Ausverkaufte Lesung mit dem Krimiautoren im Stuhrer Rathaus

Wolfs zehnter Mörder ist noch auf freiem Fuß

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Wenn Klaus-Peter Wolf den Macho Rupert sprechen lässt, lachen alle Frauen im Ratssaal.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Am Ende seiner Lesung im ausverkauften Stuhrer Rathaus entlässt Klaus-Peter Wolf seine Zuhörer mit einem Ratschlag: „Bilden sie kleine Gruppen, wenn sie nach Hause gehen.“ Schließlich sei der Mörder seines im Februar kommenden Jahres erscheinenden Romans „Ostfriesenschwur“ noch nicht gefasst, auch wenn er ihn bereits kenne. Glühwein trinken auf dem Weihnachtsmarkt sei dagegen eine sichere Angelegenheit. „Dann sitzt das Schwein längst im Knast.“

Die Resonanz auf die Veranstaltung am Montagabend spiegelt den Erfolg wider, den Wolf mit seiner Reihe ostfriesischer Krimis feiert. Allein in Deutschland sind inzwischen drei Millionen Bücher verkauft. Dabei habe er anonym bleiben wollen nach seinem Umzug von Gelsenkirchen nach Norden, erklärt der Autor, doch die neue Umgebung habe ihn zu der Serie inspiriert. Davon habe ihn auch ein Bekannter nicht abhalten können, der seinerzeit einwand: „Die Leute haben dich hier aufgenommen. Willst du das aufs Spiel setzen, indem du ihnen Leichen vor die Tür legst?“

In Stuhr geht es nicht nur um den aktuellen und neunten Band „Ostfriesenwut“. Die Besucher erfahren auch, dass Wolf nicht alltagstauglich ist, wenn er an seinen Romanen arbeitet; dass er immer aus der Perspektive seiner Figuren schreibt, begleitet von innerer Zerrissenheit. Das führt so weit, dass er bei einem Tankstopp um ein Haar eine Currywurst rot-weiß bestellt. Es ist das Leibgericht seiner Romanfigur Rupert, dem Macho par excellence der Polizeiinspektion Norden. Im letzten Augenblick entscheidet sich Wolf für eine „scheiß Gemüsesuppe“ und versucht, diesen verbalen Ausrutscher mit einem fürstlichen Trinkgeld vergessen zu machen. Schreibe er aus der Perspektive von Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen, bescheinige ihm seine Ehefrau sogar einen fraulichen Gang.

Wolf ist längst nicht mehr nur Schriftsteller. Seine Lesungen haben Comedycharakter, und für den Klamauk müssen häufig Textpassagen mit Rupert herhalten. Protagonistin Klaasen hingegen kommt ein wenig zu kurz. Was ihr zustößt, passt vielleicht nicht zum gewollt lustigen Tenor der Veranstaltung.

In „Ostfriesenwut“ erlebt die Kommissarin die größte Krise ihrer Karriere. Sie landet in der Psychiatrie, weil sie überzeugt davon ist, dass der angeblich verbrannte Mörder ihres Vaters noch lebt; und dass staatliche Institutionen wie das Innenministerium ihn schützen, weil er ihnen als V-Mann dient. Ganz bewusst habe er diesen Plot an den Fall Gustl Mollath angelehnt, sagt Wolf. „Dass Leute mit einem Gutachten in die Psychiatrie kommen, ohne dass der Gutachter sie gesehen hat, darf nicht sein. Das muss weg.“ Dass seine Kommissarin „ein wenig abgedreht sei“, bestreitet der Autor aber nicht.

Viele Figuren in den Romanen Wolfs gibt es wirklich, sie müssen inzwischen Autogramme geben. Maurer Peter Grendel etwa heißt auch im richtigen Leben so und fährt mit demselben gelben Bus durch die Gegend wie in den Krimis. Journalist Holger Bloem arbeitet tatsächlich fürs Ostfriesland-Magazin, ebenso wie das Ehepaar Tapper das Café ten Cate betreibt. Diese Authentizität hebt Wolfs Werk aus der Masse der Regionalkrimis hervor. Nie war es wichtiger, dass ein Autor zu Beginn seines Buches betont, zumindest Dialoge und Aktionen seien frei erfunden.

Und die haben es in „Ostfriesenwut“ in sich: die vorgetäuschte Beerdigung eines V-Manns, ein geplanter Giftangriff auf die Trinkwasserversorgung Ostfrieslands mit dem Ziel, global Börsenkurse zum Einsturz zu bringen, korrupte Ministerien, ein Staatssekretär, dessen Auto die Kommissarin mit einer Bierdose bewirft, dessen Bodyguards sie kurzerhand umhaut. Wolf dreht diesmal am ganz großen Rad. Fast möchte man meinen, er dreht ab. Und so abwegig ist das eigentlich gar nicht. Von irgend jemandem muss Ann Kathrin Klaasen das ja haben.

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