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Austauschjahr: Bundestagsabgeordneter schickt Stuhrer Schüler in die USA

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Von: Andreas Hapke

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Niels Polle (Mitte), Axel Knoerig und Sigrid Rother sitzen an einem Tisch auf der Terrasse eines Cafés.
Bloß nicht den Flieger verpassen: Niels Polle freut sich auf den USA-Austausch, den er seinen Leistungen und Axel Knoerig (l.) zu verdanken hat. Rechts die stellvertretende Stuhrer Bürgermeisterin Sigrid Rother. © Andreas Hapke

Das Parlamentarische Partnerschaftsprogramm macht es möglich: Der 17-jährige Niels Polle reist Anfang August für zehn Monate in die USA. Nach einer gelungenen Bewerbung war noch die Entscheidung des CDU-Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig notwendig. Auch der war von Polle begeistert.

Stuhr – Von Nervosität ist bei Niels Polle keine Spur. Im Gegenteil: Jetzt, wo alle Hürden genommen sind, freut sich der 17-Jährige auf sein zehnmonatiges Stipendium in den USA. Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) hat ihn der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig als „Juniorbotschafter“ ausgewählt. Polle wird die High School besuchen und bei einer Gastfamilie leben. Am 2. August hebt der Flieger in Frankfurt ab. „Jetzt habe ich eigentlich nur noch Angst, dass ich den verpasse“, sagt er.

Polle besucht die elfte Klasse des Delmenhorster Willms-Gymnasiums. Er habe sich schon immer viel für Englisch und Politik interessiert, erzählt er. „Ich habe bereits als Kind viel gelesen, das zieht sich durch mein Leben.“ Diese Begeisterung blieb seiner Lehrerin an der KGS Moordeich, Nina Bernhard, nicht verborgen. Sie machte ihn auf das PPP aufmerksam, mit dem sie selbst einst in die USA gereist war. Im ersten Anlauf 2019 klappte es noch nicht. Die Stunde Polles sollte erst zwei Jahre später schlagen.

Nach seiner erfolgreichen Online-Bewerbung musste sich der Stuhrer coronabedingt in einem Assessment-Center via Zoom gegen die Konkurrenz behaupten. Unter anderem sei es dort in Gruppendiskussionen um Lösungsansätze bei Konflikten gegangen, berichtet Polle. Was tun bei Unstimmigkeiten in der Gastfamilie, oder wenn an der High School mal etwas nicht nach Wunsch läuft? Weiteres Thema: die Vorstellung eines amerikanischen Präsidenten. Polle hatte sich für Ronald Reagan entschieden. Den Abschluss des digitalen Auswahlverfahrens bildete ein Gespräch mit den Organisatoren.

Drei ausgezeichnete Kandidaten

Am Ende blieben im Wahlkreis von Axel Knoerig drei ausgezeichnete Kandidaten übrig. Der Politiker spricht von einem knappen Rennen, Nuancen hätten den Ausschlag für Polle gegeben. Für Polle kam die Zusage „unerwartet. Auf einmal lag dieser Brief im Postkasten“. Inzwischen sei die Aufregung aber weitgehend verflogen. „Ich beschäftige mich ja schon länger mit der Sache.“

Das PPP ist ein gemeinsames Programm des Deutschen Bundestages und des US-Congress. Es steht unter der Schirmherrschaft der Bundestagspräsidentin. Jahr für Jahr gehen laut Knoerig 360 deutsche Jugendliche als Juniorbotschafter in die USA, ebenso viele kommen von dort nach Deutschland. Seit 39 Jahren arbeite der Bundestag mit einer Agentur zusammen, die wiederum mit einem amerikanischen Partnerbüro kooperiert. „Das betreut die Stipendiaten vor Ort intensiv“, sagt Knoerig. Bei Problemen könne sich Polle jederzeit an die US-Agentur wenden. Außerdem gebe es regelmäßige Netzwerktreffen unter den PPP-Teilnehmern. An der High School nehme Sport einen großen Raum ein. Der Gymnasiast selbst freut sich schon auf Debattierklubs, in denen er sich politisch austauschen kann. „Die deutschen Whatsapp-Gruppen werden im Laufe des Aufenthalts immer mehr versiegen“, weiß Knoerig aus Rückmeldungen vormaliger Stipendiaten.

Wohin genau es Polle verschlägt, steht noch nicht fest. Seine Unterlagen liegen bei der amerikanischen Agentur, die Suche nach einer Gastfamilie läuft. „Das kann Alaska oder South Carolina werden“, sagt Knoerig. Für Polle würde das keine große Rolle spielen. „Ich darf ein Jahr lang an einer anderen Kultur teilhaben“, schwärmt er. Dies mitzubekommen, Gespräche mit Personen aus einer anderen Welt zu führen, mit anderen Meinungen, darauf freue er sich am meisten. „Man sieht ja gerade, dass es immer wichtiger wird, sich auszutauschen und Grenzen zu überwinden. Ich bin guter Dinge, dass ich drüben meinen Gesprächsbedarf decke“, sagt Polle.

Ehrenamtliches Engagement

Dass er nach Rückkehr aus den USA die zwölfte Klasse wiederholen muss, findet Polle nicht schlimm, sondern eher logisch. „Latein zum Beispiel gibt es da drüber ja gar nicht“, sagt Polle. „Mir ist lieber, ich mache das Abitur komplett in Deutschland.“

„Dieses Jahr wird ein Reifeprozess“, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin und CDU-Ratsfrau Sigrid Rother. Und Knoerig fügt hinzu: „Manchmal habe ich Kinder weggeschickt, und junge Erwachsene kamen zurück.“

Was das ehrenamtliche Engagement Polles angeht, steht er Erwachsenen schon jetzt in nichts nach. Nach seiner Konfirmation erwarb er nach eigener Aussage die Jugendleiter-Card, um selbst als Teamer tätig zu werden. Da diese Aufgabe unter Corona gelitten habe, habe er sich auf gute Taten in der Nachbarschaft konzentriert. „Bei mir in der Straße wohnen viele ältere Leute, für die ich mal einkaufen gehe.“ Zweimal pro Woche gebe er Nachhilfe in Latein. Er wolle der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Über seinen USA-Aufenthalt möchte Polle seine Mitschülerinnen und Mitschüler auf dem Laufenden halten und regelmäßig Berichte auf der Willms-Homepage veröffentlichen. Was nach seiner Rückkehr passiert, nach dem Abitur, das hat Polle noch nicht entschieden. Darüber werde er sich vielleicht in den USA Gedanken machen. Einen Abstecher in die Politik könne er sich ebenso vorstellen wie eine Beschäftigung in der Wirtschaft. Er ist sich sicher: „Durch das Auslandsjahr „werden mir einige Türen offen stehen.“

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