Vom Steller See bis zum Dümmer

Badesee-Test: Das sind die beliebtesten Gewässer zwischen Stuhr und Diepholz

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Vom Anbaden wie im Mai bis zum Ende der Saison: Der Steller See ist vor allem für Familien geeignet.

Landkreis - Von Ulf Buschmann. „St. Tropez am Baggersee“ hieß die heimliche Hymne der Rodgau Monotones in den 80ern. Die Hessen hielten einen Lobgesang auf die heimische Badeseen-Kultur – zurecht, wie 30 Jahre später der Kreiszeitungs-Badetester zeigt. Autor Ulf Buschmann hat die hohen Temperaturen zur Abkühlung im Landkreis genutzt.

Warum ans Mittelmeer reisen? Heiß ist es seit Wochen auch in Norddeutschland. Und mindestens einen mediterran anmutenden Platz gibt es im Landkreis außerdem. Die „Bar dü Mar“ am Dümmer See ist zwar für Nordkreis-Menschen ein Stück weiter weg, aber der Abstecher lohnt sich allemal – wenn denn im und am Dümmer die Blaualgen keinen Stress machen.

Der See ist eines der Ziele zum Baden, von denen es im Landkreis eine ganze Reihe gibt. Zumeist gilt das Motto „umsonst und draußen“. Und einmal ist das Baden eher geduldet als gewollt. Dies gilt für die Kiesgrube Schweringen. Ansonsten gilt natürlich: Wer ins kühle Nass springt, tut dies auf eigene Gefahr.

Die Alte Weser sammelt Pluspunkte als idyllische Badestelle. Nicht so schön sind die Hundehaufen auf der Liegefläche.

Ruhige Plätzchen zuhauf gibt es an der Alten Weser in Dreye. Aus dem Altarm des Flusses wurde in den 1960er-Jahren ein See. Der Zugang erfolgt über das Siel zum Dreyer Hafen. Ein Weg führt um die Alte Weser herum zu zwei Naturbadestellen. Aber die Wiese zur Weser hinüber bietet sich auch zum Liegen an. Tipp: Da es an der Alten Weser nur am Ufer Schilf und Hochstauden gibt, sollte zum Ausflugsgepäck mindestens eine Kopfbedeckung, besser noch ein Sonnenschirm gehören. Wer sich – entweder an den beiden Badestränden oder auf der Wiese – bettet, dem ist im Großen und Ganzen Ruhe sicher.

See-Tester Ulf Buschmann

Wer sich fürs Baden entscheidet, muss wissen: Wie bei allen ehemaligen Sandabbaustellen, ist es am Ufer flach. Schon nach fünf bis zehn Metern haben Wasserratten keinen Boden mehr unter den Füßen. Die Tiefe der Alten Weser wird mit immerhin 13 Metern angegeben. Das ist für Nicht- und Schlechtschwimmer misslich, bietet aber auch die Möglichkeit, lange Bahnen zu ziehen. Das Wasser macht einen sauberen Eindruck, Tauchen ist dort überhaupt kein Problem. Doch hin und wieder melden sich in Dreye die Blaualgen.

Eine gute Idee sind die Hundebadestellen. Die werden von Zwei- und Vierbeinern gerne genutzt. Allerdings denkt der eine oder andere Hundebesitzer nicht daran, seinen Liebling nach dem Bad wieder an die Leine zu nehmen. Hin und wieder wird die Wiese zum Hundekackplatz.

Spaß am Steller See für drei Euro Eintritt

Das kann am Steller See nicht passieren. Denn das Gewässer, ebenfalls ursprünglich ein Baggersee, das in den 1960er-Jahren beim Bau der A1 entstanden ist, wird zusammen mit dem Campingplatz privat betrieben. Für drei Euro Eintritt bekommt jeder Badewillige den Komfort eines klassischen Freibades: mit regelmäßiger Leerung der Abfallbehälter, DLRG-Wasserrettung und natürlich mit einem Imbiss.

Am Steller See ist es während der Urlaubszeit schon am Vormittag voll. Familien und junge Leute sind es meistens. Dies sorgt für eine alles in allem entspannte Atmosphäre – und bisweilen lustige Begebenheiten. Da ist zum Beispiel die Gruppe junger Frauen. Sie zieht es zum Ballspielen ins Wasser. Aber die Haare dürfen nicht nass werden. Die Jungs daneben finden das lustig und spritzen erst einmal drauf los.

Derweil sitzen die Kleinen im Sand und buddeln ein Loch nach dem anderen. Da kann Papa schon einmal gemein werden. „Pass auf, dass du nicht zu tief gräbst“, ruft der seinem Filius zu, „sonst fällst du rein und kommst auf der anderen Erdseite wieder zum Vorschein.“ Aber Papa hat nicht mit der Schlagfertigkeit seines Nachwuchses gerechnet: „Dann kannst du mich ja abholen.“

Renate Dugeon (links) ist mit ihren beiden Söhnen Ethan (2.v.l.) und Tristan (Mitte) am Silbersee. Sie genießt die Zeit zusammen mit Freundin Cornelia Hartmann (rechts) und deren Sohn Tom.

Buddeln, das ist genau Ethans Ding. Der Siebenjährige mag sich an diesem sonnigen Nachmittag nicht so recht vom Sand am Ufer des Silbersees lösen. Dort haben die Besucher alles, was zu einem Badetag gehört: Aufpasser der DLRG, einen Kiosk und zwei Badestellen. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Nähe zur Autobahn – zumindest für Menschen von außerhalb.

„Die hören wir gar nicht mehr“, sagt Cornelia Hamann aus Weyhe. Sie ist mit ihrem dreijährigen Sohn Toni, sowie mit ihrer Freundin Renate Dudgeon und deren Söhnen Tristan und Ethan, am Silbersee. „Schon den dritten Tag in Folge“, meint Cornelia Hamann lächelnd. Renate Dugeon findet: „Hier haben die Kinder ihren Spaß.“

Urlaub neben der Autobahn am Silbersee

Tatsächlich geht es rund um das Gewässer ziemlich entspannt zu: Junge Frauen, die aus dem Wasser kommen und sich nach dem Abtrocknen sogleich ans Mobiltelefon hängen, eine Mutter, die schwitzend das Schlauchboot aufpumpt, während ihr halbwüchsiger Sohn daneben pennt und Familien, die sich gegenseitig eincremen. Das ist wirklich wie Urlaub, gleich neben der Bundesautobahn. Was sie angeht, so hat Cornelia Hamann recht. Wer länger am Silbersee verweilt, hört das Brausen des Verkehrs nicht mehr.

So mancher Sulinger chillt gediegen am Stadtsee.

Am Sulinger Stadtsee ist es ruhig, weil keiner badet. Es gibt ein kleines Stück Strand, Liegewiesen und zwei Inseln; die größere dient dem Badespaß. Ihr Stadtsee ist den Sulingern bei hohen Temperaturen heilig. Eine Badeaufsicht gibt es nicht. Dafür sind das Heimatmuseum und ein Café nur wenige Schritte entfernt. Kurz: Zum Erholen ist es rund um den See recht knuffig.

Was den Sulingern ihr Stadtsee, ist den Menschen aus der Samtgemeinde Hoya in gewisser Weise der Alveser See. Wie in Dreye, ist auch dort ein wunderschöner Altarm der Weser zu einem Refugium geworden – für Angler, aber auch für Badefreudige. Der Alveser See liegt übrigens zwischen Eitzendorf und Alvesen. Das Ufer besteht aus Wiesen und naturbelassenem Sandstrand. Ein Thema ist laut Badegewässer-Atlas des Landes Niedersachsen auch hier die Blaualge. Sie habe sich in den vergangenen fünf Jahren jeweils zum Ende der Badesaison gemeldet.

Abendstimmung an der Seestraße

Weiter geht’s zum Dümmer. Niedersachsens zweitgrößter See, wegen seiner Tiefe von maximal eineinhalb Metern bisweilen als „Badewanne“ bezeichnet, ist vor allem am Wochenende das Ziel von kleinen und großen Wasserratten. Und natürlich von Touristen.

Einen Eindruck davon, wie eng es am Wochenende sein kann, bekommt der Besucher gleich an der „Bar dü Mar“ in Hüde. Dort genießen die großen Leute zumeist im Liegestuhl die Abendstimmung, während die Kleinen sich im Wasser austoben. Das ist schön, sofern der Mensch nicht das Original an der spanischen Costa Brava oder in Italien kennt.

Mediterranes Feeling auf wenig Quadratmetern vor der Bar dü Mar am Dümmer.

Dafür, dass die Badestelle an einem der flachsten Gewässer überhaupt liegt, haben die Macher dort einen schönen Platz geschaffen – gleich im Rücken des Campingplatzes, der privat betrieben wird.

Für Miriam und Dirk Hampe aus Osnabrück ist solch eine Ansammlung von Menschen nichts. Sie sind zusammen mit ihrer Tochter Carmina nicht das erste Mal zu Gast in der Gegend – allerdings nicht in Hüde, sondern an der Seestraße in Lembruch. Dort ist es wie an der dritten Badestelle bei Arnings Hof/Birkenstraße ruhiger als an der Seebar.

„Wir brauchen keinen Ballermann“, sagt Dirk Hampe, der schon als Kind zu Gast am Dümmer war. Der Osnabrücker und seine Familie haben sich vor diesem Hintergrund die Woche für ihren Badeausflug ausgesucht. Denn: Am Wochenende drohe der Einfall der Massen. Am Dümmer schätzt die Familie, dass es sauber ist – sofern nicht die Blaualgen „Hallo!“ sagen –, das Gewässer gut von ihnen zu erreichen ist, der Zugang zum Wasser kostenlos ist und es nur wenige hundert Meter Parkplätze gibt.

Während Miriam Hampe das alles aufzählt, wirft ihre Tochter ein: „Das Wasser schmeckt ekelig.“ Sie buddelt im Sand und kommt mit ihren Backformen zum Platz der Eltern. Derweil schmunzelt ein anderer Besucher über das Schild, das er liest: „Entenzaun. Baden erlaubt.“

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