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Gewerbeobjekt und Reihenhäuser an der Blockener Straße geplant

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Von: Andreas Hapke

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Für das Vorhaben muss die Lagerhalle weichen.
Für das Vorhaben muss die Lagerhalle weichen. © Andreas Hapke

An der Blockener Straße Alt-Stuhr soll sich einiges tun.

Stuhr – Die Grundstücksfragen sind geklärt, die Baugenehmigung liegt seit Dezember vor, der Investor steht in den Startlöchern: Dem Bau eines Gebäudes für Gewerbe und Wohnen an der Blockener Straße 41 in Alt-Stuhr scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Was das Objekt so interessant macht: Es bietet einer ärztlichen Gemeinschaftspraxis den Raum, sich zu verwirklichen. Die Interessenten sind der Kreiszeitung bekannt. Sie wollen im Zusammenhang mit der Immobilie aber (noch) nicht genannt werden.

Nicht zuletzt im Wahlkampf des Jahres 2019 war die ärztliche Versorgung in Alt-Stuhr ein großes Thema, vor allem wegen des Wegzugs von Anette Cheaib und Yvonne Indorf. Die Ärztinnen mussten ihre Praxis gegenüber des Rathauses an der Blockener Straße aufgeben, weil der Eigentümer das Gebäude abreißen ließ, um Wohnungen zu bauen. Knapp vier Jahre ist das jetzt her. Seitdem praktizieren die beiden gemeinsam mit Susanne Neumann in einer Gemeinschaftspraxis an der Bremer Straße 2 in Brinkum.

Nach Auskunft von Makler Helmut Otten soll auf einem Teil des ehemaligen Speditionsgeländes der Firma Oestmann ein großes Gewerbeobjekt entstehen. Im Erdgeschoss biete es Platz für die Arztpraxis, eine(n) Krankengymnastin/Krankengymnasten und ein Café. Das Obergeschoss sei für bis zu 20 Wohnungen ausgelegt. Darüber hinaus sind zwölf Reihenhäuser geplant, verteilt auf drei Baukörper. Für das Projekt muss nicht nur die große Halle weichen, sondern auch die insgesamt 17 Garagen. Das Wohnhaus auf dem Areal bleibt laut Otten stehen.

Überwiegen die Vorteile die Nachteile?

Als Eigentümer und Investor tritt die Firma Baucom aus Weyhe auf. Dies bestätigte das Unternehmen gegenüber der Kreiszeitung, mit einer detaillierten Planung wollte es aber noch nicht an die Öffentlichkeit treten.

Wie Otten mitteilt, handelt es sich bei dem Projekt um eine „kleinere Lösung“, da die benachbarte Fahrschule bestehen bleibe. Ursprünglich sei das Grundstück für einzweigeschossiges Haus mit Apotheke im Erdgeschoss vorgesehen gewesen. Doch dazu hätte es laut Otten einer Änderung des Bebauungsplans bedurft – gleichbedeutend mit einer Verzögerung des Projekts. Für eine Apotheke in Alt-Stuhr habe er bereits andere Flächen im Auge, versicherte der Makler.

Stadtplaner Christian Strauß bestätigt den baurechtlichen Aspekt. Eine Apotheke sei sowohl in einem Mischgebiet als auch in einem allgemeinen Wohngebiet zulässig. Doch in dem betreffenden Bereich grenze ein Misch- an ein Wohngebiet und somit ein Baugebiet mit zwei zulässigen Vollgeschossen an ein Baugebiet mit nur einem zulässigen Vollgeschoss. Im Hinblick auf eine B-Plan-Änderung würde man sich den gesamten Bereich ansehen. „Eine Änderung für nur ein Grundstück wäre nur in wenigen begründeten Ausnahmefällen möglich“, sagt der Stadtplaner. Überwiegen die Vorteile die Nachteile? Um diese Frage gehe es in solchen Fällen.

Gesundheitliche Versorgung in Alt-Stuhr

Nach der Schließung von Arztpraxis und Apotheke in Rathausnähe sah sich die Politik mit der gesundheitlichen Versorgung in Alt-Stuhr konfrontiert. Den Grünen schwebte ein Gebäude nach dem Vorbild eines Ärztehauses in Rehden vor, das sich der zuständige Ausschuss seinerzeit auch angesehen hatte. Mit Allgemeinmediziner, Facharztpraxis, Physiotherapie und eventuell auch einer Apotheke. Sie sahen die Kommune in der Pflicht. „Die Gemeinde Stuhr wird die notwendigen Voraussetzungen schaffen und ein eigenes Gebäude errichten, um es Ärzten und anderen Dienstleistern rund um die Gesundheit anzubieten“, so der Antrag.

Die Christdemokraten hatten von Beginn an eine private Variante bevorzugt. In seiner abschließenden Empfehlung schloss der Ausschuss ein solches Engagement auch nicht aus: „Die Gemeinde wird beauftragt, die Voraussetzungen zur Errichtung eines Gebäudes zu prüfen, um es Ärzten und anderen Dienstleistern rund um die Gesundheit zu überlassen.“

Wie sehen die beiden Fraktionen die Entwicklung an der Blockener Straße heute? „Das freut uns natürlich“, sagt Finn Kortkamp (CDU). „Andere Kommunen haben ja eher das Problem, dass sie keine Ärzte haben. Wir haben die Ärzte, nur fanden die keine Immobilie in Stuhr.“ Dass nun ein privater Investor in Blocken tätig wird, findet Kortkamp „optimal. Die Gemeinde hat viele Projekte vor der Brust. Da trifft es sich gut, dass sich das Problem von privater Hand löst.“ Die Kommune sei nicht immer der bessere Unternehmer. „Sie wäre alleine auch nicht schneller gewesen.“

Kristine Helmerichs (Grüne) betont: „Wir brauchen eine Arztpraxis in der Form, wie wir sie in Stuhr hatten.“ Wer letztlich das Gebäude errichte, sei den Menschen, die die Praxis aufsuchten, egal. „Nur muss es jemand tun. Und wenn sich niemand findet, muss die Gemeinde tätig werden.“ Sollte ein privater Investor an der Blockener Straße tätig werden und Ärzte dort einziehen, sei das ein Gewinn für Alt-Stuhr. „Das war das Ziel unseres Antrags. Es ist aber erst erreicht, wenn die Praxis auch da ist.“

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