Bäckerei Eggers sattelt um auf Lieferservice / Ladengeschäft schließt im April

Backwaren bis vor die Haustür

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Sylke (l.) und Lutz (r.) Meyer sowie Christel und Georg Eggers verkleinern ab April ihr Traditionsgeschäft.

Stuhr - Von Katrin Köster. Butterkuchen und Schwarzbrot von Bäcker Eggers: „Das ist vielen in der Gegend ein Begriff“, sagt Lutz Meyer. Und zwar schon seit rund 115 Jahren. So lange gibt es den Familienbetrieb an der Delmenhorster Straße 34 bereits. Ab April ändert sich jedoch einiges: Dann schließen Meyer und seine Frau Sylke die Ladenpforten und verlagern das Geschäft auf einen Verkaufswagen sowie Vorbestellungen.

Die Entscheidung ist dem Ehepaar schwer gefallen. „Das ist unser Lebenswerk“, sagt der gelernte Bäcker mit Bedauern.

Auch seine Frau ist als Konditormeisterin vom Fach und hängt sehr an dem Betrieb, den sie und ihr Mann seit 2000 leiten. „Sylke hat bei Knigge gelernt und das Geschäft von ihrem Vater übernommen. Wir machen alles selbst. Bei uns gibt es keine Fertigmischungen“, sagt Lutz Meyer.

Das soll auch nach dem 1. April so bleiben, betont er. Allerdings wollen Meyers dann ihre Kunden nur noch mit vorbestellten Backwaren und süßen Leckereien beliefern. Bestellungen zum Wochenende sowie saisonales Gebäck zu Ostern oder Weihnachten, das die Käufer bei der Backstube abholen, sind aber weiter möglich.

Zwei Mal die Woche ist der Bäckerei-Wagen außerdem auf Wochenmärkten zu finden: „Donnerstags in Habenhausen und sonnabends in Brinkum“, so Meyer. Zu erreichen ist die Bäckerei weiter unter der Rufnummer 0421/890437.

Der Entschluss, sich zu verkleinern, ist kein spontaner. Meyer zufolge plagen das Traditionsgeschäft seit geraumer Zeit drei Probleme: Personalnot, ein zu hoher Verwaltungsaufwand sowie das veränderte Kaufverhalten der Kunden.

„Meine Frau sucht seit mehr als einem halben Jahr eine Hilfskraft, die sie bei der Herstellung von Pralinen und anderen Waren unterstützt. Doch da kriegen Sie niemanden“, erläutert Meyer eine seiner Sorgen. Insbesondere die Arbeitszeiten schreckten potenzielle Bewerber ab, weiß der Chef.

Derzeit beschäftigt das Ehepaar acht Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit, darunter zwei Bäckergesellen sowie einen Fahrer für den Verkaufswagen. „Selbst mein 78 Jahre alter Schwiegervater steht noch in der Backstube. Er kann es einfach nicht lassen“, sagt Meyer lächelnd. Für alle Beschäftigten geht es ab April weiter wie bisher.

Bisher müsse er für den Laden und den Verkaufswagen eine doppele Buchführung vorlegen, ergänzt der Bäcker. Doch das koste trotz des rückläufigen Ladengeschäfts viel Zeit. „Der Verwaltungsaufwand steht in keinem Verhältnis mehr zu den Einnahmen“, bilanziert der 52-Jährige.

Hinzu kommt, dass offenbar immer weniger Kunden den Weg in die Backstube suchen. „Das ist ein genereller Trend: Es gibt mehr Supermärkte, in denen sich die Leute eben im Vorbeigehen eindecken, und immer weniger Handwerksbetriebe wie uns“, bedauert Meyer.

Dem möchten er und seine Frau etwas entgegensetzen: die gewohnte Qualität, aber mit einem an die veränderten Bedürfnisse angepassten Service. „Wir hoffen, so neben unseren Stammkunden auch weitere Menschen anzusprechen.“

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