation in Stuhr, wo er fortan die Richtung als stellvertretender Leiter maßgeblich mitbestimmte. Seinen Wechsel dorthin begründet er damit, dass „ich nicht dauerhaft Schichtdienst machen wollte“. Zehn Jahre sei das in Weyhe der Fall gewesen. „Die letzten zehn Jahre wollte ich auf jeden Fall im Tagesdienst verbringen. Ich war dort auch näher an den Bürgern dran.“

Seine Aufgabe in Stuhr bestand hauptsächlich in der Verfolgung von Straftaten, welche die Kollegen im Einsatz- und Streifendienst aufgenommen hatten. „Bis zur Abgabe an die Staatsanwaltschaft. Wir waren dem Kriminal- und Ermittlungsdienst in Weyhe zugeordnet, haben hin und wieder aber auch die Kollegen im Streifendienst unterstützt“, fügt „Willo“ hinzu. Diese Abwechslung habe den Job für ihn so interessant gemacht.

Ob ihm eine Geschichte in den vergangenen 46 Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist? Heidemann überlegt, doch „ad hoc fällt mir das schwer. Manche Sachen wären vielleicht auch nicht spruchreif“, sagt er und lacht. Die größte Veränderung in seinem Polizeileben macht er an der Hierarchie fest, die früher ausgeprägter gewesen sei, „aber auch nicht unliebsamer“. Auf der Stuhrer Dienststelle sei das Zusammenleben familiär.

Für die die Leiterin des Polizeikommissariats Weyhe, Franziska Mehlan, steht fest: „Mit dem stets herzlichen ‚Willo‘ geht ein Teil der Polizeistation Stuhr nun in deren Geschichte ein. Er war bis zum letzten Tag aktiv, verlässlich und gewissenhaft. Heidemann wird eine große Lücke hinterlassen.“ Den Posten als stellvertretende Stationsleiterin übernimmt Julia Jähnel für sechs Monate im Rahmen einer Personalentwicklungsmaßnahme. Die 32-Jährige ist bislang als Sachbearbeiterin im Kriminal- und Ermittlungsdienst Weyhe eingesetzt.

Seine offizielle Verabschiedung hat Heidemann gestern im ganz kleinen, corona-gerechtem Kreis gefeiert. „Es tat mir in der Seele weh, dass nicht alle Kollegen dabei sein konnten“, bedauert er. Von denen, die außen vor blieben, hätten ihm einige aber schon am Donnerstag 30-Minuten-Besuche abgestattet.

In seiner Freizeit möchte der Pensionär zunächst einmal „ankommen. Auch das will organisiert sein, das kennt man ja gar nicht mehr.“ Er spricht von einem „großen Luxus, der einem da zuteil wird“. Da seine jüngere Frau noch ein Weilchen arbeiten müsse, werde er sich auf Haus und Garten konzentrieren. „Da ist immer so viel zu tun, und das liegt mir.“ Außerdem wolle er häufiger mal eine kleine Radtour unternehmen – „ich bin in den vergangenen zwei Jahren immer damit zur Arbeit gefahren“ – und könne sich für später eine „kleine Verpflichtung“ vorstellen, gegebenenfalls ehrenamtlich. Das Rentnerleben des Wilfried Heidemann – es hört sich nicht nach Langeweile an.

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